Friedrich Scheck erwähnt es während des Telefonats beinahe beiläufig. Doch schlägt der Satz des österreichischen Investors ein wie eine Bombe:
„Wir werden im dritten Quartal 2023 das Bauen definitiv wie geplant beginnen.“
Forchheims größtes Wohnbauvorhaben, das Philosophenviertel, soll also doch noch in diesem Jahr wie geplant kommen.
Philosophenviertel stand seit Dezember 2022 auf der Kippe
Das ist nicht mehr selbstverständlich gewesen – der Mega-Bau wird nicht nur seit langer Zeit immer wieder besprochen, zuletzt stand er sogar ganz auf der Kippe.
Seit Jahren liegen die Pläne vor, doch die unter dem klangvollen Namen Philosophenviertel geplante, hochverdichtete Wohnbebauung auf dem ehemaligen Gelände der Sportvereine SpVgg Jahn und ATSV ist noch immer nicht auf der Zielgeraden.
Bereits seit 2012 existieren Pläne, die Jahnhalle abzureißen, spätestens seit 2017 ist klar, dass dort einmal ein Wohnquartier entstehen soll. 2019 dann macht die Stadt Forchheim Nägel mit Köpfen; der Bebauungsplan wird offiziell abgesegnet.
Bebauungsplan sieht 286 neue Wohnungen für Forchheim vor
Exakt steht dort über die geplanten 286 Wohnungen: „Die im Plangebiet entstehenden Wohnungen verteilen sich auf die sieben Punkthäuser mit 148 Wohnungen und die Blockrandbebauung mit ca. 138 Wohnungen, einschließlich des geförderten Wohnungsbaus mit 90 Wohnungen, der im nördlichen Gebäuderiegel untergebracht wird. Bei den Wohnungen handelt es sich um Ein- bis Sechs-Zimmerwohnungen.“
Doch von Beginn an knirscht es in der Umsetzung.
Zur Verzögerung beigetragen hatte neben der Corona-Pandemie unter anderem die Klage der benachbarten Firma Loparex. Der Hersteller von Spezialfolien mit mehr als 650 Beschäftigten hatte Bedenken geltend gemacht, Lärmschutzemissionen könnten später einmal zum Problem werden. Das Verwaltungsgericht in Bayreuth wies die Klage im Juli 2022 jedoch ab.
Friedrich Scheck übernimmt Forchheimer Großprojekt
Zwischenzeitlich hatte der österreichische Investor Friedrich Scheck das seit Jahren schwelende Projekt übernommen.
Immer wurde gerechnet, wie viele Wohnungen es am Ende sein würden. So wurde ein sogenanntes Boardinghaus mit 70 vorübergehenden Wohnungen ins Spiel gebracht, ebenso ein Komplex fürs Seniorenwohnen.
Summa summarum 461. So viele Wohnungen geisterten nach der vielen Rechnerei lange als vom Stadtrat genehmigt durch die Diskussion. Aus denen wollte Scheck jedoch 490 machen, insbesondere die Zahl an geförderten Wohnungen sollte um mehr als das doppelte auf 198 steigen.
Streit im Stadtrat Forchheim: Projekt zwischenzeitlich vor dem Aus
Dieser Idee erteilte Forchheims Stadtpolitik eine vehemente Absage. Zu dichtes Wohnen mache Menschen aggressiv, hieß es damals beispielsweise von der CSU. Scheck solle nachbessern.
Und das tat er, legte erneut Pläne vor – blitzte im Dezember 2022 aber endgültig ab. Die letzte Order qua Stadtratsbeschluss lautete also:
„Somit hält Forchheim am bestehenden Durchführungsvertrag und dem rechtswirksamen Bebauungsplan mitsamt Vorhaben- und Erschließungsplan fest und legt auf die Realisierung dieses Vorhabens wert.“
Scheck will sich genau an Bebauungsplan halten
Wie viele Wohnungen es nun tatsächlich werden könnten, darüber schweigt Scheck. Zu viele verschiedenen Zahlen seien im Umlauf. Er wolle keine weiteren Spekulationen.
„Wir bauen so, wie es im Bebauungsplan beschlossen worden ist“, sagt er. Und darin steht festgeschrieben die Zahl 286, wie Oberbürgermeister Uwe Kirschstein auf FT-Anfrage bestätigt.
286 sind um einiges weniger als sein ursprünglicher Plan, fast 500 Wohnungen zu bauen. Und doch will Scheck loslegen?
Sein Argument für das Mehr an Wohnungen lautete vor Monaten noch, dass er wegen der Preissteigerungen neu kalkulieren müsste – selbst bei mehr als 400 Wohnungen.
„Es ist notwendig, das Projekt anzupassen, dass wir leistbaren Wohnraum schaffen“, sagt er Forchheims Stadträten im Dezember.
Flaute in Baubranche: Chance für Forchheims Prestige-Projekt?
Nun kommt ihm aber wohl die aktuelle Flaute in der gesamten Baubranche zupass. „Aktuell laufen die Ausschreibungen für Generalunternehmen, die den Bau abwickeln sollen.“
Es geht also voran.
In Forchheims Rathausstube wird Schecks Einlenken wohlwollend zur Kenntnis genommen. Wohnraum in Forchheim ist knapp, Projekte wie das Philosophenviertel werden gebraucht.
Lesen Sie hier eine Übersicht über die aktuelle Wohnbausituation in Forchheim:
„Ich gehe fest davon aus, dass der Gesamtfinanzierungsplan für das Vorhaben in Kürze bei der Stadt Forchheim eingehen wird, so dass einem Baubeginn nichts mehr im Wege stehen dürfte“, sagt Kirschstein.
Er erwarte für den Wohnbau in der Stadt einen großen Schub durch das neu zu erstellende Philosophenviertel.
Stichtag bleibt der 6. Oktober, dann läuft die letzte Frist vor Scheck aus. Bis dahin müssen auf dem Philosophenviertel die Bagger angerollt sein.
Lesen Sie hier, was bisher geschah:
























