Der Faschingsumzug am Dienstag (17.2.2026) in der Bamberger Innenstadt stieß das Tor zu einer anderen Wirklichkeit auf. Wer wie Jochen lustvoll eintrat, erwarb sich Privilegien. Der musste sich einen Nachmittag lang nicht keine Ansagen vom Chef anhören. Und der konnte anziehen, wonach ihm der Sinn stand. Jochen, der im bürgerlichen Teil seines Lebens als Archäologe arbeitet, entschied sich für einen lilafarbenen Rauchmantel. „Den Mantel habe ich in einem Laden für Kirchenbedarf gekauft“, erzählte er.
Im Alltag würde sich Jochen damit wohl der Amtsanmaßung schuldig machen. Am Faschingsdienstag in Bamberg aber war der Mantel nicht nur erlaubt. Er war ein Hingucker, an dem sich auch andere Anhängerinnen und Anhänger der fünften Jahreszeit erfreuen konnten.
Anfangs war die Lange Straße nur sehr spärlich bevölkert
Es gab des Weiteren Astronauten zu bestaunen, Gespenster, allerhand Tiere und Heldenfiguren. Und auffallend viele Bananen. Auch der Bamberger Laurin steckte in einem fruchtig-gelben Kostüm. Zu dessen Popularität indes blieb er eine Antwort schuldig: „Keine Ahnung, ich für meinen Fall esse Bananen einfach gerne.“
Hier gibt's die schönsten Bilder vom Bamberger Faschingsumzug:
Man kann in diesem Jahr leider nicht vom Umzug sprechen, ohne auch auf das Wetter zu kommen. Es war nass, kalt und windig. „Sicher nicht ideal“, sagte Felix. Eine halbe Stunde vor dem Startschuss blickte er sorgenvoll auf eine vergleichsweise spärlich bevölkerte Lange Straße: „Ich fürchte, dass das Wetter viele von einem Besuch abhält“, sagte er. Die Straßen wurden dann doch noch anständig voll. Die Bamberger Polizei schätzt die Zahl der Besucher auf rund 15.000.
Die OB-Kandidaten Huml und Niedermaier waren beim Umzug auch dabei
Unter lauten „Helau“-Rufen, unter auf maximale Lautstärke gestellten Ballermann-Hits und vor allem unter der spendablen Gabe von Süßem zogen die Narren durch die Straßen. Der Bamberger Elferrat um seinen Vorsitzenden Pius Schiele verteilte neben Bonbons auch noch Blumen. Die Mädchen und jungen Frauen vom Memmeldorfer Carneval Verein (MCC), vom SV Dörfleins und der Schammelsdorfer Garde schwangen im Takt der aufgekratzten Musik ihre Beine.
Dass in drei Wochen ein neuer Stadtrat und Oberbürgermeister gewählt wird, war dem Umzug weniger anzusehen, als das viele vielleicht befürchtet haben. Die OB-Kandidaten Melanie Huml und Sebastian Niedermaier winkten und lachten. Mit politischen Botschaften hielten sie sich zurück. Der Bamberger Bürgerblock (BBB) warf auf seinem Transparent die Frage auf, ob Busfahren künftig nur noch etwas für Superreiche ist. Dass am selben Tag die Busfahrer streikten, verlieh dieser Frage eine ungeahnte Aktualität. Politische Schärfe mischten dem Umzug die BuB mit ihrer Ablehnung des Ankerzentrums unter.
OB Starke händigte dem Prinzenpaar den Rathausschlüssel aus
Den unter Gesichtspunkten des Wetterschutzes vornehmsten Platz hatte das Prinzenpaar: Thomas II. und Jessica I. Von einer Kuppel vor dem Regen beschützt, muss ihnen das huldvolle Lächeln und Winken vergleichsweise leicht gefallen sein. Zum Abschluss auf den Treppen des Rathauses händigte OB Andreas Starke ihnen den Stadtschlüssel aus. Der närrische Umsturz aller Verhältnisse war in diesem Moment perfekt.
Der Schauplatz des Umsturzes freilich erinnerte daran, dass der Faschingsumzug auch Wurzeln in der wirklichen Wirklichkeit hat. Im Zuge der harten Auseinandersetzung um das Bamberger Stadtmarketing schwebte über dem Faschingsumzug wochenlang ein Damoklesschwert. Erst der städtische Zuschusses von 17.000 Euro schaffte die finanziellen Voraussetzungen. Alles andere, das wurde am Dienstag klar, hätte den Bambergern ein lebensbejahendes Ereignis genommen.














