Frankens Profis
Olympia: Teucherts Traum, Dorschs Verzicht
Schlüpft wieder in das Deutschland-Trikot und erfüllt sich seinen Olympia-Traum: Der Coburger Cedric Teuchert (links) vom Bundesligisten FC Union Berlin.
Schlüpft wieder in das Deutschland-Trikot und erfüllt sich seinen Olympia-Traum: Der Coburger Cedric Teuchert (links) vom Bundesligisten FC Union Berlin.
Foto: Nicolas Armer, dpa
Bamberg – Etwas Größeres als Olympia gibt es nicht. Während sich ein Franke diesen Traum erfüllt, sagt ein anderer ab – weil sein neuer Klub streikt.

Aus drei mach zwei: DFB-Trainer Stefan Kuntz hatte ursprünglich drei gebürtige Franken in den Olympia-Kader der deutschen Fußballer berufen. Der Coburger Cedric Teuchert (FC Union Berlin), der Altenkunstadter Niklas Dorsch (FC Augsburg) und der Nürnberger David Raum (TSG Hoffenheim) sollten helfen, in Tokio eine Medaille zu holen. Doch der fränkische Anteil wurde kleiner.

Der Grund: Der gerade erst vom belgischen Erstligisten KAA Gent zum FC Augsburg gewechselte Dorsch wurde vom Bundesligisten nicht freigegeben, da mit Felix Uduokhai und Marco Richter bereits zwei FCA-Profis im Olympia-Aufgebot stehen und somit fast die komplette Vorbereitung verpassen. „Durch den Vereinswechsel war ich in einer Zwickmühle. Einerseits will man das einmalige Erlebnis einer Teilnahme an den Olympischen Spielen natürlich wahrnehmen. Andererseits will ich natürlich auch so schnell wie möglich beim FCA ankommen, die Mannschaft kennenlernen und die speziellen fußballerischen Inhalte verinnerlichen“, begründete Dorsch den Verzicht in einer Vereinsmitteilung.

War beim EM-Titel mit der U21-Nationalmannschaft eine tragende Säule, bei Olympia ist Niklas Dorsch aber nicht dabei.
War beim EM-Titel mit der U21-Nationalmannschaft eine tragende Säule, bei Olympia ist Niklas Dorsch aber nicht dabei.
Foto: Marton Monus, dpa

Der Altenkunstadter weiter: „Der FCA schenkt mir mit dem Fünf-Jahresvertrag großes Vertrauen, das ich gerne von Anfang an zurückzahlen möchte. Dazu braucht es eine gemeinsame Vorbereitung mit dem Team, um zum Start der Saison bestens vorbereitet zu sein.“ Ähnlich sieht es der Augsburger Geschäftsführer Stefan Reuter. Es sei „eine besondere Situation, wenn er neu zu einem Verein kommt und die Teamkollegen und Abläufe erst noch kennenlernen muss. Da ist eine Vorbereitung mit dem Team enorm wichtig.“

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Für DFB-Trainer Stefan Kuntz, der mit der U21-Nationalmannschaft vor wenigen Wochen den zweiten Titel bei einer Europameisterschaft geholt hatte, ist das ein weiterer Rückschlag in seiner Planung für die Olympischen Spiele. Denn: Anders als der FCA haben etliche Bundesligavereine gar keine Spieler abgestellt. „Einige große Vereine wollten leider nicht so wie erhofft helfen“, hatte Kuntz zuletzt bemängelt. Wegen diverser Absagen hatte Kuntz nur 19 statt der erlaubten 22 Spieler nominiert. Nun muss er mit Niklas Dorsch auf eine tragende Säule der U21-Europameister verzichten.

Cedric Teuchert: „Einmalige Möglichkeit“

Dass es anders geht, zeigen Cedric Teuchert und der FC Union Berlin. Kuntz nominierte den Coburger – und der 24-Jährige sagte zu. „Die Möglichkeit ist einmalig. Es ist etwas ganz Besonderes, für Deutschland zu spielen und bei den Olympischen Spielen das Land zu vertreten. Ich hatte keine Überlegung abzusagen. Ich freue mich riesig und bin sehr stolz, dass ich nominiert wurde. Ich hoffe, dass wir mit einer Medaille zurückkommen“, sagte Teuchert gegenüber dem „Kicker“.

Auch Teucherts Berliner Mannschaftskollege Max Kruse fährt als einer von drei Spielern, die älter als 23 Jahre sind, mit nach Tokio. „Als Stefan Kuntz mich angerufen hat, hat er mich auch darüber informiert, dass Union einverstanden ist. So, wie ich die Verantwortlichen kennengelernt habe, legen die uns keine Steine in den Weg und freuen sich für uns, dass wir Union Berlin in der weiten Welt präsentieren dürfen“, so Teuchert weiter.

Cedric Teuchert (links) und Max Kruse jubeln über einen Treffer ihres Vereins FC Union Berlin. Beide sind in Tokio dabei.
Cedric Teuchert (links) und Max Kruse jubeln über einen Treffer ihres Vereins FC Union Berlin. Beide sind in Tokio dabei.
Foto: Uwe Anspach, dpa

Für den Coburger überwiegen die Erfahrungen, die man als Sportler und Mensch sammeln könne. „Es ist ein Riesenevent, jeder Sportler trainiert vier Jahre darauf hin. Die ganze Welt schaut drauf. Es gibt mit Sicherheit Vor- und Nachteile. Aber ich glaube, die Chance muss man nutzen.“ Zwar verpasse man die Vorbereitung mit dem Verein, dafür habe man alle drei Tage ein Spiel und sei „im vollen Spielrhythmus“.

Zudem reize Teuchert das Land Japan. Mit der Jugend seines Ex-Vereins 1.FC Nürnberg hatte Teuchert einst ein Turnier im Land der aufgehenden Sonne. „Japan ist ein sehr schönes Land, ein sehr nettes Land, ein sehr interessantes Land. Aber jetzt sind wir da, um Medaillen mit nach Hause zu bringen.“ Cedric Teuchert will seinen Teil dazu beitragen.

Erik Shuranov für Deutschland

Im deutschen Olympia-Kader steht Erik Shuranov nicht. In drei Jahren bei den Olympischen Spielen in Paris könnte der 19-jährige Stürmer des Zweitligisten 1.FC Nürnberg aber dabei sein. Denn: Der gebürtige Bamberger geht künftig für die Nachwuchsmannschaften des DFB auf Torejagd. „Ich habe mich nun für die deutsche Jugendnationalmannschaft entschieden. Was später kommt, weiß ich noch nicht. Ich will mich einfach ausprobieren und sehen, was für meine Entwicklung am besten ist“, sagte Shuranov gegenüber der „Bild“.

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Shuranovs Eltern stammen aus der Ukraine, für die er bislang in der U17 und U18 fünf Mal zum Einsatz kam. Nun klopfte der DFB beim Nürnberger Senkrechtstarter der vergangenen Saison an – und diese Anfrage wollte das Sturm-Juwel nicht ablehnen. Ob Shuranov eines Tages wirklich für Deutschland aufläuft, steht damit aber nicht fest. Nach FIFA-Regularien ist man erst auf eine Nation festgelegt, wenn man zum ersten Mal in einem Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft aufgelaufen ist.

Marius Wolf: Zukunft beim BVB offen

Ob Marius Wolf noch einmal für Borussia Dortmund auflaufen wird, ist offen. Nach seiner Leihe zum 1.FC Köln kehrt der in Einberg (Landkreis Coburg) aufgewachsene Wolf zum BVB zurück. Unter dem neuen Trainer Marco Rose wollte sich der 26-Jährige, der maßgeblich am Kölner Klassenerhalt über die Relegation beteiligt war, für eine Zukunft im schwaz-gelben Trikot empfehlen. Doch die ist fraglich.

Nach Informationen von „Sport 1“ sei der BVB bereit, den Einberger, der pro Jahr fünf Millionen Euro verdienen soll, für eine Ablöse von rund 2,5 Millionen Euro abzugeben. Loses Interesse soll es aus der englischen Premier League geben. Wolfs Problem: Dortmund hat auf der rechten Seite ein Überangebot – trotz des Karriereendes von Routinier Lukasz Piszczek.

Bleibt er oder geht er? Die Zukunft von Marius Wolf (links) bei Borussia Dortmund ist auch unter dem neuen Trainer Marco Rose (rechts) offen.
Bleibt er oder geht er? Die Zukunft von Marius Wolf (links) bei Borussia Dortmund ist auch unter dem neuen Trainer Marco Rose (rechts) offen.
Foto: David Inderlied, dpa

Zwar zeigten Felix Passlack und Thomas Meunier wacklige Auftritte, aber bei der EM weckte der Belgier Meunier mit starken Leistungen Erwartungen an eine bessere Leistung als in der vergangenen Saison. Und auch der deutsche Nationalspieler Emre Can kann die Position rechts hinten spielen.

Wolfs Hoffnung: Der stärkste Dortmunder Rechtsverteidiger, Mateu Morey, wird nach seiner schweren Knieverletzung bis zum Saisonstart ausfallen. Solange Morey fehlt und Meunier nach der EM im Urlaub weilt, möchte sich der Einberger bei Rose aufdrängen und als Option für die Startelf empfehlen. Ob der Verein ähnliche Planspiele hat, ist allerdings fraglich.

Julian Gressel: Play-offs in Reichweite

Während sich die Profis in Deutschland und in den europäischen Ligen auf die neue Saison vorbereiten, ist die Runde in den USA in vollem Gange. Mit dabei: Der im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch geborene Julian Gressel. Nach zwölf Spieltagen belegen Gressel und D.C. United den neunten Platz in der Eastern Conference.

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Tabellenplatz 7, der noch zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt, ist aber nur einen Punkt entfernt. Zuletzt feierten Gressel & Co. einen 7:1-Kantersieg gegen Schlusslicht Toronto FC. Gressel stand in der Startelf, sah nach 57 Minuten die gelbe Karte und wurde fünf Minuten später durch José Antonio Alfaro Vázquez ersetzt.

Stephan Schröck: Erfolglos in der „Champions League“

Ebenfalls mitten in der Saison ist der Schweinfurter Stephan Schröck. Der 34-Jährige spielt für United City FC in der philippinischen Heimat seiner Mutter. Dort läuft derzeit die AFC Champions League – für Schröck & Co. ohne Erfolg. In sechs Spielen holte United City FC nur ein Unentschieden und einen Sieg.

Nachdem das Team am vergangenen Donnerstag mit dem 3:2 über BJ Guoan den ersten Sieg geholt hatte, setzte es am Sonntag eine 0:4-Niederlage gegen Dagu FC. In beiden Spielen stand der Unterfranke in der Startaufstellung.

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