Auf besonders vieles können sich Peter Neller und Gerhard Seitz derzeit nicht einigen. In etwas sind der kommissarische Vorsitzende der CSU-Fraktion und sein Vorgänger sowie amtierender Kreisvorsitzende dann aber doch einer Auffassung. Wenn im Frühjahr 2026 die Stelle des Bamberger Oberbürgermeisters (m/w/d) neu besetzt wird, dann kommt für Neller und Seitz nur ein einziger Name infrage. Er lautet Melanie Huml.
Nur, ob das Huml genauso sieht, das wissen nicht einmal Neller und Seitz. Beide antworten auf diese Frage dem Sinn nach identisch: Wir würden es uns wünschen. Aber wir wissen es nicht.
Der kommissarische Fraktionschef Peter Neller spricht von einem deutlichen Zeichen an Huml
Schon länger hält sich die Lesart, dass Huml auch ihre Zweifel am parteiinternen Rückhalt zögern lassen. Mehrere Mitglieder der CSU-Fraktion bestätigen dies. Demnach habe Huml ihre Zweifel an der Unterstützung der Fraktion bereits mehrmals offen artikuliert. In der Fraktion muss daraus die Überzeugung erwachsen sein, etwas gegen den bei Huml offensichtlich vorherrschenden Eindruck tun zu müssen.
Einstimmig sprach sich die elfköpfige Fraktion deshalb jetzt dafür aus, Huml als Kandidatin zu unterstützen. Neller spricht von einem „starken Zeichen“, über das er Huml inzwischen auch persönlich unterrichtet habe. Huml habe sich über die Nachricht gefreut, so viel sei sicher. Weitere Ableitungen darüber, ob und gegebenenfalls wie die Nachricht Humls weiteres Verhalten beeinflusse, erlaube er sich nicht.
Wie es aus Kreisen der Fraktion heißt, verband man mit der demonstrativen Rückdeckung zwei Ziele: Erstens den Entscheidungsprozess Humls zu beschleunigen und zweitens die Erzählung von der unsolidarischen Fraktion auszulöschen. Man kann dies so verstehen. Falls Huml doch nicht antreten sollte, möchte die Fraktion nur ungern die Verantwortung dafür zugeschoben bekommen.
Anlass zur Hektik sieht Neller trotzdem nicht. Huml sei bekannt in Bamberg, sie müsse sich den Wählerinnern und Wählern nicht erst vorstellen und erklären. Gleichzeitig sagt Neller: „Natürlich brauchen wir irgendwann mal eine Entscheidung.“ Auch bei der CSU-Feier am Abend der Bundestagswahl ließ sich Huml nicht in die Karten blicken. „Es ist noch Zeit. Das entscheiden wir nicht heute Abend“, sagte sie damals im Gespräch mit dem Fränkischen Tag.
Kurz zuvor hatte Kreisvorsitzender Seitz seinen beinahe euphorischen Ausblick auf die Kommunalwahlen in der Begrüßung der „lieben Melanie“ enden lassen. Das kann Zufall gewesen sein. Oder ein Wink mit dem Zaunpfahl.
SPD-Fraktionschef Heinz Kuntke rechnet mit einer Kandidatur von Huml
Die politische Konkurrenz ist womöglich schon einen Schritt weiter. Sie behandelt Huml bereits als Akteurin der Bamberger Stadtpolitik. Das lässt sich einem offenen Brief ablesen, den unter anderem SPD, Grünen, Freie Wähler und Volt aufgesetzt haben. Darin kritisierten sie den Umgang von Seitz mit den umstrittenen Forderungen der BuB-Fraktion zur Zukunft des Ankerzentrums.
Adressiert war der offene Brief allerdings nicht nur an Seitz, sondern auch an Huml. Nach Informationen des Fränkischen Tag hat Huml als Reaktion darauf sowohl Vertreter der BuB als auch der unterzeichnenden Parteien zu einem Treffen eingeladen. SPD-Fraktionschef Heinz Kuntke und sein Grünen-Kollege Christian Hader bestätigen dies auf Anfrage. Humls Einladung wertet Kuntke als Indiz, dass sie eine Kandidatur doch ins Auge fasst: „Ansonsten hätte sie die Angelegenheit ja Seitz überlassen können.“
Von diesen Wahlkampfthemen geht CSU-Mann Peter Neller aus
Das letzte Wort über die CSU-Kandidatur liegt bei den CSU-Parteimitgliedern. Sie bestimmen selbst, wen sie ins Rennen um das Bamberger Rathaus schicken. Trotzdem gilt es auch für Neller als ausgemacht, dass kein anderer als Huml infrage käme. Huml genieße hohe Sympathiewerte in der Bevölkerung, fachlich sei sie als ehemalige Staatsministerin der Aufgabe einer Oberbürgermeisterin gewachsen.
Aus Sicht von Neller wird die OB-Wahl insbesondere an sozialpolitischen Fragen entschieden werden. Der Wahlkampf werde sich um die Pflege drehen und um die Versorgung mit Supermärkten, mit Apotheken, Ärzten, Schulen. Ein auf diese Themen zugeschnittener Wahlkampf, so Neller, könnte für die ehemalige Staatsministerin Huml für Gesundheit und Pflege wie gemalt sein.
Eine von der CSU in Auftrag gegebene Umfrage sieht Melanie Huml vorne
Ob die wahlberechtigten Bambergerinnen und Bamberger das genauso sehen, ist ein gutes Jahr vor der Wahl naturgemäß unklar. Eine von der CSU-Fraktion in Auftrag gegebene und anschließend Ende 2024 in einem Anzeigenblatt veröffentlichte Umfrage sah Huml bei 29 Prozent. Hinter ihr landeten Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) und Sebastian Niedermaier mit 24 respektive 19 Prozent auf den Plätzen.
Das ist eine befriedigende Ausgangslage, mehr aber auch nicht. Zumal die Zahlen kaum Rückschlüsse erlauben auf die Aussichten in einer wahrscheinlichen Stichwahl.
Bei der SPD steht Sebastian Niedermaier kurz vor der Kandidatur
Zur Wahrheit gehört zudem, dass Glüsenkamp zwar beharrlich Ambitionen nachgesagt werden. Verbindlich erklärt hat aber auch er sich noch nicht. Auf Anfrage des Fränkischen Tag antwortet Glüsenkamp, dass die Stadt und ihre Menschen Besseres verdient hätten als zwölf Monate Dauerwahlkampf. Es genüge, so Glüsenkamp, „wenn wir ein knappes halbes Jahr lang einen Wettstreit um die besten Ideen und Kandidaten führen.“
Bedeutend weiter fortgeschritten sind dagegen die Planungen bei der SPD. „Der Kreisvorstand hat inzwischen einen Vorschlag gemacht“, sagt Kreisvorsitzender Olaf Seifert. Anfang April werde eine Delegiertenversammlung final entscheiden. Anschließend stehe fest, wer für die SPD das Rathaus gewinnen soll.
Seifert sieht keinen Grund, bis dahin noch ein Geheimnis um den Namen zu machen. „Wir haben uns für Sebastian Niedermaier ausgesprochen.“ Natürlich weiß auch Seifert, dass es nicht darum geht, einen Kandidaten vor allen Parteien zu nominieren. Es kann allein darum gehen, den besten zu nominieren.













