Es schnieft und hustet überall, Kitas arbeiten zum Teil schon wieder in Notbetreuung, die Krankmeldungen in den Unternehmen steigen an – es ist Spätherbst.
Eigentlich ganz normal.
Spätestens seit der Corona-Pandemie sprechen die Menschen aber nicht nur über volle Hausarztpraxen, sondern fragen sich, ob ihre Klinik vor Ort dem Geschehen noch Herr werden kann.
Hinzu kommen die bundesweiten Diskussionen um befürchtete Insolvenzwellen vor allem kleinerer Kliniken und die noch ungewissen Reformpläne der Bundesregierung. Müssen die Forchheimer um ihre Krankenhausversorgung bangen?
Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz: 2022 trotz Corona ein gutes Jahr
Nein, sagt Sven Oelkers. Gerade erst kommt der Geschäftsführer der vor einigen Jahren fusionieren Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt aus einer für ihn erfreulichen Bilanzpräsentation.
„Wir haben das Jahr 2022 wirtschaftlich erfolgreich mit schwarzen Zahlen abschließen können“, rechnet der Kaufmann vor. So habe der Standort Ebermannstadt zwar erneut ein Minus (1,8 Millionen Euro) erwirtschaftet, Forchheim legte dafür ein Plus in selber Höhe auf. Positiver Saldo: 35.000 Euro.
Wenngleich sich das – vor allem in Hinblick auf die aktuellen Problemlagen des Krankenhauswesens und einem eigentlich geplanten Minus von fast fünf Millionen Euro – im ersten Moment positiv anhört, bleibt die Euphorie eher gedämpft.
Corona-Hilfen verwässern Bilanz des Krankenhauses
Man habe natürlich auch gut gewirtschaftet, so Oelkers. Aber hauptsächlich seien die guten Zahlen durch die Corona-Ausgleichszahlungen sowie Fortschreibungen von Budgets aus vorherigen Jahren zustande gekommen. Mit mehr als 2,5 Millionen Euro stopften alleine staatliche Covid-Zuschüsse die Löcher der hiesigen Krankenhauskassen.
Im aktuellen Jahr sieht das ganz anders aus. Nicht nur, dass es nach wie vor schwer sei, die vielen offene Stellen zu besetzen, und Oelkers „jahreszeitbedingt die allgemein steigenden Erkältungskrankheiten“ auch bei seinem Personal spüre. Auch müssten in Forchheim derzeit wieder 30 Patienten mit oder wegen Corona behandelt werden; einer braucht laut Divi-Intensivbettenregister invasive Beatmung.
Klinik im Jahr 2023: Zehn Millionen Euro Defizit erwartet
Aber am meisten treiben den Klinik-Chef andere Zahlen um. „Im Jahr 2023 wird laut Wirtschaftsplan mit weiter steigenden Umsätzen von 74 Millionen Euro gerechnet, welche aber durch stark steigende Kosten besonders im Personalbereich zu geplant negativen Ergebnissen von zehn Millionen Euro führen“, steht da im Lagebericht der Klinik.
Dickes Minus im aktuellen Jahr geplant
Geplant ist also bereits ein doppelt so hohes Minus wie 2022. „Eine Budgetfortschreibung mit entsprechenden Ausgleichen könnte das negative Ergebnis abfedern, ist aber nicht vorgesehen und auch nicht Gegenstand aktueller Diskussionen“, heißt es.
Hinzu kommt, dass Oelkers selbst nicht glaubt, dass es am Endes des Jahres beim Zehn-Millionen-Defizit bleiben wird. Das lege nämlich einen „regulären Geschäftsbetrieb“ zugrunde, den es durch die Corona-Einschränkungen im Frühjahr und der hohen Ausfallquote beim Personal nicht gab. Bedeutet: Auf die beiden Gesellschafter (Landkreis Forchheim und Vereinigte Pfründnerstiftungen Forchheim) könnten unter Umständen einige Kosten zukommen.
Geschäftsführer des Klinikums Sven Oelkers: „Lage gut“
Wichtig ist Oelkers jedoch zu betonen, dass die Lage im Moment dennoch gut sei. Glaubt man ihm, müssten Patienten trotz aller betriebswirtschaftlicher Befindlichkeiten nicht um eine adäquate medizinische Versorgung bangen. Vorerst zumindest.
Denn gleichzeitig blickt Oelkers mahnend in die finanzielle Zukunft und schließt sich der Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft an, der Bund müsse Kliniken akut unterstützen. „Aufgrund der politischen Rahmenbedingungen und Vorgaben können die Kliniken die Lücke der massiv gestiegenen Ausgaben durch die staatlich vorgegebenen Einnahmen nicht schließen“.
Wie sich Forchheim auf geplante Krankenhausreform einstellt
Welche Auswirkungen die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplante Krankenhausreform konkret auf die Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt mit ihren mehr als 1000 Mitarbeitenden und mehr 310 Betten haben werden, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen.
Eine Gefährdung der beiden Standorte sieht Oelkers aber nach wie vor nicht. „Wir haben ein sehr gut abgestimmtes medizinisches Konzept im Landkreis, welches in den nächsten Jahren umgesetzt wird und den zukünftigen Anforderungen gerecht wird.“
Was in Forchheim und Ebermannstadt geplant ist
So soll in Forchheim bereits 2024 ein vierter OP-Saal in Betrieb gehen, auch werden 25 Betten der Akutgeriatrie von Ebermannstadt nach Forchheim verlegt. Im Gegenzug wird das Haus in Ebermannstadt saniert und zwölf zusätzliche Betten für die psychosomatische Medizin und Psychotherapie erhalten.
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