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Mütter geraten aneinander
Eimer-Attacke im Mutter-Kind-Heim in Bamberg
Die Angeklagte sitzt vor Jugendrichter Martin Waschner auf der Anklagebank
Die Angeklagte sitzt vor Jugendrichter Martin Waschner auf der Anklagebank // Foto: Udo Güldner
Bamberg – Sie mögen sich nicht. Sie streiten miteinander. Und irgendwann eskaliert die Lage im Mutter-Kind-Haus in Bamberg. Die Hauptrolle spielt ein Putzeimer. Ein kurioser Fall am Amtsgericht Bamberg.

Es ist nur noch knapp eine Stunde bis zum Mittagessen. Eine junge Frau ist gerade dabei, für alle Bewohner des Mutter-Kind-Hauses in Bamberg zu kochen. Das gehört zur Hilfe zur Selbsthilfe, die man den jungen Müttern aus schwierigen Verhältnissen angedeihen lässt. Doch beim Blick in den Kühlschrank bemerkt die junge Frau, dass sich jemand an den Lebensmitteln zu schaffen gemacht hat, die sie erst wenige Stunden zuvor eingekauft hat. Von dem Käse, den sie fürs Überbacken bräuchte, ist nur noch eine mickrige Scheibe da. Von einer anderen Mitbewohnerin erfährt sie, dass die 19-jährige Carolin (Name geändert) die Hand im Spiel hat. Die beiden können sich sowieso nicht leiden.

Nach Käseklau: Joghurt-Schmiererei an Zimmertür des Mutter-Kind-Heimes in Bamberg

Sie stellt Carolin zur Rede und fordert sie auf, möglichst schnell Ersatz zu besorgen. Des Kochrezeptes wegen. Doch Carolin lacht ihr nur frech ins Gesicht. Die junge Frau stellt Carolin die fast leere Käsepackung vor deren Zimmer. Aus erzieherischen Gründen. Kurz darauf erhält die junge Frau eine Nachricht über WhatsApp. „In Deinem Zimmer stinkt es“. Als sie nachschaut, findet sie ihre frisch gewaschene Kleidung mit Käse verschmiert. Die junge Frau ist wütend. Denn Carolin hat ihr Zimmer betreten – den einzigen Rückzugsort, den die vom Leben gezeichnete junge Frau noch hat. Sie beschließt, sich mit einem großen Glas Joghurt zu revanchieren.

Junge Frau schlägt mit Kopf gegen Wand: Streit in Bamberger Mutter-Kind-Heim eskaliert 

Damit schmiert sie die Türe zu Carolins Zimmer ein. Auch der Boden davor bekommt einiges ab. Dann geht die junge Frau zum Rauchen, um sich zu beruhigen. Doch sie kommt nicht weit. Carolin passt sie ab. Sie hat einen Putzeimer dabei, um die Sauerei an ihrer Türe wegzumachen. Doch zuvor schüttet Carolin das Putzwasser auf die junge Frau. Sie trifft nur teilweise, wird deshalb ausgelacht und arbeitet deshalb mit dem Putzeimer nach. Damit schlägt sie nach der jungen Frau. Und als diese im Gerangel und aufgrund des rutschigen Bodens stürzt und mit dem Kopf gegen die Wand knallt, hagelt es Schläge. Die Attacke endet erst, als die junge Frau lauthals um Hilfe ruft. Zurück bleiben Schmerzen und blaue Flecke an Schulter und Hüfte. Schlimmere Verletzungen bleiben aus.

Amtsgericht Bamberg: Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung

Nun kam es am Amtsgericht Bamberg zum Prozess. Es ging um gefährliche Körperverletzung, weil bei der Attacke ein gefährlicher Gegenstand zum Einsatz gekommen war: der Putzeimer. Aber erst musste Jugendrichter Martin Waschner Carolin mit einem Haftbefehl drohen. Denn ursprünglich war sie nicht erschienen. Angeblich, weil sie keinen Babysitter für ihren beinahe zweijährigen Sohn zur Hand hatte. Schließlich kam sie doch, mit zweistündiger Verspätung und einem Kinderwagen im Schlepptau.

Man erfuhr, dass Carolin im Mutter-Kind-Haus schon mehrfach unangenehm aufgefallen war und die Einrichtung inzwischen verlassen hat. Und man erfuhr, dass sie eine schwierige Kindheit und Jugend hinter sich hat. Weil ihre Eltern bei ihrer Geburt noch minderjährig und mit dem Nachwuchs völlig überfordert sind, kommt Carolin erst in eine Pflegefamilie und danach in verschiedene Einrichtungen in Kolitzheim und in dessen Nachbarstadt Schweinfurt.

Einstellung des Verfahrens: Jugendrichter in Bamberg sieht beidseitige Eskalation der Mütter

Vor zwei Jahren wird Carolin dann ungewollt schwanger und zieht ins Mutter-Kind-Haus. Carolin ist ganz allein auf weiter Flur und mit den Nerven fertig. Denn sowohl der Kindsvater als auch ihr Lebensgefährte können ihr nicht helfen. Sie sitzen beide hinter Gittern. Es fehlen die emotionale und die finanzielle Unterstützung. Das erklärt vielleicht auch die Gereiztheit, mit der sie in der Einrichtung für Unruhe und Ärger sorgt. Am Ende stellte Jugendrichter Waschner das Verfahren ein. Es sind keine großen Schäden entstanden.

Beide Seiten haben die Lage eskalieren lassen. Carolin ist zwar vorgeahndet, aber nur wegen eines kleinen Diebstahls. Und im Jugendstrafrecht geht es sowieso um erzieherische Dinge und nicht um eine Bestrafung. Viel wichtiger ist, dass Carolin nicht noch einmal mit einer Straftat auffällt und sich um ihren kleinen Sohn kümmert. Im Gegenzug für die Nachsicht muss Carolin 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

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