Eine wichtige Information vorweg: Der Autor dieser Zeilen hatte von Anfang an eine ganz besondere Beziehung zu Sturmtief „Elli“. Nicht nur, weil er in seiner Funktion als Medienschaffender tagelang mit immer neuen Wettermeldungen überflutet wurde. Vor allem aber auch, weil seine Tochter genau diesen Namen trägt und die Eltern in den letzten Tagen mit lustigen Whatsapp-Nachrichten überhäuft wurden. Tenor: Eure Elli ist also für das ganze Chaos verantwortlich …
Sturmtief „Elli“: Am besten zu Hause bleiben
Vor allem die Springer-Medien hatten in den letzten Tagen eine Menge dafür getan, das Chaos in den Köpfen der Menschen zu befeuern. Unter anderem veröffentlichte die „Bild“-Zeitung Ende der Woche die Nachricht, dass wegen des Sturmtiefs Lebensgefahr bestehe. Die Experten hatten für diese These auch eine plausible Begründung parat:
Wenn ein Mensch bei diesem Wetter ins Auto steigt (Wie kann man nur?) und der Motor irgendwann seinen Geist aufgibt, könnten die Insassen in dem Pkw erfrieren, weil es schnell ziemlich kalt wird und zudem zu lange dauert, bis sich ein Rettungswagen durch die mit Schneeverwehungen und Orkanböen geplagte Landschaft gekämpft hat.
Die Schlussfolgerung: Am besten zu Hause bleiben und sich bloß nicht bewegen. Schon gar nicht mit dem Auto! Und vorher die Hamsterkäufe nicht vergessen ...
Sturmtief „Elli“: Lkw fährt sich fest
Der ebenfalls beim Springer-Konzern beheimatete Fernsehsender der „Welt“ wollte den Weltuntergang natürlich auch nicht umkommentiert lassen. In einer eilig einberufenen Redaktionskonferenz wurden die eisenbereiften Reporter mit einer Mütze, Handschuhen und Skijacke ausgestattet und ins Verderben geschickt. Live-Bilder direkt von der Wetter-Front sozusagen.
Ein „Welt“-Reporter wurde im hohen Norden dann auch direkt fündig. An einer Bundesstraße stehend, lieferte er den geschockten Zuschauern Livebilder vom apokalyptischen Wetterchaos. „Elli“, so der O-Ton des Reporters, hatte hier so schlimm gewütet, dass sich im Hintergrund ein Lkw festgefahren hatte. Und das auf gerader Strecke! Dumm nur, dass besagter Lkw an einer Linksabbiegerspur lediglich auf das Grünsignal der Ampel wartete und noch während der Live-Schalte losfuhr ...
In Thüringen ist die Welt noch in Ordnung
Ich gebe zu: Auch ich habe die letzten Tage häufiger die Wetter-Apps angeklickt. Vor allem am Samstag, als eine Familienfeier im südthüringischen Suhl geplant war. Ein Ort, der mitten im Thüringer Wald liegt. Da kann es ja nur drunter und drüber gehen.
Vor Ort wurde mir schlagartig bewusst, wie sehr viele von uns den Bezug zum Winter verloren haben. Die Menschen in Suhl waren nämlich die Lässigkeit in Person. Und das, obwohl in der Stadt nicht einmal die wichtigste Hauptverkehrsstraße geräumt war.
„Ist doch nur Winter“
Auf meine Frage, warum die Suhlerinnen und Suhler so entspannt mit Sturmtief „Elli“ umgehen und ganz normal Autofahren, erntete ich nur Schulterzucken und den Satz: „Ist doch nur Winter.“
Und ja: Wenn wir etwas gelernt haben sollten in den letzten Tagen, dann ist es die Erkenntnis: Sturmtief „Elli“ hat uns allen den Winter zurückgebracht. Eine Jahreszeit, die fast schon in Vergessenheit geraten war.
Elli hat sich dann übrigens auch noch zu Wort gemeldet. „Papa, lass uns raus in den Schnee gehen“, forderte mich meine Tochter in den letzten Tagen trotz frostiger Temperaturen immer wieder auf. Nichts lieber als das.











