Eine Revolution. Familien schlendern quer über die Hornschuchallee, alle paar Minuten treten sie für einen der eng getakteten und emissionsfreien Busse zur Seite. Ansonsten herrscht Stille – weil es keine Autos mehr gibt.
Nun, eine Revolution bleibt utopisch. Immerhin aber existiert eine Vision, wie sich Forchheims Innenstadt verkehrstechnisch entwickeln könnte.
Menschen statt Maschinen: Aber wie realistisch ist das überhaupt?
Verkehrskonzept bereits seit 2014 Thema
Bereits seit 2014 ersinnt sich Forchheims Lokalpolitik ein Konzept, welches den Verkehr in der Innenstadt entzerren sollte. Passiert ist bisher zwar einiges.
Aber ein Konzept steht immer noch nicht. Und daran wird sich – entgegen der jüngsten Planungen – auch in diesem Jahr nichts mehr ändern. Eigentlich sollten Mitte Dezember bereits die Bürger auf spruchreife Vorschläge losgelassen und das Konzept im Frühjahr 2023 veröffentlicht werden. Daraus wird nichts.
Münchner Planer von gevas machen Hoffnung
Was ist passiert? Lauscht man den beauftragten Ingenieuren des Münchner Planungsbüros gevas, gibt es Hoffnung, die Probleme des Innenstadtverkehrs zu lösen. Dafür aber müsse einiges getan werden.
Zwei Szenarien haben die Experten erarbeitet, mit Hilfe derer sie den extrem hohen Pkw-Anteil an Forchheims Verkehrsaufkommen (74 Prozent) eindämmen und damit die Situation entzerren wollen.
Den ÖPNV verbessern, das Radwegenetz ausbauen, Fußwege barrierefrei ausbauen: Diese Ideen klingen teils abstrakt, sind aber gesetzt. Und in beiden Versionen gleich.
Schnell und billig oder langsam und effektiv?
Spannend ist, was die Szenarien unterscheidet: Das erste sei kurzfristig umsetzbar, billiger. Aber weniger effektiv, sagen die Planer. Es sähe zum Beispiel eine temporäre Sperrung der Innenstadtdurchfahrt vor, vereinzelt weitere Tempodrosselungen.
Szenario zwei geht um einiges weiter und sieht neben einem intensiven Parkraummanagement auch eine „Sperrung der Innenstadtdurchfahrung“ vor. Heißt: Die gesamte City würde autofrei werden. Dies brächte in puncto Verlagerung weg vom motorisierten Individualverkehr ungleich mehr und käme vor allem den Fußgängern zupass.
Ideologische Diskussion im Stadtrat?
Beinahe erwartbar werden sich die Stadträte aber nicht einig – und vertagen die Entscheidung. Meinungen gibt es viele, zum Teil emotional und hitzig kundgetan: Seien es die Sorgen der Händler, die vor allem Freie Wähler, FDP und CSU auf dem Zettel haben, die Forderung nach „endlich radikalen Maßnahmen“ der Grünen oder das von der SPD geforderte Erarbeiten konkreter und realistischer Auswirkungen der einzelnen Veränderungen.
Fakt ist, das Konzept zieht eine weitere Ehrenrunde.
Bürgerbeteiligung erst im Frühjahr 2023
Die avisierte Bürgerbeteiligung weicht auf Anfang 2023; dann, wann das fertige Konzept stehen sollte. Am 15. Dezember wollen sich die Parteien und Interessensgruppen nun noch einmal in die sogenannte Lenkungsgruppe zurückziehen und die „letzten Leitplanken“ ziehen, wie Oberbürgermeister Uwe Kirschstein optimistisch sagt.
Die in den Diskussionen aufkommenden ideologisch-konträren Grundsätze der Akteure lässt eher einen weiterhin zähflüssig stockenden Polit-Verkehr vermuten.
Aber Forchheim Innenstadtbewohner sind das Warten gewohnt.
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