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Verkehrsentwicklung
So will Forchheim auf den Straßen Platz für alle schaffen
Es ist vollbracht, Forchheims Stadtpolitik ringt sich zu einem integrierten Verkehrskonzept durch. Allerdings mit Abstrichen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Es ist vollbracht, Forchheims Stadtpolitik ringt sich zu einem integrierten Verkehrskonzept durch. Allerdings mit Abstrichen. // Stephan Großmann
Forchheim – Autos, Räder, Fußgänger: Forchheims Straßen sind hart umkämpft. Nun hat die Stadt einen Masterplan verabschiedet. Was das für die Menschen bedeutet.

Verkehr geht alle an. Ob sie gehen, fahren, radeln oder im Bus sitzen.

Vor allem in Städten wird es schnell eng, nicht nur, weil unterschiedliche Bedürfniswelten aufeinanderprallen. So auch in Forchheim.

Derzeit dominieren motorisierte Fahrzeuge mit Abstand das städtische Verkehrsaufkommen, alleine 12.700 Autos drängen sich tagtäglich durch die Königsstadt.

Integriertes Verkehrskonzept soll Forchheims Situation verbessern

Abhelfen soll ein Masterplan: das integrierte Verkehrskonzept. Lange wurden in Workshops Ideen gesammelt, geplant, diskutiert – nun ist es so weit, die Stadt will loslegen.

Konkret haben sich die stadtpolitischen Vertreter auf ein verhältnismäßig umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt, das in den nächsten 15 Jahren Stück für Stück realisiert werden soll. Angepasst und verbessert werden sollen beinahe alle Mobilitätsbereiche.

Erstens: Radverkehr

Das sogenannte Primärnetz soll ausgebaut und nachgebessert werden, etwa mittels eines bevorrechtigten Fahrradstraßenrings um den Stadtkern (Karolingerstraße, Dreikirchenstraße, Egloffsteinstraße, Von-Brunn-Straße).

Für den Radverkehr soll sich einiges verbessern in Forchheim.Forchheim & Fränkische Schweiz
Für den Radverkehr soll sich einiges verbessern in Forchheim. // Stephan Großmann

Darüber hinaus soll die Zahl der Abstellanlagen – insbesondere in der Hornschuchallee, am Rathausplatz und am Paradeplatz – erhöht und die Beleuchtung und Wegweisung der Strecken verbessert werden.

Zweitens: Fußverkehr

Man will das Fußwegenetz barrierefrei ausbauen. Fokus Hauptstraße: Das Bächla soll mehr Querungen erhalten – welche dann auch für Sehbehinderte gut geeignet sind.

Drittens: ÖPNV

Herzstück bildet die am 25. Mai beschlossene Neufassung des Stadtbuskonzepts.

Dieses sieht unter anderem eine Beschleunigung der Linien, die Erschließung bisher nicht angebundener Gebiete mit Kleinbussen sowie die Einführung eines 15-Minuten-Taktes vor.

Mehr Busse, dichterer Takt, bessere Anbindungen: Herzstück der Bemühungen bildet das neue Stadtbuskonzept.Forchheim & Fränkische Schweiz
Mehr Busse, dichterer Takt, bessere Anbindungen: Herzstück der Bemühungen bildet das neue Stadtbuskonzept. // Stephan Großmann

Greifen soll es ab dem Jahr 2025.

In vier bis zehn Jahren sollen dann noch sogenannte On-Demand-Angebote hinzukommen, etwa um Stadtränder und Seniorenzentren haustürnah zu erschließen. Und das Angebot vor allem in der Nacht und an den Wochenenden zu verbessern.

Bis hierhin herrscht hauptsächlich Einigkeit unter den politischen Akteuren.

Viertens: Autoverkehr

Beim MIV (motorisierter Individualverkehr), sieht es anders aus.

Ursprünglich sah der Konzeptentwurf folgende Passage vor: „Durchfahrtsperrung mit teilweisem Entfall von Stellplätzen im öffentlichen Raum und Umgestaltung zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität“.

Denkbar etwa am Marktplatz in Richtung Süden oder in der Birkenfelder-, Egloffstein- und Karolingerstraße jeweils mit Wendehammer. Sowie in der Hornschuchallee. Ausnahmen wären dort für Busse und den Lieferverkehr vorgesehen gewesen.

Durch die Hornschuchallee wird auch weiterhin gefahren werden dürfen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Durch die Hornschuchallee wird auch weiterhin gefahren werden dürfen. // Stephan Großmann

CSU, Freie Wähler und Junge Bürger erzwingen Kompromiss

Auf vehementes Drängen von CSU, Freien Wählern und Jungen Bürgern hin haben sich die übrigen Fraktionen im Planungsausschuss zu einem Kompromiss erweichen lassen.

Der Sperr-Passus ist letztlich zwar nicht gestrichen worden, verbleibt nun aber lediglich als Option im Papier geschrieben. Nach einigen Jahren solle darüber dann ein etwaig neu gewählter Stadtrat befinden, so lautet die mehrheitsfähige Meinung am Ende.

Während 14 von 15 Räten diesem Kompromiss (teils zähneknirschend) zustimmen, sagt nur Johannes Mohr von der Forchheimer Grünen Liste (FGL) „Nein“ zur abgeschwächten Version.

Was sich für Autofahrer in Forchheim ändert

Immerhin einiges tut sich doch.

So werden sich die Gebühren für das Parken außerhalb der Tiefgaragen und Parkhäuser erhöhen, zudem soll ein dynamisches Parkleitsystem eingeführt werden. Beides mit dem Ziel, den Parksuchverkehr aus der Innenstadt zu verdrängen; was bereits für Entlastung sorgen könnte.

Dadurch wäre ein Plus für Aufenthaltsqualität erreicht, weil somit Parkflächen verschwinden und anderweitig genutzt werden könnten.

Darüber hinaus steht zu erwarten, dass die Innenstadt zur Tempo-20-Zone deklariert wird, außerdem sollen weitere Einbahnregelungen kommen.

Da ein Durchfahrtsverbot beispielsweise für die Birkenfelderstraße und Egloffsteinstraße vorerst vom Tisch ist, streben die Ausschussteilnehmer in beiden Einbahnstraßenregelungen vor, jeweils in Richtung Norden.

Stadtrat muss sein endgültiges Ja erst noch geben

Endgültig muss der Stadtrat, vermutlich Ende Juni, noch sein Okay geben. Das dürfte aber Formsache sein.

Auch sonst brauchen die Forchheimer weiterhin Geduld. Der Zeithorizont für die verkehrliche To-Do-Liste ist lang und rein praktisch muss jede Umsetzung erst durch einzelne Beschlüsse im Stadtrat entschieden werden.

Ein langer Weg.

Aber ein Anfang ist gemacht.

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