Erleichterung auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite: Der FC Eintracht Bamberg hat zum Rückrundenauftakt in der Fußball-Bayernliga gegen den FC Coburg zwar nicht überzeugen können, ging aber als 3:1-Sieger vom Feld - nach Rückstand und einer Roten Karte. Trotz der Niederlage können die Gäste viel Positives aus der Partie ziehen.
Partie stand auf der Kippe
Dass die Partie überhaupt hat stattfinden können, war unter der Woche zunächst unklar. Aufgrund eines Trauerfalls im Vereinsumfeld waren die Vestekicker um eine Verlegung der Partie auf einen späteren Zeitpunkt bemüht. Einem Ansinnen, dem der FC Eintracht aber nicht nachkommen konnte oder wollte. Das hatte im Vorfeld für einige Misstöne gesorgt, die sich aber auf dem Platz nicht fortsetzten. Ein umkämpftes und kartenreiches Derby, aber kein unfaires.
Punkte gab es für die Coburger, die mit Trauerflor aufliefen, zwar wieder keine, trotz der vierten Niederlage in Serie hat Calle Schiebel aber einen ganz anderen FCC als in den vergangenen Wochen gesehen, in denen es teil verheerende Niederlagen gehagelt hat. "Dass wir hier so auftreten, auswärts in Bamberg, bei der qualitativ wohl besten Mannschaft, spektakulären Fußball spielen, derart ins Pressing gehen und es durchziehen, nötigt mir einen Riesenrespekt ab", sagte der Coach der Vestekicker.
In den ersten 30 Minuten waren es vertauschte Rollen, Coburg ließ die formstarken Hausherren etliche Male alt aussehen, nach Kontern brannte es nicht nur einmal lichterloh im FCE-Strafraum. "Wir waren qualitativ nicht anwesend, hatten kein Leben. Mir ist es unerklärlich, wie wir so eine Halbzeit spielen können", sagte FCE-Coach Jan Gernlein.
Das einzig Positive: Die Coburger führten nach dem Tor von Fabian Carl (23.) lediglich mit 1:0, es hätte auch 2:0 oder 3:0 stehen können. "Die Chancenverwertung muss ich natürlich kritisieren", sagte Schiebel, "das waren nicht irgendwelche Gelegenheiten, sondern richtige Bretter, Tausendprozentige". Womöglich hätte die Partie sonst einen anderen Verlauf genommen. "Da hatten wir einfach Glück, das ist so", sagte Gernlein.
FC Eintracht: Rote Karte folgt auf Ausgleich
Je länger das Spiel aber dauerte, desto stabiler wurde der FC Eintracht - und profitierte wie bei seinem Gegentor ebenfalls von einem schweren Lapsus zwischen Torhüter und Mitspieler. Ricardo König wollte auf Keeper Luis Krempel passen, übersah aber den lauernden Paul Kraußold - 1:1 (42.). "Ohne Not, ohne Bedrängnis", ärgerte sich Schiebel, wenngleich Gernlein die Szene etwas differenzierter bewertete: "Natürlich ist das ein Fehler, aber auch erzwungen von Paul, der nachsetzt und attackiert."
Fehler waren in der ersten Halbzeit auf beiden Seiten das große Thema. Das nächste Beispiel lieferte der FCE, als sich Valentin Schmitt nur Sekunden nach Wiederanpfiff in einen Zweikampf mit Maximilian Tranziska verzettelte und sich zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Gernlein wollte da auch gar nichts relativieren. "Valle ist ein junger Kerl, es war ein Fehler und er hat sich bereits bei der Mannschaft entschuldigt. Das war nichts Brutales, aber einfach extrem unnötig. Die Rote ist in Ordnung", so Gernlein.
FC Coburg kritisiert Elfmeter-Entscheidung
Obwohl der FC Eintracht die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl bestreiten musste, sollte er schnell auf die Siegerstraße einbiegen. Nach einem Zupfer von Tranziska gegen Robin Zeitler im Strafraum entschied der Unparteiische auf Strafstoß für die Gastgeber. "Ein Witz-Elfmeter, das bisschen Halten", schimpfte Schiebel: "Wenn er hier Strafstoß gibt, muss er 20 im ganzen Spiel pfeifen." Ob Geschenk oder nicht: Luca Ljevsic verwandelte den Strafstoß zum 2:1 (52.). "Bamberg hat das dann natürlich clever gemacht, hat das Spiel wild werden lassen", so Schiebel.
Vom hohen Chancenaufkommen aus dem ersten Durchgang war nun nichts mehr sichtbar, der FCE stand tief und lauerte nur gelegentlich auf Konter, während Coburg mit Ball am Fuß die spielerischen Ideen fehlten. Nach einem Konter machte Luca Leistner schließlich den Deckel drauf zum 3:1 (84.).
"Bamberg hat aufgrund der zweiten Halbzeit und seiner Qualität verdient gewonnen, keine Frage. Aber der erste Durchgang war für uns ein Riesenschritt nach vorne, wenn man betrachtet, wie die letzten Spiele verlaufen sind. Ich kann mich nur wiederholen: Respekt an die Mannschaft. Daran müssen wir anknüpfen", so Schiebel, dessen Team am kommenden Samstag (14 Uhr) im letzten Heimspiel vor der Winterpause auf Schlusslicht SC Großschwarzenlohe trifft. Der FC Eintracht gastiert zur selben Uhrzeit beim SV Fortuna Regensburg.












