Verkehr ist mehr als die Summe aus Autofahren, Radeln und Spazierengehen.
Vor allem in Innenstädten prallen durch unterschiedliche Bedürfnisse oft Welten aufeinander. Dies zu verhindern oder zumindest abzumildern, soll ein integriertes Verkehrskonzept schaffen, an dem die Stadt Forchheim seit 2019 gemeinsam mit einem Expertenteam aus Stadtplanern arbeitet.
Wo die Probleme liegen, ist längst analysiert. 12.700 Autos fahren jeden Tag durch Forchheims Innenstadt, Parkplätze sind umstrittene Mangelware, der öffentliche Personennahverkehr ist ausbaufähig, Radler und Fußgänger fühlen sich nicht gehört genug. Eine lange Liste.
Ebenso lange auch jene Liste, wie diese Missstände behoben werden könnten. Ein ausgetüfteltes Radkonzept haben sich die dafür beauftragten Verkehrsplaner Sonja Rube, Christoph Hessel und Valentin Tangl zum Beispiel erdacht, um mehr Menschen aufs Rad zu bekommen.
Gleichzeitig sollen Fußgänger durch bessere Barrierefreiheit bedacht werden und vor allem Autofahrer sollen sich auf Veränderungen einstellen müssen.
Auto spielt große Rolle in Forchheim
Noch immer spiele der „motorisierte Individualverkehr“ eine sehr große Rolle in Forchheim. Dabei gäbe es gerade hierfür gute Alternativen, sagen die Experten.
Ein Dorn im Auge der Betrachter ist vor allem Durchgangsverkehr, der hauptsächlich für Staus, Unmut und Probleme sorge. Das Ziel ist klar definiert: Nicht notwendige Verkehre (etwa Elterntaxis) könnten auf andere Fortbewegungsmittel (Rad, Busse) verlagert werden.
Weitere Baustelle: das Parken. Durch das Suchen eines freien Platzes entstünde (zu) viel Verkehr, der Fokus solle daher mittelfristig eher zum Beispiel auf der Nutzung von Parkhäusern als dem Abstellen im Straßenraum liegen.
Buskonzept für Landkreis Forchheim erwartet
Noch schwieriger erscheint den Planern eine Verbesserung des Busverkehrs, auch weil der letztlich in den Händen der Landkreisverwaltung liege. Immerhin arbeitet die aktuell an einem Buskonzept für den gesamten Landkreis. Ab 2024 soll es greifen.
Gemacht werden müsste einiges, Bus und Bahn besser verzahnen, die Taktung erhöhen und nicht erschlossene Gebiete anbinden oder wenigstens durch Alternativen wie Rufbusse anfahren.
Bürger bringen viele eigene Ideen ein
Nun liegen die Karten auf dem Tisch, die Planer haben den Forchheimern im Rahmen eines Bürgerworkshops ihre Konzeptideen vorgetragen. Teils emotional diskutierten die Menschen dort untereinander sowie mit den Planungsexperten und Stadtpolitikern.
Fazit: Das Thema Verkehr geht alle an, aber alle ein bisschen anders. Sonja Rube fasst das Ergebnis so zusammen: „Wir haben nun alle Möglichkeiten auf dem Tisch, um den störenden Durchgangsverkehr in der Stadt zu minimieren.“
Verkehrskonzept: Vorschlag sieht zwei Szenarien vor
Zwei Szenarien mit konkreten Maßnahmen sind erarbeitet worden (siehe weiter unten), ein Baukasten für leichte und tiefgreifende Veränderungen. Manche sind teuer, andere nicht. Manche leicht realisierbar, andere nicht.
Manche bringen Bewegung in Forchheims Verkehrspolitik, andere nicht (wirklich). Den Planungs-Experten Rube, Hessel und Tangl war es wichtig zu betonen, dass keins der Szenarien fix sei, es gebe immer Zwischenstufen.
Stadtrat Forchheim muss am Ende über Maßnahmen entscheiden
Aus diesem Baukasten müssten sich nun Forchheims Stadtpolitiker bedienen und das für sie passende Konzept schneidern.
Das dürfte nicht einfach werden; zu komplex ist das Thema Verkehr und so mannigfaltig die Bedürfnislage der Bevölkerung ist, so divers sind die grundsätzlichen Ansichten der Parteien.
Nicht alles sei von heute auf morgen umsetzbar, sagen sie. Doch all das preist der weite Zeitrahmen bereits ein; die Gedankenwelt der Konzeptemacher reicht bis ins Jahr 2040.
Verkehrskonzept Forchheim – diese Szenarien stehen zur Auswahl
Laut Expertenrunde könnte ein Verkehrskonzept für Forchheim folgende Maßnahmen beinhalten:
1. Ausbau Rad-Primärnetz mit Fahrradstraßenring um die Altstadt
2. barrierefreier Fußwegeausbau
3. zeitnahe Angebotsverbesserung des ÖPNV (mindestens flächendeckender 30-Minuten-Takt, Verdichtung auf 15-Minuten-Takt in Prüfung, Ergänzung durch Kleinbuslinien in Hanglagen und in nordwestlicher Altstadt sowie On-Demand-Verkehre (Rufbusse) in Räumen und Zeiten ohne Stadtbus-Bedienung
4. Aufbau von 22 Mobilitätsstationen (Bikesharing, Carsharing)
5. Verlagerung Durchgangsverkehr aus der Innenstadt mit weiterer Verkehrsberuhigung und/oder Einrichtung von Einbahnstraßen als kurzfristige Maßnahme sowie mit Durchfahrtssperrung Innenstadt als längerfristige Maßnahme mit teilweisem Entfall von Stellplätzen im öffentlichen Raum (und Umgestaltung) zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität,
6. Reduzierung Parksuchverkehr Innenstadt mit Anpassung Gebührenregelung (zur verstärkten Nutzung der Tiefgarage/des Parkhauses) und Einrichtung eines dynamischen Parkleitsystems
7. Anpassung der Stellplatzsatzung
8. Installation Mobilitätsmanagement
Die Experten haben zwei Szenarien erarbeitet, die nun im Stadtrat behandelt werden sollen (Wichtig: Auch Zwischenstufen seien möglich):
Szenario 1: Hier wären die Maßnahmen eher sachte und billiger, dafür der Effekt aber geringer.
Szenario 2: Hier wären Maßnahmen drastischer und mitunter teurer, dafür wäre der Effekt auf den städtischen Verkehr deutlich stärker.
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