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Woher kommt die Schieflage?
Nach Pisa-Schock: Forchheimer Experten wenig überrascht
PisaForchheim & Fränkische Schweiz
Deutsche Schüler können immer schlechter lesen und rechnen. // contrastwerkstatt/Adobe Stock
Forchheim – Deutsche Schüler haben bei der Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten wie noch nie. Schulamt und Lehrerverband in Forchheim sind von den Ergebnissen nicht überrascht. Das ist der Grund.

Wer bei Pisa erst einmal an den schiefen Turm in Italien denkt, liegt damit gar nicht mal so falsch. Denn in deutlicher Schieflage befinden sich auch die Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler aus der aktuellen Pisa-Studie. Bei den kürzlich für 2022 veröffentlichten Daten handelt es sich um die schlechtesten Werte, die je bei dieser Studie in Deutschland gemessen wurden.

Pisa steht für „Programme for International Student Assessment“, also ein internationaler Vergleich der Leistungen von Schülern. Seit 2000 werden alle drei Jahre die Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet und verglichen.

Wegen Corona fand die Studie diesmal erst 2022 statt. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung nahmen weltweit 81 Länder und mehr als 600.000 Schüler im Alter von 15 Jahren an der Pisa-Studie 2022 teil.

Verschlechterung im Vergleich zu 2018

Die Durchschnittsergebnisse in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften fielen 2022 in Deutschland schwächer aus als im Jahr 2018. Auch viele andere Länder haben sich verschlechtert. Die Leistungen deutscher Schüler in Mathematik und Lesekompetenz lagen im Vergleich in der Nähe des Durchschnitts. In den Naturwissenschaften schneidet Deutschland trotz der Verschlechterung noch überdurchschnittlich ab.

Corona ist schuld an schlechtem Ergebnis

Petra Fiedler ist wenig überrascht. „Die Ergebnisse waren zu erwarten“, sagt die Vorsitzende des BLLV Kreisverbands Forchheim (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband). Einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden ist für Fiedler die Pandemie. „Corona ist natürlich nicht spurlos an unseren Schülern vorübergegangen“, erklärt sie.

Durch die Schulschließungen hätten viele Schüler große Lerndefizite. Zudem gebe es Kinder, die seelisch aus dem Gleichgewicht geworfen worden seien. „Die Pandemie ist vorbei, aber die Folgen sind da“, sagt Fiedler. Der Distanzunterricht habe nicht das abdecken können, was normalerweise alles vor Ort in der Schule passiere. Wenn Grundlagen bei den Kleinen fehlen würden, ziehe sich das durch bis in die höheren Klassen.

Die Pisa-Studie untersucht, wie gut 15-jährige Schüler komplexe Probleme lösen, kritisch denken und effektiv kommunizieren können.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Pisa-Studie untersucht, wie gut 15-jährige Schüler komplexe Probleme lösen, kritisch denken und effektiv kommunizieren können. // Armin Weigel/dpa

Ein weiterer entscheidender Faktor ist laut Fiedler der Lehrermangel. Teilweise werde versucht, die Lücken mit Quereinsteigern zu stopfen, doch das sei nur eine Notlösung. Um das Leistungsniveau wieder nach oben zu ziehen, sei es wichtig, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen. Dazu brauche es mehr individuelle Förderung. In manchen Klassen könnte beispielsweise eine zweite Lehrkraft viel bewirken. „Leichter gesagt als getan“, gibt Fiedler allerdings zu.

Mehr individuelle Förderung nötig

Nicht nur Corona, sondern auch die Lebensumstände der Schüler wirken sich aus. Dazu zählt unter anderem, wie viel Geld oder Bildung eine Familie hat oder ob die Schüler einen Migrationshintergrund haben. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen werden laut Fiedler durch das dreigliedrige Schulsystem, also Hauptschule, Realschule und Gymnasium, verstärkt.

Das System bevorzuge Kinder von Eltern, die sowieso schon viel tun und das auch können. Stattdessen bräuchten Kinder mit Sprachproblemen oder bei denen die Eltern ihr Kind aus finanziellen Gründen nicht fördern könnten, besondere Unterstützung. „Wir wünschen uns eine längere gemeinsame Schulzeit“, sagt Fiedler. So könnten viele Defizite aufgehoben werden. Zudem seien gutes Lesen und Rechnen die Grundlage für die spätere Schullaufbahn.

Die Folgen des Distanzunterrichts

Auch in Forchheim könnten die Schüler immer schlechter lesen. Diese Rückmeldung bekommt Schulamtsdirektor Markus Hahn von seinen Kolleginnen. Die Ursachen für die Verschlechterung sieht er ähnlich wie Fiedler unter anderem im Distanzunterricht.

Beim digitalen Unterricht habe die Lehrkraft nicht mehr so den Überblick über den Lernfortschritt, da sich die Schüler viel selbst erarbeiten mussten. Im Unterricht werde vieles mündlich besprochen, Inhalte würden zusammen erarbeitet. „Dieses miteinander ins Gespräch kommen wird nicht stattfinden“, sagt Hahn über den Distanzunterricht.

Zudem brauche es mehr Förderung, bestätigt der Schulamtsdirektor. Im Bereich Mathe befinde sich gerade eine Initiative im Aufbau. Dadurch soll die Unterrichts- und Fortbildungsqualität in Mathematik weiterentwickelt werden. Auch zum Thema Lesen laufe bereits ein Programm. Mit Hilfe der „Fachintegrierten Leseförderung Bayern“, kurz „Filby“, sollen Leseflüssigkeit und Textverständnis gestärkt werden. „Ich glaube sehr wohl, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagt Hahn.

Gute Erfahrung mit Förderprogramm

Darüber hinaus brauche es individuelle Förderung. Im Landkreis Forchheim gebe es über das Programm „Gemeinsam.Brücken.bauen“ die Möglichkeit, dafür zusätzliches Personal einzustellen. Diese Mitarbeiter arbeiten nicht als reguläre Lehrkräfte, sondern sind auf Förderung spezialisiert.

Damit habe man an den Grund- und Mittelschulen in den vergangenen drei Jahren gute Erfahrungen gemacht. „Aktuell wird aber deutlich, dass dieses wertvolle Förderprogramm 2024/25 nicht fortgeführt werden wird“, sagt Hahn. Das sei bedauerlich, da durch die Folgen der Pandemie eher zusätzliche Förderstunden nötig wären.

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