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Pflege
Damit es nicht gleich ins Heim geht
Oft sind Senioren auf Hilfe im Alltag angewiesen – manchmal steht aber auch der Kontakt im Vordergrund.Forchheim & Fränkische Schweiz
Oft sind Senioren auf Hilfe im Alltag angewiesen – manchmal steht aber auch der Kontakt im Vordergrund. // AdobeStock_Gerhard Seybert
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Neunkirchen am Brand – Viele Senioren sind auf kleine Hilfestellungen angewiesen, aber noch zu fit, um gleich in ein Senioren- Wohnzentrum zu ziehen. Eine praktische Alternative zeigt die Forchheimer Seniorenplanerin auf.

14 Tagespflegen gibt es im Landkreis Forchheim, die alle gut besucht sind. Mit der Tagespflege „Im Rosengarten“ in Neunkirchen am Brand wurde nach zähen Verhandlungen 2001 die erste Tagespflege gegründet und hat damit den Puls der Zeit getroffen. Wie es dazu gekommen ist und wie sich die Tagespflegen seither entwickelt haben, weiß Romy Eberlein, Seniorenplanerin am Landratsamt Forchheim.

Warum wurde entschieden, Tagespflege anzubieten? Bis dato gab es ja nur Heime.

Romy Eberlein: Der Bedarf wurde größer. Die Menschen waren zwar nicht mehr in der Lage, jeden Tag alleine zu Hause zu sein, jedoch noch zu agil für ein Heim.

Wer kann zur Tagespflege?

Grundsätzlich gibt es keine Einschränkung, außer den Pflegegrad. Wichtig zu sagen ist, dass auch nicht ausschließlich Menschen mit Demenz eine Tagespflege nutzen. Menschen, die nicht den Tag über allein sein wollen, können eine Tagespflege besuchen. Dort gibt es gleichzeitig Orte zum Zurückziehen, so dass die Menschen auch Ruhe haben können.

Was müssen Angehörige tun, um ihre zu pflegenden Eltern oder Angehörigen bei der Tagespflege anzumelden?

Wenn die Voraussetzungen vorhanden sind, könnte an sich ein Anruf bei der Tagespflege ausreichen. Es besteht meist auch die Möglichkeit zum Schnuppern.

Wie oft kann die Tagespflege in Anspruch genommen werden?

Im Prinzip so häufig man will. Von den Pflegekassen gibt es ein separates Tagespflegebudget. Dieses steigt je nach Pflegegrad und ist in der Tabelle Tages- und Nachtpflege AOK Gesundheitspartner zu finden.

Romy EberleinForchheim & Fränkische Schweiz
Romy Eberlein // privat

Was kostet in der Regel der Besuch einer Tagespflege?

Dies hängt sowohl vom Aufwand beziehungsweise vom Pflegegrad als auch von der Einrichtung ab. Grob gesagt zwischen 80 und 110 Euro pro Tag. Es existiert ein gewisser Eigenanteil: Die Verpflegung ist selbst zu zahlen. Essen benötigt jeder Mensch ohne Nutzung des Angebotes zu Hause ja auch.

Werden die Kosten vom Pflegegeld abgezogen oder ist das ein zusätzliches Angebot, also kostenlos?

Das Tagespflegebudget ist zusätzlich zum Pflegegeld oder zu den Pflegesachleistungen. Das heißt, das Geld, das die Angehörigen für die Pflege erhalten, und auch das Geld für ambulante Dienste werden nicht angefasst, wenn die betroffene Person das Tagespflegebudget aufbraucht.

Hat sich finanziell bei der Tagespflege seit Bestehen der ersten Einrichtung etwas geändert?

Durch die Pflegestärkungsgesetze wurden die Gelder der Pflegekassen für die Tagespflege deutlich erhöht. Ab Pflegegrad 2 steht den Menschen zusätzlich zu den anderen Leistungen der Pflegekassen ein Budget ausschließlich für die Tagespflege zur Verfügung. Ein gewisser Eigenanteil besteht, zum Beispiel für Verpflegung.

14 Einrichtungen gibt es im Landkreis bereits. Sind in nächster Zeit weitere Einrichtungen geplant oder stehen eher welche vor dem Aus?

Hier kommt es auf die Region im Landkreis an. Es gibt Gemeinden, in welchen kaum Tagespflegen in der Nähe liegen oder der Weg zum Abholen der Gäste zu lange dauern würde. Dies ist allerdings die Minderheit. Der Landkreis Forchheim ist nach der letzten verwertbaren Pflegebedarfsplanung an Platz 3 der Rangliste in Bayern in der Nutzung von Tagespflege von den zu Hause lebenden Pflegebedürftigen. In den letzten zwei Jahren hat dieser Anteil leider etwas abgenommen. Eine Tagespflegeeinrichtung in der Stadt Forchheim hat ihren Betrieb neulich eingestellt (BRK am Königsbad).

Tagespflege ist ein Angebot, welches vorrangig der Teilhabe am Leben dient und weniger der tatsächlichen ,Pflege am Menschen‘. Es ist daher für viele Menschen geeignet und verzögert oder verhindert gar einen Einzug in ein ,Pflegeheim‘. Angehörige und Betroffene haben immer wieder Angst vor einer Umgebung von demenziell erkrankten Personen, wenn sie eine Tagespflege besuchen würden. Hierüber ist es aber auch möglich, mit den Einrichtungen zu sprechen. Meistens findet sich eine Lösung. Eine Tagespflege ist zum Beispiel auch nicht nur ein einziger Raum. Zudem kann man auch nur an einzelnen Wochentagen teilnehmen.

Ist Tagespflege immer halbtags oder ganztags?

In der Regel ganztags, je nach Einrichtung sind aber auch halbe Tage möglich.

Die Fragen stellte Petra Malbrich.

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