Wenn ein leidenschaftlicher Anhänger der italienischen Küche einen großen Bogen um ein italienisches Genussfest macht, dann muss vieles im Argen liegen: „Nein, ich werde nicht hingehen“, sagt Marco Depietri.
Zu tief sitzt im Vorsitzenden des italienischen Kulturvereins „mosaico italiano“ noch der Ärger über das vom Bamberger Stadtmarketing veranstaltete „Festa Italica“.
Fünf Tage lässt das Fest Anfang Juni auf dem Bamberger Maxplatz die Kultur und Küche Italiens hochleben. Das Problem in den Augen von Depietri: Es beteiligt sich daran weder „mosaico italiano“ noch sonst ein Händler italienischer Waren aus der Stadt. „Weil keiner gefragt worden ist“, sagt Depietri. Das Wort, das ihm dazu einfällt, lautet „Affront“.
„Festa Italica“: Klaus Stieringer entschuldigt sich für „Missverständnis“
Auf Anfrage unserer Redaktion entschuldigte sich Stadtmarketing-Chef Klaus Stieringer am Samstag (25. Mai 2024) für das entstandene „Missverständnis“. Die „Kommunikation und Einbindung lokaler Akteure“ nannte er „unzureichend“. Man entschuldige sich deshalb „aufrichtig“. Er habe, so Stieringer weiter, Depietri inzwischen eingeladen, seinen Verein auf dem Fest zu präsentieren.
Falls Stieringer damit die Hoffnung verbunden haben sollte, die Gemüter zu beschwichtigen, dann trog diese Hoffnung. Denn von sprachlichen Formeln wie „Kommunikationsfehler“ und „Missverständnis“ will Depietri nichts wissen. Er bevorzuge, die Dinge beim Namen zu nennen: „Unser Verein und die italienischen Händler der Stadt wurden übergangen.“
Marco Depietri kritisiert „Ablenkungsmanöver“
Die „kurzfristige Einladung von Herrn Stieringer“ interpretiert er als „durchschaubares Ablenkungsmanöver“. Nichts könne darüber hinwegtäuschen, dass „Festa Italica“ auf dem Maxplatz „als kommerzialisiertes Wanderfest ohne jegliche Beteiligung der Bamberger italienischen Gemeinschaft abgehalten werden soll.“
Es gehe „mosaico italiano“ auch nicht darum, sich auf dem Fest zu präsentieren. „Wir sind in Bamberg bekannt genug, da wir seit über 20 Jahren die italienische Sprache und Kultur in der Stadt fördern“, sagt Depietri. Deshalb hätte es der Verein für selbstverständlich gehalten, von Anfang an in die Planungen für „Festa Italica“ miteinbezogen zu werden.
Culinaria-Chef würde mit Klaus Stieringer sprechen
Gleichzeitig betont Depietri, sich einem runden Tisch nicht zu verweigern: „Wenn das Stadtmarketing die Zusammenarbeit mit uns verbessern möchte, dann sind wir dabei.“ Für das diesjährige „Festa Italica“ allerdings sei das Kind bereits in den Brunnen gefallen. „Ein runder Tisch ist deshalb erst nach Abschluss des Fests sinnvoll“, sagt Depietri.
Markus Eichinger vom italienischen Fachgeschäft Culinaria ist Geschäftsmann genug, um sich von seinem Ärger nicht die Sinne vernebeln zu lassen. Natürlich würde er gemeinsam mit dem Stadtmarketing darüber nachdenken, wie sich im kommenden Jahr ein italienisches Genussfest zu neuen Bedingungen organisieren ließe. „Ich bin ja kein trotziges kleines Kind“, sagt Eichinger.
Stadtmarketing soll eigentlich die Innenstadt stärken
Er hätte es sich bereits in diesem Jahr gut vorstellen können, mit einem eigenen Stand bei „Festa Italica“ dabei zu sein: „Leckeren Wein, dazu ausgewählte kleine Speisen.“ Insbesondere aus Gründen der Kundenakquise wäre „Festa Italica“ attraktiv für ihn gewesen. „Man lernt auf solchen Festen die Kunden von morgen kennen“, sagt Eichinger.
Allein, er sei nicht gefragt worden. „Ich habe von dem Fest nichts gewusst. Erst Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht“, sagt Eichinger. „Traurig“ und „schwachsinnig“ nennt er die fehlende Beteiligung lokaler Händler.
Dabei berufe sich das Stadtmarketing ja selbst auf das Ziel, „den Wirtschaftsraum Innenstadt“ zu stärken „sowie die Attraktivität und Lebensqualität aller am wirtschaftlichen Leben Bambergs Beteiligter zu erhöhen“. So steht es auch auf der Homepage des Stadtmarketings geschrieben. Ihm fehle, sagt Eichinger, die Fantasie dafür, wie sich diese selbst gesteckten Ziele mit „Festa Italica“ vereinbaren lassen.
OB Andreas Starke schaltet sich ein
In dieselbe Kerbe schlägt nun auch die SPD-Stadtratsfraktion. Damit ist „Festa Italica“ auch in der Bamberger Stadtpolitik angekommen. In einem gemeinsamen Statement mit SPD-Bamberg-Stadt teilt die Fraktion „die Kritik der Bamberger Händlerinnen und Händler“. Bambergs Sozialdemokraten monieren „deren unzureichende Einbindung bei den Großveranstaltungen auf dem Maxplatz“.
Vor diesem Hintergrund begrüße man die Initiative von Oberbürgermeister Andreas Starke, eine grundsätzliche Diskussion über die Aufgaben und Ziele des Stadtmarketings zu führen. Starke hatte kurz zuvor zugesichert, „die aktuelle Auseinandersetzung in den zuständigen Gremien anzusprechen“. Im Namen der Grünen-Fraktion heißt auch Christian Haders diese Initiative gut.
Zur Erinnerung für alle Beteiligten schreibt Bambergs SPD nochmals auf, an welchen Zielen genau sich die "satzungsgegebene Aufgabe" des Stadtmarketings bemisst: „die Innenstadt und deren Akteure stärken.“













