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Netflix-Produktion
Geheimer Sisi-Dreh in Bamberg
Die Hauptdarsteller Devrim Lingnau (Sisi) und Philip Froissant (Franz) drehen ab heute mehrere Szenen für die Netflix-Serie „The Empress“ in Bamberg.
Die Hauptdarsteller Devrim Lingnau (Sisi) und Philip Froissant (Franz) drehen ab heute mehrere Szenen für die Netflix-Serie „The Empress“ in Bamberg. // Thomas Schenk/Netflix
Bamberg – Kein Zutritt, kein Foto: Der erste Drehort der Serie „The Empress“ wirkt gesichert wie ein Kaiserschloss. Ein Reporter versucht trotzdem sein Glück.

Ein kaiserlicher Besuch in der Provinz sorgt für Neugier beim Volk. Zu Zeiten Elisabeths von Österreich-Ungarn wohl ebenso, wie am Montag im Bamberger Norden: Netflix – quasi die Kaiserin unter den Streaming-Anbietern – zieht für eine Woche in die Eisengießerei Müller in der Hallstadter Straße.

Ein kleiner Einblick war kurz vom Seiteneingang möglich, bevor auch dieser geschlossen wurde.
Ein kleiner Einblick war kurz vom Seiteneingang möglich, bevor auch dieser geschlossen wurde. // Markus Klein

Nach Schloss Eyrichshof (Ebern) in der vergangenen Woche folgt nun der erste Bamberger Drehort für die Netflix-Serie „The Empress“ um Kaiserin Elisabeth, besser bekannt unter ihrem Spitznamen „Sisi“ und den Filmklassikern mit Romy Schneider. Weitere Szenen der neuen Serie sollen am Domplatz, in der Alten Hofhaltung und in der Judenstraße gedreht werden.

 

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Am Montag wurden die Kulissen in der Bamberger Eisengießerei errichtet. Heute sollen die Proben beginnen. Während sich die historische Kaiserin bei ihren Provinzbesuchen etwa in Bad Kissingen ein Alias zulegte, um den neugierigen Pöbel fernzuhalten, tut das Netflix heute mit Bauzäunen und Kommunikationssperren. „Leider kein Zutritt, keine Fotos, keine Angaben zum Inhalt der in Bamberg zu drehenden Szenen“, lassen sich die knappen Antworten auf Anfragen beim Berliner Sitz des US-Medienunternehmens zusammenfassen. Das Set wirkt geschützt wie das Wiener Kaiserschloss Schönbrunn zu Revolutionszeiten.

Erfahrungen einer Komparsin

Beteiligte, die man mit etwas Aufwand trotzdem erreicht, haben Verschwiegenheitsverträge unterschrieben. Eine Komparsin aus Bamberg darf etwa kein Foto von ihrem frisch genähten Kostüm zeigen, möchte es sicherheitshalber nicht einmal beschreiben. Immerhin: „Ich bin sehr zufrieden damit.“ Knapp drei Stunden war sie bei der Kostümprobe der Komparsen.

Der Drehort ist abgeriegelt.
Der Drehort ist abgeriegelt. // Ronald Rinklef

Die Hauptdarsteller Devrim Lingnau (Sisi) und Philip Froissant (Kaiser Franz) waren da nicht dabei. „Ein Schneider hat Maße genommen, ich habe verschiedene Kostüme anprobiert, die wurden angepasst, dann ging es zum Friseur“, erzählt sie. „Sehr spannend und ein nettes Umfeld“, fasst sie die bisherigen Erfahrungen zusammen.

In der Eisengießerei ist sie noch nicht dabei. Nächste Woche sollte sie sich vier Tage Zeit nehmen – falls sie ausgewählt wird. In dieser Zeit wird am Domplatz gedreht. Während sie bei der Anprobe eine Komparsin kennenlernte, die extra aus München kam, habe sie selbst keine Schauspiel-Ambitionen. „Mir geht’s nur um Sisi. Ich bin Fan seit Kindertagen!“, sagt sie. Außerdem reizt sie die Lebenserfahrung und die Möglichkeit, in eine andere Zeit zu schlüpfen.

Berliner Designer genießt Bamberg

Während der Komparsin dafür ein Kleid genügt, versetzt Matthias Müsse den ersten Bamberger Drehort mit Holzzäunen und historischem Werkzeug in die Zeit Elisabeths. Müsse ist Production-Designer der von Netflix mit dem Dreh beauftragten Berliner Firma „Sommerhaus Filmproduktion GmbH“ (u.a. „Berlin Alexanderplatz“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“). Den Ort bezeichnet er als „Glücksfall“: Sogenannte „Location Scouts“ der Firma hätten sich umgesehen, den charakteristischen alten Holzturm entdeckt und das Areal als „perfekt“ eingestuft.

Der Sisi-Dreh hat auch Auswirkungen auf den Verkehr in der Hallstadter Straße.
Der Sisi-Dreh hat auch Auswirkungen auf den Verkehr in der Hallstadter Straße. // Ronald Rinklef

Müsse genießt die Arbeit in der „einzigartigen Eisengießerei“, die tatsächlich noch zu Lebzeiten Sisis gegründet worden ist (1878). Zwischen viel Staub und Ruß befinden sich dort inzwischen allerdings auch verrostete Maschinenteile, Karosserien und modernere Geräte, die es zu verdecken gilt. Bedeckt hält sich Müsse auch mit Infos zur Handlung, die hier stattfinden soll.

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Offen sprechen kann er aber von seiner Faszination für den Filmort Bamberg, in dem unter anderen schon Stars wie Heike Makatsch, Milla Jovovich, Orlando Bloom, Christoph Waltz, Ottfried Fischer, Kirk Douglas und Peter Ustinov vor der Kamera standen. Bereits mehrmals habe sich Müsse hier schon nach Film-Locations umgesehen, jetzt sei es endlich soweit. Nicht nur die Eisengießerei, „auch der Domplatz gefällt mir persönlich sehr gut, weil er nicht ganz totsaniert ist, sondern viel Substanz und Charakter hat“.

So sah es in der Eisengießerei aus, bevor sie am Montag zur Sisi-Kulisse wurde.
So sah es in der Eisengießerei aus, bevor sie am Montag zur Sisi-Kulisse wurde. // Ronald Rinklef

Die Bamberger, die beim Dreh helfen, seien immer freundlich und freuten sich. Auch die schöne Landschaft um die Stadt sagt dem Designer zu. „Wenn man aus Berlin kommt, tun ein paar Monate hier sehr gut“, sagt er.

Bamberg stolz auf Drehort

Die Stadt Bamberg freut sich ihrerseits über die zunehmende Beliebtheit bei Filmproduzenten, wie Sprecher Steffen Schützwohl sagt. Auch, wenn ein Dreh viel Arbeit in der Verwaltung bedeutet: Die Pressestelle hilft bei der Suche nach geeigneten Orten, achtet auf sensiblen Umgang mit dem Welterbe und informiert über Straßensperrungen, die wiederum das Straßenverkehrsamt organisiert. „Im Nachhinein hat sich immer herausgestellt, dass die Freude darüber, Bamberg im Kino oder TV zu sehen, größer ist als die kurzzeitigen Einschränkungen“, sagt Schützwohl. „Insofern sind wir schon alle gespannt, wie Bamberg im nächsten Jahr als Sisi-Stadt in Szene gesetzt wird.“ Bis dahin wird das wohl ein Geheimnis bleiben.

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