0
Philosophenviertel
Investor blitzt im Stadtrat ab: Projekt vor dem Aus?
Kurz vor Weihnachten  geht das Poker um Forchheims Mega-Bauprojekt weiter.Forchheim & Fränkische Schweiz
Kurz vor Weihnachten geht das Poker um Forchheims Mega-Bauprojekt weiter. // Ronald Heck/Archiv
Forchheim – Der Investor des Philosophenviertels stellt sich erneut Forchheims Stadträten – mit neuen Vorschlägen im Gepäck. Aber ohne Erfolg. So geht es nun weiter.

Immerhin, das Prestigeprojekt Philosophenviertel  ist nicht ganz vom Tisch. Und doch ist ein möglicher Beginn des Mammutbauvorhabens Hunderter dringend benötigter Wohnungen   erneut in weite Ferne gerückt.

Dienstag, 20. Dezember, kurz vor halb sechs Uhr abends: Der österreichische Investor Friedrich Scheck und sein Architekt Mathis Malchow verlassen entnervt die Ritter-von Traitteur-Aula in Forchheim. Der Grund: Der Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung des Jahres  die geforderte Überarbeitung des Scheck-Teams mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Das bedeutet: Scheck muss liefern und zwar so, wie es der bereits genehmigte Bebauungsplan vorsieht.

Investor muss laut Beschluss jetzt bauen

Im Beschluss heißt es im Wortlaut: „Somit hält Forchheim am bestehenden Durchführungsvertrag und dem rechtswirksamen Bebauungsplan mitsamt Vorhaben- und Erschließungsplan fest und legt auf die Realisierung dieses Vorhabens wert.“ Diese Entscheidung markiert den vorerst letzten Zug einer Zerreißprobe, die seit Jahren die Realisierung des Philosophenviertels verhindert.

Nun ist Friedrich Scheck am Zug, er muss liefern. Zwar hat er eine letztmalige Fristverlängerung bis zum 6. Oktober 2023 erhalten. Dann aber muss er spätestens losgelegt haben. Und zwar so, wie es das Gremium bereits abgesegnet hatte. 

Scheck hatte das Projekt im Sommer übernommen. Aus den einst 461 vom Stadtrat genehmigten Wohnungen wollte der Österreicher 490 machen, insbesondere die Zahl an geförderten Wohnungen sollte um mehr als das doppelte auf 198 steigen. Forchheims Stadtpolitik reagierte vehement mit einem entschiedenen Nein. Kurzzeitig brachte der Planungsausschuss gar die Aufhebung des Bebauungsplanes ins Gespräch, wovon die Räte nun aber einstimmig Abstand nahmen. 

Stadtrat Forchheim lehnt mehr geförderte Wohnungen ab

Sie verlangten vom Österreicher Investor einen überarbeiteten Plan, der bestenfalls kaum bis gar nicht vom bereits Genehmigten abweichen solle. Dies allerdings, so schilderte es Scheck dem Rat, sei nicht möglich. „Es ist notwendig, das Projekt anzupassen, dass wir leistbaren Wohnraum schaffen“, sagt er. 

Zwar sieht seiner finaler Vorschlag nur 447 Wohnungen vor, darunter sollen aber erheblich mehr geförderte sein als angedacht (132 statt  93). Wenngleich sich Scheck den Vorstellungen der Räte annäherte, reicht ihnen das nicht. Die mit der   Zahl geförderter Wohnungen verbundenen Sorge vor  zu starker Verdichtung des Areals wird fraktionsübergreifend als Hauptargument gegen die Scheck’schen Änderungen ins Feld geführt. Man habe eine soziale Verantwortung für dieses Gebiet, heißt es.

Das geplante Philosophenviertel im Fokus: Auf dem ehemaligen Jahn-Gelände könnten 447 Wohnungen entstehen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das geplante Philosophenviertel im Fokus: Auf dem ehemaligen Jahn-Gelände könnten 447 Wohnungen entstehen. // Barbara Herbst

Auch persönliche Vorbehalte gegen Scheck wurden wieder laut. Er wolle nur bestmöglich Profit generieren oder das Projekt gar weiterverkaufen – nach den Erfahrungen mit dem vorherigen Investor, der Hamburger Immobilienentwickler Dignus, sind die Stadträte misstrauisch geworden und zeigen das auch. 

Friedrich Scheck versteht die Vorbehalte nicht; Forchheim könne sich glücklich schätzen, dass so viel bezahlbarer Wohnraum wie möglich entstünde. Und auf jeden Fall wolle er das Projekt realisieren, versicherte er. Nur: „Seit dem Zeitpunkt, als wir das gekauft haben, haben sich die Baupreise massiv erhöht, wir spüren die Inflation sehr.“  

Unter den Vorzeichen aus heutiger Sicht sei das Philosophenviertel wie ursprünglich geplant jedenfalls nicht realisierbar. Mit entsprechend großen Erwartungen stellte Scheck seine Überarbeitungen vor. Ohne Erfolg. Nach einer erneut sehr emotional geführten Debatte ließen ihn die Stadträte abblitzen.

Ist das Mega-Projekt zu retten?

Ob und wie es nun weitergeht, lässt Scheck vorerst offen. Auf FT-Nachfrage wollte er sich tags darauf nicht äußern. Nur so viel: „Ich habe die Abstimmung nicht verstanden. Nun müssen wir überlegen, wie es weitergeht.“ Ein mögliches Aus des Projektes bringt Scheck mit keiner Silbe ins Gespräch. Dezidiert ausschließen möchte er es zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht.

 

Lesen Sie hierzu auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!