Er sieht aus wie der nette Junge von nebenan, was auf den ersten Blick etwas irritiert. Denn Erfolg steht den meisten irgendwann doch ins Gesicht geschrieben, auf die eine oder andere Weise. Zudem scheint seine Scharfzüngigkeit im Kontrast zu einer entspannten Gemütlichkeit zu stehen.
Das täuscht jedoch: Sebastian Hotz ist wach bis in die Haarspitzen und geistig jederzeit auf dem Sprung. Der Franke hat es mit (gesellschafts-)kritischen, sarkastisch-satirischen Postings auf Twitter und Instagram geschafft, innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit bekannt zu werden, indem er der jungen Generation aus der Seele schreibt. Wie sonst wären die mehr als anderthalb Millionen Menschen, die er täglich erreicht, zu erklären.
„Dieses Leben“, erzählt er im Gespräch, „war keine bewusste Entscheidung, sondern etwas, in das ich zufällig reingeraten bin“. Sein Erfolg basiert auf einem guten Gespür dafür, was Menschen beim Lesen „in kürzester Zeit wie wahrnehmen und was darüber hinaus lustig sein kann“.
Um das zu schaffen, spielt er mit der Sprache, nutzt sie präzise für die eigenen Zwecke und setzt sie auf kleinstem Raum und in kürzester Zeit ein − und das mehrfach täglich. Sebastian Hotz ist ein Meister darin geworden.
Eine Flucht ins Internet
Dabei ist das Internet für ihn zunächst ein Fluchtraum, aber „ein schöner“, sagt er. Dorthin nämlich zieht es ihn schon als Schüler des Gymnasiums Fränkische Schweiz in Ebermannstadt immer wieder, weil er das Gefühl hat, im Internet der sein zu können, der er wirklich ist. Er betont, dass es „eine schöne Art von Flucht“ war, „weil es zumindest in der ersten Zeit keine Verbindung zu meinem reellen Leben gab. Ich konnte vorgeben, was ich gerne sein will.“
In der reellen Welt klappte das noch nicht. Hier nämlich kam einiges zusammen, nicht zuletzt, dass er „ein unglaublich unbeliebter Außenseiter“ war und an Depressionen litt.
Irgendwann entschied sich Hotz dann „mehr oder weniger bewusst dafür, aus diesem kreativen Schreiben im Internet eine Berufslaufbahn zu machen“. Eine nicht reelle Welt ermöglicht Sebastian Hotz also den Einstieg in ein reelles Leben – als der, der er sein will. Klingt wiederum fast nicht reell, ist es aber.
Witze für Jan Böhmermann
Inzwischen schreibt Hotz auch außerhalb der Sozialen Medien. Zum Beispiel als Autor für Jan Böhmermann beim ZDF Magazin Royale. Zudem ist er erfolgreicher Podcaster und von den Medien umworbener Gesprächspartner.
Und er hat vor Kurzem einen Roman geschrieben: Mindset. Darin setzt sich Hotz mit einem Männlichkeitsbild auseinander, das auch den Männern selbst das Leben zur Hölle mache. Was diese Vorstellung von dem, wie ein Mann zu sein hat, mit ihm selbst gemacht hat, ist zu erahnen.
Zwischen zwei Buchdeckeln erzählt Sebastian Hotz von der aus seiner Sicht zu häufig vertretenen Ansicht, dass das Schlechte im eigenen Leben durchaus von einem selbst abhängt. Die Behauptung: Wenn man sich nur ein bisschen mehr anstrengen würde – und dann noch ein bisschen mehr –, dann würde es gut werden; wenn nicht sogar hervorragend.
Es ist vor allem die „Coach-Mentalität“, die er bekämpft: „Diese Typen, von denen ich schreibe, sind eine Bedrohung. Es braucht nicht viel, damit etwas Schreckliches passiert.“
Familienmodelle wie vor 100 Jahren
Wann wurde er mit dem Coach-Typus konfrontiert, in seiner Jugend? „Nicht direkt, eher bei meinem BWL-Studium in Nürnberg“, erzählt er. „Da gab es genau solche Karikaturen von Menschen“. Und dass Männer auf sie hereinfallen würden, habe mit dem propagierten Männlichkeitsbild zu tun. Mit diesem wiederum wird Sebastian Hotz lange vor seinem Studium konfrontiert. Und er braucht eine Weile, bis er merkt, dass „etwas damit nicht stimmt, dass es für viele sogar gefährlich ist“.
Er wächst „umringt von klassischen, um nicht zu sagen biederen Familienmodellen“ auf – ungefähr so, „wie vor 100 Jahren“, meint er bitter: „Der Mann geht arbeiten, hat Frau und Kinder und gefälligst keine Probleme zu haben.“ Das Männlichkeitsbild aus seinem Roman würde sich „zu hundert Prozent“ mit diesem Bild decken.
Gegen eine „zaghafte Liberalisierungsbewegung“ dieses Männlichkeitsbildes würde es „einen starken reaktionären Gegenschlag geben“, so Hotz. „Und dieser richtet sich gegen die angebliche Verweichlichung und Verweiblichung des Mannes.“ Denn ein Mann „hat stark und materiell erfolgreich zu sein, und er hat alles auszuhalten.“
Ein eigener Lebensentwurf
Sebastian Hotz hat es geschafft, diesem Männerideal seinen Lebensentwurf entgegenzusetzen. Eines ist ihm hierzu aber wichtig: Diese Sicht auf den Mann sieht er auf dem Land nicht stärker vertreten als in der Großstadt. Dass es für ihn in Berlin leichter ist, seine Lebensweise auszuleben als in Ebermannstadt, hätte schlicht damit zu tun, dass in Berlin mehr Menschen leben und somit mehr Lebensmodelle repräsentiert seien.
Ist unabhängig davon etwas vom alten Leben in seinem neuen übrig geblieben? „Mehr als man glaubt“, sagt Sebastian Hotz.
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