0
Leichtathletik
Europameisterin Lückenkemper: Verliebt in Bamberg
Ob am Alten Rathaus (l.), beim Gassigehen mit Dackeldame Akira am Kanal (M.) oder bei Trainingseinheiten auf der Tartanbahn des Fuchs-Park-Stadions (r.): Gina Lückenkemper ist in Bamberg heimisch geworden.
Ob am Alten Rathaus (l.), beim Gassigehen mit Dackeldame Akira am Kanal (M.) oder bei Trainingseinheiten auf der Tartanbahn des Fuchs-Park-Stadions (r.): Gina Lückenkemper ist in Bamberg heimisch geworden. // Matthias Hoch (1), Instagram/ginalueckenkemper (2)
Bamberg – Seit mehr als drei Jahren lebt, liebt und trainiert die 100-Meter-Europameisterin in Bamberg. Hier hat die Westfälin eine zweite Heimat gefunden.

Wenn Gina Lückenkemper, die gebürtige Westfälin, in gewohnt schneller Weise spricht, ist von einer fränkischen Sprachfärbung in ihrer Stimme noch nichts zu hören. Auch am Dienstagabend nicht, als sich Deutschlands beste Sprinter in einem atemberaubenden Europameisterschafts-Finale über 100 Meter im Endspurt noch die Goldmedaille gesichert, mit nur acht tausendstel Sekunden Vorsprung. So schnell wie sie oft redet, so flott läuft sie auch.

Bamberg, so sagt es die 25-Jährige danach im Siegerinterview ins ARD-Mikrofon, habe „einen ganz großen Anteil, weil ich ja in der Zeit, wenn ich in Deutschland bin, tatsächlich in Bamberg trainiere und dort mein ganzes Training absolviere. Ich glaube, dass das ganz viele Bamberger gar nicht wissen, aber wahrscheinlich wissen sie es jetzt.“

Gina Lückenkemper beim Bahntraining im Bamberger Fuchs-Park-Stadion
Gina Lückenkemper beim Bahntraining im Bamberger Fuchs-Park-Stadion // Matthias Hoch

Ihren knapp 200.000 Followern bei Instagram gewährt sie regelmäßig auch private Einblicke in ihr Leben in Bamberg: unterwegs mit Dackeldame „Akira“, beim Training oder Spaziergängen.

Bamberg ist ihr Lebensmittelpunkt, wenn sie nicht bei Wettkämpfen startet oder in Florida bei Trainer Lance Brauman weilt, nach dessen Plänen sie in Bamberg trainiert.

Bereits seit Ende 2017 ist sie regelmäßig aus ihrer westfälischen Heimat Soest nach Bamberg gependelt und hat seit Ende 2019 ihren Lebensmittelpunkt fest in die Domstadt verlegt. Der Grund: ihr Freund Stefan, ein Bamberger, die große Liebe. „Ab und zu werde ich erkannt, das ist aber eher die Seltenheit. Hier kann ich größtenteils noch inkognito unterwegs sein“, hatte Lückenkemper bereits vor zwei Jahren im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erzählt.

Als in der Corona-Phase kein Training in Hallen oder im Stadion möglich war, zog Gina Lückenkemper ihren mit Gewichten beschwerten Metallschlitten auf einer kleinen Grünflache am Kanal in Bamberg entlang.
Als in der Corona-Phase kein Training in Hallen oder im Stadion möglich war, zog Gina Lückenkemper ihren mit Gewichten beschwerten Metallschlitten auf einer kleinen Grünflache am Kanal in Bamberg entlang. // Instagram/ginalueckenkemper

Auf der Tartanbahn des Fuchs-Park-Stadions trainierte sie regelmäßig, bis auch die Profisportlerin die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekam. Weil das Stadion zunächst gesperrt und Hallen ebenfalls nicht zugänglich waren, blieb ihr neben dem Kraftraum in der eigenen Wohnung nur der Gang in die Natur.

Auf einem kleinen Grünstreifen am Kunigundendamm schnallte sich Lückenkemper einen mit Bändern befestigten 20 Kilogramm Metallschlitten um die Hüften und übte Starts. „Das sorgt für Aufmerksamkeit. Ich muss für einige Menschen eine echte Attraktion sein.“

Spätestens seit ihrem EM-Silber-Gewinn 2018 ist sie das Gesicht der deutschen Leichtathletik und dürfte nach dem Gold-Coup nun auch in Bamberg noch häufiger erkannt und angesprochen werden als zuvor. Die ruhigen Tage des Nichterkanntwerdens dürften jedenfalls vorbei sein.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Akira (@akira.the.mini.sausage)

Und wer weiß, vielleicht fängt sie eines Tages doch noch an, fränkisch zu reden. „Manchmal rutscht mir unbewusst ein ’a weng’ raus“, sagte sie schon 2020. Das dürfte ihr gerne noch a weng öfters passieren.

Zunächst steht aber vielleicht noch ein weiteres Goldabenteuer mit der deutschen 100-Meter-Staffel im Münchner Olympiastadion bevor. Aber nur, wenn sich die Wahl-Bambergerin bis dahin von ihrem Sturz im Ziel am Dienstag und den Folgen erholt hat.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!