Annette von Bamberg fiebert ihrer Premiere zu ihrem vierten Programm „Es gibt ein Leben über 50, 60 … jedenfalls für Frauen!“ mit Freude und Aufregung entgegen - immer augenzwinkernd und mit ihrem Alter kokettierend. Im Nana Theater (Club Kaulberg – 14./15. November jeweils 20 Uhr/ 16. November./17 Uhr, Restkarten beim BVD oder online) wendet sie sich in ihrer zitronengelben Lederjacke sicher nicht nur an die Frauenwelt, sondern auch die Männer werden ihren Spaß haben.
„Ja, das war schon immer ein Traum von mir, in einer Zitronenkiste zu liegen wie auf dem Plakat. Ich koche auch viel mit Zitronen-Zester und gemäß den Attributen süß, sauer und lustig fühle ich mich auch. Lachen und Weinen gehören zum Leben. Zu meinem Markenzeichen gehört auch das Kraftvolle und manchmal auch das Polternde, zurückhaltend bin ich eher nicht!“
Keine Angst in der Bamberger Innenstadt
Unabhängig von Premieren schreibt sich die 61-Jährige Annette Grabiger immer Ideen aus dem analogen Leben in Jahresordnern auf. „Ich lebe als Kabarettistin in dieser Welt und denke mir oft, dass kann doch jetzt nicht wahr sein kann.“ Dazu gehört auch aktuell die Aussage zum Stadtbild von Friedrich Merz. „Ich lebe in Bamberg zwischen Bahnhof und Innenstadt und laufe Tag und Nacht durch die Fußgängerzone, über die Kettenbrücke, ohne Angst! Unseren beiden Töchtern geht es übrigens genauso. Ängstliche Menschen kann man besser lenken.“
Nichtsdestoweniger bietet Annette von Bamberg kein politisches Kabarett, vielmehr drehen sich ihre Themen um die alltäglichen Herausforderungen wie vergessene Passwörter oder fehlende Frauentoiletten, was sie gerne überspitzt darstellt. So fragt sie sich, was passiert, wenn eine Schulkameradin eine Beerdigung mit einem Klassentreffen verwechselt. Was machst du, wenn deine 85-jährige Mutter am Telefon mitteilt: „Die Kirschen sind reif, wenn du dieses Wochenende nicht heimkommst, dann stell ich die Leiter, die große Ausziehleiter auf und klettere selber rauf.“ Fährst du da heim?
„Das Publikum kann sich darüber amüsieren, dass es mir genauso geht wie ihnen, vielleicht sogar noch schlimmer! Dass ich auf der Bühne gelandet bin, ist ein echtes Wunder, ich bin als Kind zweimal auf den Kopf gefallen, einmal auf den Vorder- und einmal den Hinterkopf und an die anderen acht Male kann ich mich nicht mehr erinnern.“
Ihren Gästen wird Annette auch nahelegen, welche verrückten Mutproben im Leben noch möglich sind. Dabei gerät sie ins Schwärmen und berichtet euphorisch von ihrer vierten Wintersaison, in der eiskalten Regnitz zu schwimmen. Und dies mehrmals wöchentlich, auch bei niedrigen einstelligen Temperaturen.
Proben in Bambergs Wintergarten
Ungefähr ein halbes Jahr vor der Premiere steht ihr Ideen-Grundgerüst, die Texte sind ausformuliert und es kommt zum „Tag der Wahrheit“. Dem Regisseur Mäc Härder wird der gesamte Stoff vorgelesen und beim wöchentlichen Jour Fixe werden dann die Texte mehrfach überarbeitet und gekürzt. „Letztlich kann man diesen Prozess gut mit Schmirgelpapier vergleichen, es wird immer feiner“. Da diese beiden auch zusammen leben, finden die Proben in ihrem Wintergarten statt.
Respekt vor der Premiere im Bamberger Nana-Theater
Fix und fertig stand dieses Mal das brandneue Programm schon zehn Tage vor der eigentlichen Premiere. „Auswendig lernen und nur wiedergeben genügt nicht. Das Gestalten ist entscheidend, die Betonung und auch der Aufbau eines Spannungsbogens.“ Zwei Tage vor dem ersten Live-Aufritt im Nana-Theater findet die Generalprobe statt. Letzte Möglichkeit, noch nachzu- justieren. Auch wenn die Power-Frau schon Jahrzehnte auf der Bühne steht, vor Premieren hat sie immer noch großen Respekt. Denn Teleprompter und Souffleuse gibt es nicht.
Dass Annette von Bamberg den Titelzusatz „jedenfalls für Frauen“ wie schon beim letzten Programm wählt, macht sie bewusst. „Ich stehe als Frau auf der Bühne und biete ein Kabarettprogramm aus der Sicht einer Frau.“ Erfahrungsgemäß ist die Publikumsquote Frauen: Männer 2:1.
Auch altersmäßig kann sie ihr Klientel gut einschätzen: „20 Jahre jünger als ich und 20 Jahre älter “, also eine Spannweite von 40 bis 80. „Verläuft sich eine 25-Jährige in meine Vorstellung, dann hat sie auch ihren Spaß, wenn sie hört, dass Pippi Langstrumpf mit 90 Jahren im Altenheim sitzt und eine Heavy-Metal-Band organisiert.“ Welche Mutproben Annette von Bamberg schon ausprobiert hat, oder sich noch vorgenommen hat, das kann man an den drei Abenden im Nana-Theater erfahren.
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