Corona-Impfung
Cheyennes Tod: Das große Rätsel
Cheyenne Braun
Am 16. November 2021 hört das Herz von Cheyenne Braun zu schlagen auf. Sie wird 15 Jahre alt.
Foto: privat
Hollfeld – Die Mutter der 15-Jährigen hat geschworen, die Todesursache herauszufinden. Doch statt Antworten gibt es immer neue Fragen. Die Spurensuche, Teil 3.

Ein Todesermittlungsverfahren braucht seine Zeit. „Wir lassen uns nicht drängen“, antwortet eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth Mitte Januar.

Zu diesem Zeitpunkt ist Cheyenne Braun mehr als zwei Monate tot. Woran sie starb und ob die Corona-Impfung bei ihrem Tod eine Rolle spielte, weiß ihre Mutter noch immer nicht. Je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird deren Misstrauen: „Da soll etwas vertuscht werden“, sagt Kerstin Braun.

Die Staatsanwaltschaft hat Cheyennes Krankenakten sichergestellt und ein medizinisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Das alles war nötig geworden, weil das Klinikum in Bayreuth die Ursache für den Tod der 15-Jährigen als „ungeklärt“ ausgewiesen hat. In diesem Fall sieht die deutsche Rechtsordnung ein Todesermittlungsverfahren zwingend vor.

Im Krankenhaus weicht Kerstin Braun  ihrer ins Koma gefallenen Tochter nicht von der Seite.
Im Krankenhaus weicht Kerstin Braun ihrer ins Koma gefallenen Tochter nicht von der Seite.
Foto: Kerstin Braun

Die Ergebnisse sind da

Anruf bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, es ist die zweite Woche im Februar. Die Ergebnisse sind da.

Die Sprecherin holt tief Luft.


Der Impfarzt:

Von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens nimmt die Staatsanwaltschaft Abstand. „Es hat sich sich kein Hinweise darauf gefunden, dass der Impfarzt sich einer strafrechtlich relevanten Handlung schuldig gemacht haben könnte“, sagte die Sprecherin.

Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte bei Cheyenne eine Thrombose im linken Arm. „Ich bin überzeugt, dass sie diese Thrombose wegen der Impfung hatte“, sagt Kerstin Braun. Sie hält es für möglich, dass der Impfarzt die Injektion statt in einen Muskel in eine Vene gesetzt haben könnte. „Der Gutachter schließt dieses Szenario aus“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Vorerkrankungen:

Der Körper Cheyenne Brauns wies zum Zeitpunkt ihres Todes „gesundheitliche Vorschäden“ auf. Diese kommen laut Gutachten als Todesursache zumindest in Betracht. An welchen Vorerkrankungen genau Cheyenne litt, behält die Staatsanwaltschaft aus Gründen des „postmortalen Persönlichkeitsschutzes“ für sich.

Vor sechs Jahren erlag Cheyennes Vater mit 48 Jahren einem Hinterwandinfarkt. Vor rund drei Jahren ließ Kerstin Braun das Herz ihrer Tochter deshalb untersuchen. Einen Befund habe es nicht gegeben, „meine Tochter war gesund“. Im abschließenden Arztbrief verneint laut Kerstin Braun auch das Klinikum in Bayreuth eine „genetisch bedingte Vorerkrankung des Herzens“ .

Die Entzündung:

Zum Zeitpunkt ihres Todes litt Cheyenne an einer Herzmuskelentzündung. Eine mögliche Ursache könnte in der ebenfalls diagnostizierten Lungenentzündung liegen. Eine Erklärung dafür hat Kerstin Braun nicht: „Vielleicht hat Cheyenne etwas verschleppt.“

Die Impfung:

Der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Sachverständige schließt nicht aus, dass die Herzmuskelentzündung Cheyenne Brauns eine Nebenwirkung ihrer Impfung gewesen sein könnte. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weist für das Jahr 2021 in der Altersklasse zwischen zwölf und 17 Jahren deutschlandweit acht Todesfälle in Zusammenhang mit einer Comirnaty-Impfung aus.

In vier Fällen sei der „ursächliche Zusammenhang“ mit der Impfung „nicht abschließend beurteilbar“, in den anderen Fällen bestand eine zum Teil „schwere, impfunabhängige Vorerkrankung des Herzens“. Ob und in welcher Kategorie das PEI auch den Tod Cheyenne Brauns eingeordnet hat, ist unklar. Mit Verweis auf die „Regeln des Datenschutzes und vor allem des Persönlichkeitsschutzes“ bleibt das PEI auf Anfrage von fraenkischertag.de eine Antwort schuldig.

Die Schuldfrage:

Selbst wenn Cheyennes Tod in einem Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, hätten sich laut Staatsanwaltschaft weder Impfarzt noch das Robert-Koch-Institut (RKI) eines strafrechtlich relevanten Vergehens schuldig gemacht. „Schließlich wurde von der Mutter die Einwilligungserklärung unterschrieben“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Mit ihrer Unterschrift versichern Eltern, die Aufklärungsblätter des RKI zur Kenntnis genommen zu haben. Darin warnt das RKI unter anderem: „Ebenfalls wurden nach Gabe der mRNA-Impfstoffe sehr selten Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen (Myokarditis und Perikarditis) sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen beobachtet.“

Und weiter schreibt das RKI: „Die meisten Fälle einer Herzmuskel- bzw. Herzbeutelentzündung verlaufen mild bis moderat, bei einem kleinen Teil der betroffenen Patientinnen und Patienten gibt es jedoch auch schwerere Verlaufsformen. Einzelne Personen verstarben.“

Die Todesursache:

Woran Cheyenne Braun am 16. November 2021 starb, bleibt auch nach dem Gutachten der Staatsanwaltschaft ungeklärt. Für belastbare Antworten wären weitere Untersuchungen notwendig. „Diese Untersuchungen gibt unser Ermittlungsauftrag aber nicht her“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.


„Soll ich an allem schuld sein?“

Anruf in Hollfeld, Kerstin Braun ist über das Gutachten der Staatsanwaltschaft bereits im Bilde. „Was soll ich dazu jetzt sagen?“ Kerstin Braun ist wütend und enttäuscht. Sie fühlt sich im Stich gelassen von einem Gutachten, das in ihren Augen mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Sie fühlt sich allein gelassen mit der Verantwortung, die sie mit ihrer Einverständniserklärung eingegangen ist. „Soll ich jetzt an allem schuld sein?“

Auf der Suche nach dem, was Kerstin Braun „die Wahrheit“ nennt, steht sie drei Monate nach dem Tod ihrer Tochter wieder ganz am Anfang. Wenig ist ausgeschlossen, nichts ist bewiesen.

Die 52-Jährige hat sich entschieden, Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens einzulegen: „Das bin ich Cheyenne schuldig.“

Das Porträt ihrer Tochter hat sich Kerstin Braun inzwischen auf ihren rechten Oberarm stechen lassen.

Warum wir erst jetzt über den Tod Cheyenne Brauns berichten

  • Seit dem Tod Cheyenne Brauns am 16. November 2021 stand fraenkischertag.de in regelmäßigem Kontakt mit ihrer Mutter Kerstin.
  • Andere Medien und Portale berichteten schon im November über den Tod Cheyenne Brauns. „15-Jährige stirbt nach Impfung“ titelte etwa das Portal „Reitschuster“ am 24. November.
  • fraenkischertag.de hat sich entschieden, das Gutachten der Staatsanwaltschaft abzuwarten. Erst anschließend war es unserer Einschätzung nach möglich, ausgewogen über einen Fall zu berichten, in dem sich persönliches Schicksal und gesellschaftliche Debatten überschneiden.

Den ersten Teil der Spurensuche lesen Sie hier: 

Und den zweiten Teil lesen Sie hier: 

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