Hochklassig war das Oberfranken-Derby in der Bayernliga Nord zwischen dem FC Eintracht Bamberg und dem FC Coburg bei frostigen Temperaturen nicht, unterhaltsam aber allemal: Nach Rückstand und Roter Karte haben sich die Hausherren in die Partie gekämpft und am Ende verdientermaßen mit 3:1 gewonnen. Trotz der erneuten Niederlage: Die personell dezimierten Vestekicker zogen sich achtbar aus der Affäre und präsentierten sich als intakte Einheit.
Bayernliga Nord
FC Eintracht Bamberg - FC Coburg 3:1 (1:1)
Dass Coburg mit drei Niederlagen im Gepäck bei 1:18 Toren anreiste, zudem auf die offensiv wichtigen Cankut und Aykut Civelek aufgrund eines Trauerfalls verzichten musste und sich in der klaren Außenseiterrolle befand, war auf dem Spielfeld in der ersten halben Stunde nicht auszumachen. Die Vestekicker starteten mutig, pressten früh und brachten den Abwehrverbund der Gastgeber ein ums andere Mal in Verlegenheit. Es war sicherlich eine der schwächsten Halbzeiten des FC Eintracht in dieser Spielzeit.
Bereits nach nur vier Minuten landete ein Abschlag von Torhüter Luis Krempel direkt im Lauf von Fabian Carl, der seine Geschwindigkeitsvorteile ausspielte, sich aber noch ein wenig von Torhüter Benedikt Willert abdrängen ließ, weshalb der zurückgeeilte Oliver Schubert den Schuss noch auf der Linie klären konnte. Dieses Strickmuster sollte sich noch einige Mal wiederholen. Immer wieder schaltete Coburg blitzschnell um. Nach neun Minuten war der Ex-Oberhaider Cristian Camillo Fischer auf rechts durchgebrochen, fand aber keinen Abnehmer.
Der FCE spielte defensiv mit dem Feuer, nach vorn fehlten Zielstrebigkeit und Konsequenz. In die Fehlerkette reihte sich schließlich auch Keeper Willert ein, der den Aufbau spielerisch lösen wollte, den Ball aber einem Coburger direkt in die Füße spielte. Dieser bediente Fabian Carl rechts im Strafraum, der zentral abzog und die Kugel an Willert vorbei ins Tor zum 0:1 unterbrachte (23.). Eine verdiente Führung. Chancen hatte bis dato lediglich der FCC, bis Christopher Kettler, der nach seinem Knockout vor einigen Wochen wieder in der Startelf stand, einmal aus der Distanz abzog, jedoch an Krempel scheiterte (26.).
Die gefährlicheren Aktionen verzeichneten weiter die Gäste: Eine verunglückte Carl-Flanke hätte sich beinahe ins lange Eck gesenkt, Willert war zur Stelle (29.). Auch Fischer eroberte nach schlampigem Pass den Ball, wurde aber im letzten Moment noch abgegrätscht (32.).
Über einen höheren Rückstand hätten sich die Domreiter zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren können. Zugute kam ihnen letztlich, dass auch der FC Coburg nicht fehlerlos agierte. Paul Kraußold ahnte, dass Ricardo König einen Rückpass zum Torhüter plante, spritzte dazwischen, umdribbelte dabei noch Krempel und traf ins leere Tor zum 1:1-Ausgleich (42.).
FC Eintracht Bamberg: Blitz-Rot nach dem Ausgleich
Der Freude bei den Hausherren über den Treffer wich aber nur Sekunden später ungläubigen Blicken. Vom Anstoß weg ging es wieder tief in die FCC-Hälfte, als sich Valentin Schmitt und Maximilian Tranziska in einem Zweikampf verhakten - und sich der Bamberger mithilfe eines Schubers von der Last des Gegners befreite. Schiedsrichter Oliver Barnert sah darin ebenso wie sein wenige Meter entfernte stehende Assistent eine Tätlichkeit - und schickte den Bamberger mit glatt Rot vom Feld (43.).
Mit nun einem Mann weniger auf dem Feld verordnete FCE-Coach Jan Gernlein seiner Mannschaft im zweiten Durchgang eine defensivere Grundordnung und nahm Coburg damit die Gefährlichkeit nach Kontern. Und nun war auch das Spielglück auf Seiten der Gastgeber.
Nach einer Freistoßflanke von Nico Zietsch aus dem Halbfeld und einem Zweikampf auf Höhe des Elfmeterpunkts gab es Elfmeter für den FCE: Tranziska soll seinen Gegner beim Einlaufen gehalten haben. Luca Ljevsic übernahm die Verantwortung und setzte den Ball mit der rechten Innenseite punkgenau neben den linken Pfosten. Keeper Krempel ahnte die Ecke, eine Millimeterangelegenheit (48.).
FC Coburg fehlen die Ideen
Der Führungstreffer spielte den Hausherren selbstredend in die Karten, die sich nun noch weiter zurückziehen und abwarten konnten, was Coburg mit dem Ball anzufangen weiß. Allzu viel war es jetzt nicht mehr. Der FC Eintracht verteidigte die Angriffe in enger Staffelung; und wenn doch ein Schuss den Weg durch die Abwehr fand, verfehlte er das Gehäuse doch deutlich. Laut wurde es auf der Gäste-Bank aber in der 80. Minute, als der Schiedsrichter den Gästen nach einer vergleichbaren Situation wie vor dem 1:2 auf der Gegenseite einen Elfmeter verwehrte.
Coburg lief die Zeit davon, sie versuchten aber alles - bis Bamberg den Deckel draufmachte. Und das mit dem schönsten Spielzug des Tages: Gegen aufgerückte Coburger bediente Tobias Linz mit einem Pass über das halbe Feld den startenden Luca Leistner, der direkt mit dem ersten Kontakt abzog und den Ball unhaltbar zum 3:1 versenkte (84.).
Die Statistik zum Spiel
FC Eintracht Bamberg: Willert - Schubert, Schmitt, Linz (87. Schneider), Zeitler (90. Keil), Kettler,
Auer, Kraußold (63. Leistner), Reischmann, Ljevsic (90. Burger), Zietsch (64. Pfahlmann)
FC Coburg: Krempel - Späth (86. A. Guhling), Tranziska, Kirchner, Baur, Knie, König (72. Graß), Wieczorek, (64. L. Oikonomides), R. Guhling, Fischer (77. Künstler), F. Carl (86. Geißendörfer)
Schiedsrichter: Oliver Barnert (SC Kreuz Bayreuth)
Zuschauer: 447
Tore: 0:1 Carl (12.), 1:1 Kraußold (42.), 2:1 Ljevsic (52., Foulelfmeter), 3:1 Leistner (74.)
Rote Karte: Schmitt (43./Tätlichkeit) / -












