Zwei Häuser, 15 Mietwohnungen, Tiefgaragen, Pelletheizungen: In der Käsröthe, zwischen ehemaligem Jahn-Gelände und Königsbad, ist vor kurzem ein Projekt feierlich vollendet worden, das die Anspannung auf Forchheims Mietmarkt abzumildern sucht.
Nun sind es dank den von der Wohnungsbaugenossenschaft Gewog gebauten Zwei- bis Vier-Raum-Wohnungen einige Namen weniger auf der großen Warteliste für Wohnungssuchende.
Zwölf Mietparteien können sich gar über einkommensorientierten Zuschuss freuen (Mieten zwischen 4,70 und 7,70 Euro pro Quadratmeter), die restlichen kosten 9,90 Euro.
Forchheim 2022: 95 fertig gebaute Wohnungen
2022 hat die Kreisstadt laut Zahlen des Statistischen Landesamtes insgesamt 95 neue Wohnungen dazugewonnen, 25 mehr als ein Jahr zuvor.
Doch die Lage bleibt angespannt. Forchheim boomt, nicht nur dank Siemens Healthineers entstehen viele Jobs, hinzu kommt die günstige Lage in der Mitte zwischen den Arbeitsortmagneten Bamberg und Erlangen.
Schon bald wird Forchheim die Marke von 35.000 Einwohnern knacken. So ist es nicht verwunderlich, dass sie beim Heimat-Monitor, der großen FT-Leserbefragung, nicht sehr gut in puncto Immobilienmarkt abschneidet.
Aktuelle Wohnbauprojekte in Forchheim
Aber es tut sich einiges, Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein spricht auf FT-Anfrage gar von „reger Bautätigkeit“.
Die Eigentumswohnungen der Sparkasse („Statthäuser" und „Auf den Kellern“) sind fertig, in der Bayreuther Straße will die Bauwerke Bauträger GmbH eine Wohnanlage mit 32 Wohneinheiten mit Tiefgarage und Stellplätzen ab kommendem Jahr errichten. Angestrebter Mietbeginn: Mitte 2026.
Und selbst beim Philosophenviertel tut sich etwas (lesen Sie hier die neuesten Entwicklungen).
WVG und GWS bauen Sozialwohnungen
Auch im sozialen Wohnbau geht es voran.
Beispielsweise sollen ab 1. Juli in der Paul-Keller-Straße 19 Wohnungen der Wohnungsbau- und Verwaltungsgenossenschaft (WVG) bezugsfertig sein, ab 1. September steuert die Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Forchheim (GWS) weitere 22 Wohnungen in der Bammersdorfer Straße dazu. Alle öffentlich gefördert.
Und in der Konrad-Roth-Straße will die GWS ab Herbst weitere 16 Wohnungen bauen, laut Kirschstein „unterstützt von der Stadt mit ausreichender Liquidität im guten siebenstelligen Bereich“.
Immobilienmarktlage bleibt dennoch angespannt
Also alles gut? „Allerdings spüren wir die veränderte Marktlage, hauptsächlich verursacht durch extreme und damit nahezu unkalkulierbare Baukostenschwankungen und ein deutlicher Anstieg der Finanzierungskosten“, sagt Kirschstein.
Dies schrecke insbesondere private Bauwerber ab. Der zu verzeichnende Anstieg fertiggestellter Wohnungen sei die Folge aus Jahren mit großer Planungstätigkeit, etwa 2019 und 2020. „Leider wird sich dies für die Folgejahre in diesem Maße nicht fortsetzen.“
Ein weiteres Problem: Auch in den restlichen Landkreiskommunen sieht die Lage nicht unbedingt besser aus, einfach so ausweichen auf das Umland ist für mobile Wohnungssuchende also nicht zwingend eine Option.
Zwar sind in den 29 Landkreiskommunen im vergangenen Jahr insgesamt 364 neue Wohnungen entstanden. Alleine in Heroldsbach 43, Gräfenberg 28 und Igensdorf 24. Doch das reicht nicht.
Manfred Miosga von der Uni Bayreuth: Keine Flächen mehr versiegeln
„Es ist statistisch nachweisbar, dass vor allem kleinere Kommunen hauptsächlich Flächen für Einfamilienhäuser ausgewiesen haben“, erklärt Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth.
„Was in den ländlichen Kommunen, auch zum Teil im Landkreis Forchheim, fehlt, ist Vielfalt im Wohnungsmarkt.“ Kommunen sollten demnach nur noch Bauland ausweisen, wenn es ihnen gehört.
„Und wenn sie es an Investoren vergeben, dann an Konzepte geknüpft, durch die verdichteter, vielfältiger und gemischter Wohnraum angeboten werden kann.“
IG Bau Oberfranken: „Toxischer Mix für Wohnungsbau“
Für das laufende Baujahr warnt der oberfränkische Bezirksvorsitzende der IG Bau Uwe Behrendt vor einem Abwärtstrend: „Bauvorhaben werden auf Eis gelegt.
Denn hohe Baukosten treffen auf hohe Zinsen und hohe Hürden beim Bauen durch staatliche Auflagen und Vorschriften. Das ist ein toxischer Mix für den Wohnungsbau.“ Die Kaufpreise beim Neubau seien längst „aus den Fugen geraten“ und die Mieten „klettern enorm nach oben“.
Entscheidend sei jetzt, was gebaut werde: „Die Wohnungen müssen zur Lohntüte der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen“, sagt Behrendt.
BBSR: Mieten im Landkreis Forchheim stark gestiegen
Auch im Landkreis Forchheim sind die Mieten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) analysiert hat.
Demnach kostete eine wieder vermietete Wohnung im Jahr 2013 noch durchschnittlich 6,08 Euro pro Quadratmeter. 2022 waren es im ersten Halbjahr schon 8,71 Euro – ein Anstieg von mehr als 30 Prozent.
Lage in Forchheim dürfte noch schlimmer sein
Und diese Auswertung schließt Inserate im gesamten Landkreis ein.
Für die Stadt Forchheim dürften die Durchschnittspreise demnach weit höher liegen.
Zwar betrage die Durchschnittsmiete in den kommunalen GWS-Wohnungen laut Kirschstein unter sechs Euro pro Quadratmeter. Doch die alleine können den Bedarf nicht decken, andernorts wie in der für 2026 geplanten Anlage in der Bayreuther Straße strebt der private Bauträger schon ein Quadratmeterpreis von elf Euro an.
Es wird also noch vieler weiterer Projekte vor allem für sozial geförderten Wohnraum bedürfen, um die Lage auf dem Forchheimer Immobilienmarkt zu entspannen. Denn auch wenn die Zahl der Gutverdienenden steigen mag. Es muss Platz für alle geben.
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