Viele pflegebedürftige Senioren sind skeptisch, wenn das Gespräch auf den Besuch einer Tagespflege kommt und lehnen das zunächst ab.
Jedoch eine konkrete Vorstellung davon haben die wenigsten. Vor allem glauben viele ältere Menschen, sie seien stationär aufgenommen. „Es ist ihnen nicht bewusst, dass sie abends wieder heim dürfen“, sagt die Einrichtungsleiterin Nicole Rösch.
Statt einmal die Woche jetzt täglich
Es ist später Vormittag. Adelheid Fischer (82) und Gudrun Henschel (83) sind auf dem Weg zum Mittagessen. Was sie vorher gemacht haben? „Kniebeugen“, sagt Henschel. Noch während sie das sagt, beginnen die beiden Frauen zu lachen. Ob das an der Gymnastik liegt oder an dem Spaß, den sie bei den vielen Betätigungen im Lauf des Tages haben, bleibt offen. Es gefällt ihnen einfach alles. „Ich bin gerne hier. Sie machen alles so schön“, sagt Fischer und auch Henschel bestätigt, glücklich zu sein. Nette Leute, gute Unterhaltung und sehr liebe Betreuerinnen.
Gudrun Henschel war hier völlig fremd. Sie kommt aus Zwickau und wurde von ihrem Sohn nach Heroldsbach gebracht. Dass sie einmal pro Woche zur Tagespflege gehen würde, war vereinbart. Ob sie deshalb grübelte? „Mir war nicht mulmig. Ich wäre sonst allein zu Hause, denn mein Sohn muss arbeiten. Ich bin hier gleich gut aufgenommen worden“, sagt Henschel, die ihren Worten Taten folgen ließ und bereits nach vier Wochen darauf bestand, nicht nur einmal pro Woche, sondern täglich zur Tagespflege zu kommen. Zu Hause könne man sich zwar eine Zeit lang beschäftigen, doch hier gebe es auch Unterhaltung.
Auch die Heroldsbacherin Adelheid Fischer ist erleichtert täglich hier sein zu dürfen. „Ich bin froh, jemanden zum Reden zu haben“, sagt Fischer. Sie ist das fleißige Bienchen in der Tagespflege, legt mal Wäsche zusammen, versorgt die Pflanzen oder hilft beim Kuchenbacken, weiß Leiterin Nicole Rösch. Das gefällt der Frau, deshalb macht sie es, ebenso wie Gudrun Henschel.
80 Prozent Frauen
Die Besucher der Tagespflege, zu 80 Prozent Frauen, werden bereits am Morgen mit dem Bus gebracht und beginnen den Tag mit dem Frühstück. Dann wird Zeitung gelesen, heißt Nicole Rösch oder ihre Mitarbeiter lesen vor und die Besucher diskutieren anschließend, auch über Politik. „Man kann die Politik nicht außen vorlassen. Man muss wissen, was los ist“, sagt Henschel.
Die Unterhaltungen, die Muskelübungen bei der Gymnastik, aber auch die Spiele und das Gedächtnistraining gefallen den Besuchern. „Die Rätsel sind auch ganz gut, sonst würde das Gehirn verrosten“, sagt Henschel. Überhaupt gilt für sie: „Wer rastet, der rostet.“ Gudrun Henschels weiteres Motto lautet viel mit dem Einmaleins zu arbeiten.
Ausruhen nach dem Mittagessen
Der Wochenplan für die Tagespflegebesucher hat immer ein anderes Thema. „Diese Woche sind es Erdbeeren“, erklärt Nicole Rösch. So werden Erdbeeren beim Gedächtnistraining eingebaut, am anderen Tag wird ein Erdbeerkuchen gebacken oder es wird etwas „Erdbeeriges“ gebastelt.
Nach dem Mittagessen gibt es Mittagsruhe. Viele der 20 Tagesgäste wollen sich dann ausruhen, andere wollen spazieren gehen. Auch Bingo wird gespielt oder es wird gesungen. „Sie singen alle sehr gern“, weiß Rösch. Neue Gäste werden gleich gut aufgenommen. Teils haben sich „Grüppchen“ gebildet.
Sie sitzen auch zusammen und diese Sitzordnung darf nicht geändert werden, weiß Rösch über die Tagespflegefreundschaften. Auch wenn Frauen offener sind, reicht auch bei den Männern der erste Schritt. Wer einmal in der Tagespflege war, wird sie wieder besuchen.
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