Mit dem perfekten Geburtstagsgeschenk ist es nichts geworden. Christian Trunk verbrachte seinen 43. Ehrentag mit dem TSV Burgebrach beim SC Feucht. Das Duell zweier abstiegsgefährdeter Landesligisten lockte den Teammanager und viele Fans ins Waldstadion. Doch in der 90. Minute glichen die Hausherren aus, vollendete Jannik Kiebler einen feinen Spielzug zum 1:1-Endstand.
"Es war trotzdem ein schöner Tag. Flutlicht, Freitagabend, das Feuchter Stadion: Darauf haben wir uns gefreut. Schade, dass wir die drei Punkte verpassen. Aber das war auch kein Zufallstor, der Druck wurde größer und Feucht kombiniert den Treffer einfach schön heraus", blickt Trunk zurück.
In der Tabelle verpasste der TSV einen Sprung, hätte den Rückstand zum rettenden Ufer auf einen Punkt verkürzt, wäre mit dem Sieg ins breite untere Mittelfeld vorgestoßen. Fast wichtiger ist am Rande des Steigerwalds dieser Tage eine andere Erkenntnis. "Wir sind angekommen in der Landesliga. Die Art und Weise, wie wir auftreten, wie die Mannschaft spielt: Wir sind so gewachsen, dass wir jedem Gegner Paroli bieten können", freut sich Trunk.
Landesliga Nordost: Burgebrach landet hart
Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt nicht nur der Blick in den Kader, auf die Gegebenheiten beim TSV oder dessen Historie. Die ersten Spiele der allerersten Burgebracher Saison auf Landesebene zeigten, wie schnell es dort gehen kann.
Dem 4:3-Auftaktsieg im Aufsteigerduell mit ersatzgeschwächten Röslauern folgten teils herbe Pleiten in Mögeldorf (1:5), gegen den FSV Erlangen-Bruck (3:6), in Unterreichenbach und gegen Ammerthal (je 0:3). Nach sechs Spielen gaben drei Punkte, und schon 22 Gegentore nicht für die Landesligatauglichkeit des TSV.
"Vor der Saison habe ich gesagt, dass wir keine zehn Spiele brauchen dürfen. Aber die haben wir gebraucht. Wir haben viel Lehrgeld gezahlt, was Effektivität, Zweikampfhärte und Dynamik angeht", gibt Trunk zu.
Das Team von Bernd Baier und Marcel Kutzelmann stand in der Bezirksliga Oberfranken West für individuelle Klasse vorne und kompakte Defensivarbeit hinten. "Dann spielst du zuhause gegen Ammerthal oder Bruck, siehst, was da an Speed und Dynamik vorhanden ist. Das ist beeindruckend", erklärt der Teammanager, weshalb Burgebrach zu Beginn nicht sattelfest wirkte.
Strukturen: TSV Burgebrach mit Anschauungseffekt
Kein Wunder, ist im starken Nordosten doch ein Ballungsraum mit großen Vereinen, starker Jugendarbeit und entsprechender finanzieller Ausstattung zu finden. "Du kommst nach Unterreichenbach, wo das gesamte Team vor dem Spiel auf Fahrrädern sitzt. Ammerthal fährt bei uns mit vier Trainern auf. Da siehst du erstmal den Unterschied von der Bezirks- zur Landesebene", schildert Trunk die "Wow"-Momente, die Burgebrach hinter sich hat.
In diesem Bereich müsse der Verein zulegen, so Trunk. Das betreffe auch die Organisation der Busfahrten, Videoanalyse - alles Selbstverständlichkeiten bei vielen Landesligisten im Nürnberger Raum.
Aber Burgebrach punktet mit eigenen Vorzügen. "Vom Management und der Sportanlage, dem hohen ehrenamtlichen Engagement bin ich sehr beeindruckt. Positiv muss ich auch die Fans und die neutralen Zuschauer erwähnen. Sie honorieren den Landesligafußball, sprechen den Jungs Mut zu, applaudieren auch bei Niederlagen, wenn wir alles gegeben haben. Das kenne ich aus den vergangenen Jahren, in denen wir gefühlt immer gewinnen mussten, auch anders", lobt Trunk.
Die Basis dafür ist aber die sportliche Entwicklung, die der Neuling durchgemacht hat. Obwohl mit Kapitän Daniel Baier, Johannes Bayer und nach nur vier Spielen auch Jannik Denzler drei Stützen mit schweren Knieverletzungen wegbrachen, hat der TSV sich gemausert.
"Wir hatten in den ersten zwölf Spielen quasi keine Landesligaerfahrung im Kader. Phillipp Hörnes ist jetzt zurück, das hilft uns. Es macht uns stolz, dass Jungs, die vor zwei Jahren Kreisliga spielten, jetzt gut dagegenhalten und performen. Das ist unser Weg, diesen Jungs wollen wir die Plattform bieten, Landesliga zu spielen", erklärt Trunk.
Prominente Gegner für den TSV Burgebrach
Acht Zähler holte Burgebrach aus den vergangenen sieben Partien, gewann in Lauterhofen gar mit 6:0. "Wir wären zufrieden, wenn wir vier Punkte mehr hätten. Das wäre mit etwas mehr Erfahrung auch möglich gewesen", sagt Trunk. Dass der TSV in diesen Partien nie mehr als zwei Gegentore bekam, spricht Bände.
Zumal sich im Steigerwaldstadion bislang fast nur ambitionierte Teams vorgestellt haben. Und so geht es auch weiter, denn zur Kerwa kommt am Sonntag (16 Uhr) der SC Schwabach vorbei. Am 18. Oktober bringt Jahn Forchheim die beste Offensive der Liga mit.
Es werden die nächsten Härtetests für Burgebrachs Abwehrarbeit - der Bereich, in dem sich beim TSV am meisten getan hat. "Wir hatten die beste Abwehr der Bezirksliga, aber bei uns spielen jetzt die gleichen Leute. Du musst in der Landesliga als Kollektiv verteidigen, das haben wir angepasst. Wir stehen kompakter, arbeiten entschlossener gegen den Ball, bestreiten vor allem die Zweikämpfe ganz anders. So sorgen wir auch für Umschaltmomente, die wir brauchen", erklärt Trunk.
Dafür war vonnöten, dass die Mannschaft läuferisch zulegt - auch eine Lehre des ersten Saisondrittels: "Man kann in drei Wochen nicht die Grundlagen für die Landesliga erarbeiten. Davor liefen auch noch die Aufstiegsfeierlichkeiten. Das kam erst während der ersten Saisonwochen", bestätigt der Teammanager.
Christian Trunk: "Wir wollen über dem Strich landen"
Dass sich die Arbeit lohnt, zeigen die Resultate. Aber auch die Gegner, mit denen sich Burgebrach messen darf. Denn Spaß, das unterstreicht Trunk, macht die Landesliga gewaltig. "Wir wollten in die Nordoststaffel, genießen diese Duelle. Zum Kerwaspiel kommt am Sonntag Schwabach, da erwarten wir eine große Kulisse und freien uns sehr auf den Tag."
Noch mehr als ein langes Feiertagswochenende samt Kerwa würde Christian Trunk und den TSV aber ein Sieg gegen Schwabach freuen. Sechs Punkte hat der TSV Vorsprung zu den direkten Abstiegsrängen, vier fehlenden zu Platz 14 und dem rettenden Ufer.
Genau dort will Burgebrach nach dem 34. Spieltag stehen, denn die Relegation soll unbedingt vermieden werden. "Den Modus kennen wir ja schon, mit den Hin- und Rückspielen ist es in der Relegation brutal schwer. Wir wollen über dem Strich landen, also Platz 14 oder besser. Es wäre eine Riesensache, das zu schaffen. Und wir sind überzeugt davon, dass wir das können", sagt Trunk.















