Gegensätze prägten einen interessanten Diskussionsabend im Bamberger Schwimmverein vor wenigen Tagen: etwa die medaillenlosen deutschen Leichtathleten bei der WM im Vergleich zu den Sensationsweltmeistern im Basketball. Bewegungsunfähige Kinder und
eine Bewerbung für Olympische Spiele. Und das Ehrenamt im Vergleich zur Spitzensportförderung in Deutschland.
Das alles waren Themen, die rund 20 Sportinteressierte mit vier kompetenten Männern auf dem Podium besprachen. Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz (Strullendorf) hatte seinen SPD-Genossen aus Berlin, Frank Ullrich (Suhl), mitgebracht. Der 65-jährige erfolgreiche Biathlet stieg nach zehn Teilnahmen an Olympischen Spielen als Sportler wie als Trainer erst vor vier Jahren in die Politik ein. Als Suhler Stadtrat kandidierte er 2021 für den Bundestag, ließ in seinem Wahlkreis Hans-Georg Maaßen hinter sich und wurde mit seinem Direktmandat anschließend im Sportausschuss gleich zum Vorsitzenden gewählt.
Mit ihm diskutierten der BLSV-Vorsitzende für den Kreis Bamberg, Carsten Joneitis (Oberhaid), sowie Sport-Manager und -Funktionär Wolfgang Heyder (Litzendorf). Ullrich beackerte in seinem Vortrag zunächst die vielen Aspekte des Sports und die Maßnahmen, die der Sportausschuss anstößt und bis Ende 2025 in Gesetze gegossen haben will. Darüber wurde anschließend leidenschaftlich diskutiert.
Schul- und Vereinssport
Joneitis plädierte vehement dafür, dass in den Grundschulen wieder die dritte Sportstunde eingeführt wird. „Da die Kinder durch die Ganztagesschule meist erst um 16 Uhr nach Hause kommen, müssen wir die Vereine in den Schulalltag einbinden“, meinte der Oberhaider Bürgermeister. „Dafür fehlen die Übungsleiter“, fügte Heyder hinzu, der sich eine Mischfinanzierung zwischen Vereinen und den Schulen wünsche.
Dabei, so berichtet der Basketball-Funktionär, habe er aber beim Kultusminister in München kein positives Echo erhalten. Heyders Credo lautete: „Schule und Verein müssen institutionell vernetzt werden, damit die Kinder nach der Schule um 16 Uhr auch schon ihr Sporttraining bekommen haben.“
Allenthalben wurde die Bürokratie beklagt, dass Sportstätten und Schulhallen an Nachmittagen oder in den Ferien nicht zur Verfügung stehen. Joneitis forderte eine gebührenfreie Nutzung der Sportstätten für Vereine.
Breitensport und Ehrenamt
„Ohne Breitensport kein Spitzensport“, sagte Schwarz. Der Haushaltspolitiker im deutschen Bundestag nannte 600 Millionen Euro, die der Bund den Sportstätten zu Verfügung stelle, obwohl es keine originäre Aufgabe des Bundes sei. Schwarz kann sich vorstellen, Ehrenamtler bei ihren Verwaltungsaufgaben durch Hauptamtliche zu unterstützen und entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. „Dabei müssen Bund und Länder zusammenarbeiten“, so der MdB, der sich als „Haushälter“ dafür mehr Geld wünscht. Wertschätzung und Anerkennung der Trainer, Vereinsfunktionäre – grundsätzlich für alle Ehrenamtlichen, ob es in der Kultur, im Sport oder bei der Feuerwehr ist – wünschten sich die Podiumsgäste durch die Bank. „Sehr oft wird vergessen, den Übungsleitern vor Ort mal Danke zu sagen“, so Joneitis. „Das weltweit einzigartige Ehrenamt in Deutschland und damit die Kompetenz muss erhalten bleiben“, forderte Heyder.
Spitzensport:
Die oft durch die Medien geisternde Potenzial-Analyse (PotAS) der einzelnen Sportarten ist ein Aspekt, den der Sportausschuss des Bundestags in seiner Spitzensportreform nachjustieren wolle, führte Ullrich aus. Diese beinhaltet eine Aufhebung der Förderhöchstgrenze im Leistungssportpersonal auf Bundesebene.
Zudem will man im Bund eine Sportagentur schaffen, die die Verbände, die Forschung (IAT/FES), Stützpunkte und Kader fördern. Ullrich will diese Reform im Sportausschuss bis zum Ende der Legislaturperiode in Formen gegossen haben, damit das deutsche Sportsystem mit weniger Bürokratie leistungsfähiger wird.
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Olympische Spiele:
Mit der These, „Medaillen sind die einzig wahre Währung im Leistungssport“, will Ullrich seine Spitzensportreform ankurbeln. An dessen Ende sollen wieder Olympische Spiele in Deutschland stehen. Ob im Winter oder Sommer, in einer Region oder über ganz Deutschland verteilt, das ließ er offen. Ullrich, so gestand er, hegt aber als ehemaliger Biathlet mehr Sympathien für Winterspiele. Eine derzeit laufende Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) unter den Verbänden soll Anfang Dezember ihre Ergebnisse bezüglich einer möglichen Bewerbung vorstellen.
„Wenn man unter den Verbänden einen Konsens herstellen kann, dann denke ich, dass auch die Bevölkerung mitzieht“, glaubt Ullrich. Daneben fördere der Sportausschuss den Breitensport beispielsweise mit Vereinsschecks und Sportboxen, damit „Sportdeutschland“ nach der Corona-Pandemie wieder in Bewegung komme. Von diesem Entwicklungsplan – wie am Ende von Olympischen Spielen – soll jeder Verein profitieren. „Mit Olympischen Spielen lässt sich ganz viel klären“, beendete Ullrich den spannenden Abend.











