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Cannabis-Legalisierung
Bamberger Gärtner gründet Hanf-Anbauverein
Cannabis-Legalisierung: Bamberger Anbauclubs stehen in den Startlöchern
Cannabis-Legalisierung: Bamberger Gärtner Kris Emmerling gründet einen Anbau-Club // Foto: Markus Klein
Cannabis-Legalisierung
Bamberg – Auch in Frensdorf gibt es einen Cannabis-Social-Club. Die Bamberger Landtagsabgeordnete Melanie Huml und die Staatsanwaltschaft sehen die Legalisierung weiter kritisch. Werden Polizei und Justiz nun entlastet?

Der 40 Jahre alte Bamberger Gärtner Kris Emmerling hat am 22. März zum ersten Mal eine Bundesratsdebatte mitverfolgt. Auch der Frensdorfer Johannes Lechner sah gebannt zu. Gottfried Hofmann, Vorsitzender der Bamberger Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbands (DHV), saß ebenfalls vor dem Bildschirm. Damit waren die drei alles andere als alleine: Zeitweise verfolgten an jenem Tag über 140.000 Menschen live den Tagesordnungspunkt "Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis" auf der Bundesrats-Homepage. Sonst sind es maximal 3000 Zuschauer.

Weitere 30.000 Menschen klickten sich über den YouTube-Kanal des Bundesrats ein - der sonst selten mehr als dreistellige Zuschauerzahlen aufweist. Das Ergebnis: Das Cannabisgesetz (CanG) ist beschlossen und tritt am 1. April in Kraft. Damit sind Cannabisanbau und -konsum legal - unter einigen Vorgaben. Selten hat die Billigung eines neuen Gesetzes durch den Bundesrat wohl auch so viele unterschiedliche, heftige Emotionen ausgelöst.

Melanie Huml und Bamberger Staatsanwaltschaft warnen vor Cannabis

Bei der Bamberger CSU-Landtagsabgeordneten Melanie Huml dürfte sich die Stirn mit Sorgenfalten durchzogen haben. Jedenfalls warnt Huml in einer Pressemitteilung kurz nach der Debatte: Cannabis sei kein harmloses Gewächs, sondern eine Droge mit gesundheitlichen und sozialen Risiken. Sie halte die Legalisierung "als Mutter, Ärztin und Sozialpolitikerin" für falsch. Göran Hajak, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik am Michelsberg, geht davon aus, dass er nun die Bettenzahl erhöhen muss.

Auch, wenn nur ein sehr kleiner Teil der Gesellschaft gefährdet sei.  Laut Hajak führten vor allem Dauerkonsum und hohe Dosierungen in die Psychiatrie. Die Bamberger Staatsanwaltschaft betont, sie sei ständig mit den Risiken von Cannabis wie Sucht und psychischen Beeinträchtigungen konfrontiert und befürchtet nun eine Senkung der Hemmschwelle.

Cannabis-Aktivisten wie auch die Bundesregierung argumentieren hingegen, dass mit dem neuen Gesetz besserer Jugendschutz möglich sei. Auch deshalb sind im Umfeld von DHV-Vorsitzendem Gottfried Hofmann nach der jüngsten Bundesratssitzung "die einen oder anderen Freudentränen" gerollt, wie er erzählt. "Für viele, die seit Jahrzehnten dafür kämpfen, war es ein sehr emotionaler Moment - hinein in die Freiheit", erklärt Hofmann.  "Vor allem in Bayern waren mit dem Konsum extreme Repressalien verbunden, von Führerscheinentzug bis Intimkontrollen." Er sei froh, dass dies nun endlich ein Ende habe.

Hier wird in Bamberg angebaut: Cannabis-Social-Clubs in Stadt und Landkreis stehen in den Startlöchern

Auch der Bamberger Gärtner Kris Emmerling freut sich: "Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass es ab Montag losgeht!", sagt er mit breitem Grinsen. Emmerling gründet gerade einen Cannabis-Social-Club (CSC) in Bamberg. Das sind Vereine, die nach dem neuen Gesetz Cannabispflanzen anbauen und die Ernte an ihre Mitglieder abgeben dürfen. Jeweils höchstens 50 Gramm pro Monat. Außerhalb der eigenen vier Wände dürfen dann maximal 25 Gramm mitgeführt werden. Ab Ostermontag darf in Bamberg gekifft werden - in der Fußgängerzone allerdings nicht zwischen 7 und 20 Uhr und auch nicht in der Nähe von Schulen und Spielplätzen. Doch neben den CSCs gibt es zunächst nur eine weitere Möglichkeit für Konsumenten, die Rauschdroge auch legal zu erwerben: Selbst anbauen. Erlaubt sind pro Person drei weibliche blühende Pflanzen, es gelten die genannten Höchstmengen für den Besitz. 

Kurse und Tipps für den Eigenanbau soll es auch beim CSC von Emmerling geben, der "Hanf-Gärtnerei Bamberg" heißt.  Für den gemeinschaftlichen Vereinsanbau stünde bereits eine Fläche in Bamberg zur Verfügung. Dass sich der Verein für den Stadtrand entschieden hat, liegt vor allem am vorgeschriebenen Mindestabstand von100 Metern zu Schulen, Spielplätzen, Kitas und Sportplätzen. Die sieben Personen, die für eine Vereinsgründung nötig sind, hätten sich bereits zusammengefunden. Und etwa 100 Menschen warteten darauf, Mitglieder zu werden. Wer sich dafür interessiert, kann sich per E-Mail an info@hanf-gärtnerei.de wenden. Unter den bisherigen Mitgliedern seien "Ärzte dabei, Handwerker... ein Querschnitt der Gesellschaft", sagt Emmerling. 

Das Gleiche erzählt auch Johannes Lechner aus Frensdorf. Er ist schon einen Schritt weiter: Der Verein "CSC-Bamberg" ist bereits gegründet und eingetragen. "Aktuell haben wir 250 Mitglieder, und es werden täglich mehr", sagt Lechner. Darunter seien alle Altersklassen und Berufsfelder - etwa auch ein Bauingenieur, der bereits seine Hilfe beim Aufbau der Anbau-Technik angeboten habe. Interessierte können sich über das Kontaktformular auf der Homepage über eine Mitgliedschaft informieren.

Sobald es möglich ist, will der Verein mit Sitz in Bamberg auf einer derzeit nicht genutzten Agrarfläche im Frensdorfer Ortsteil Vorra mit dem Aussähen der ersten Samen beginnen. Zunächst auf geschätzt 100 Quadratmetern in geschlossenen Räumen und 200 bis 300 Quadratmetern draußen.

Wann ist erste Cannabis-Ernte in Region Bamberg zu erwarten?

Wann ist die erste Ernte zu erwarten? Laut Gärtner Emmerling braucht die Pflanze etwa zweieinhalb Monate vom Steckling bis zur vollen Blüte. Wann die Mitglieder ernten dürfen, hängt nun von der Bürokratie ab: Die Lizenzen für CSC werden erst ab Juli vergeben. Emmerling befürchtet, dass in Bayern die maximal drei Monate Bearbeitungszeit voll ausgeschöpft würden. "Dann wird es eher Winter." Lechner ist optimistischer: "Da wir bereits ein eingetragener Verein sind und alle Auflagen erfüllen, gehe ich davon aus, dass wir Anfang Juli starten und im Herbst ernten können." 

Die Auflagen für die Gründung eines solchen Clubs sind sehr hoch.  Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bereits öffentlich verkündet, die Regeln "extremst restriktiv" anwenden zu wollen. Es ist also davon auszugehen, dass die Clubs sehr streng kontrolliert werden. Warum haben sich Emmerling und Lechner trotzdem für die Gründung entschieden?

"Ich will Aufklärungsarbeit leisten", sagt Lechner. Cannabis werde oft verteufelt, "die Faktenlage ist aber meistens ganz anders." So zeigten etwa Studien, dass der Schwarzmarkt in Kanada nach der Legalisierung massiv zurückgegangen sei. "Das nimmt der organisierten Kriminalität ihr täglich Brot", so Lechner. Zudem sei in Deutschland der Konsum in den vergangenen Jahren trotz Illegalität stetig gestiegen. Der illegale Stoff sei aber häufig mit gefährlichen chemischen Substanzen gestreckt. Saubere Produkte und Aufklärung kämen der Gesellschaft und dem Jugendschutz zugute.

Eine der Auflagen für Cannabis-Clubs ist es, einen Jugendschutzbeauftragten zu bestimmen. Das halten beide Vereinsgründer für richtig und wichtig. Außerdem reizt den Gärtner Emmerling der Anbau der "Nutz- und Heilpflanze", wie er sagt. Erste Erfahrungen habe er bereits in der Schweiz beim Anbau von legalem CBD-Hanf machen dürfen. So ändere sich etwa je nach Sorte und Zusammensetzung der Erde der Geschmack. "Die Pflanze ist auch sehr genügsam auf dem Feld. Sie braucht wenig Wasser, ist klimarobust, und sie ist ein Pfahlwurzler, bereitet also die Erde gut auf."

Cannabisgesetz: Kommt der soziale Aspekt zu kurz?

Was Emmerling, Lechner und Hanfverband-Vorsitzender Hofmann trotz aller Freude unter anderem am Gesetz bedauern: In den CSC darf nicht geraucht werden. Streng ausgelegt, dürfe man nicht einmal teilen. "Dabei ist das Herumreichen des Joints, das Gemeinschaftliche, ein Grundritual beim Cannabiskonsum", sagt Hofmann. Problematischer Konsum ließe sich außerdem unter Freunden und Bekannten eher erkennen und ansprechen, als wenn die Menschen alleine im Zimmer konsumierten. 

Zudem hoffen die Cannabis-Enthusiasten, dass sich noch etwas am Recht im Straßenverkehr ändert: Der aktuelle Grenzwert bei einer Verkehrskontrolle liegt so gering, dass er teils noch mehrere Tage nach dem Konsum überschritten wird. Dass es nun wohl grundsätzlich mehr Verkehrskontrollen geben wird, findet etwa Emmerling aber richtig: "Wer kifft oder trinkt, gehört nicht hinters Steuer!"

Haben Polizei und Staatsanwaltschaft nun weniger zu tun - oder mehr?

Insgesamt gehen Emmerling wie auch die Bundesregierung davon aus, dass Polizei und Staatsanwaltschaft durch die Legalisierung nun weniger Arbeit hätten. Die Bamberger Behörden sind in diesem Punkt noch skeptisch. Im Hinblick auf Delikte mit "geringen Mengen", die bisher strafrechtlich verfolgt wurden, könne zwar ein Rückgang prognostiziert werden, so Florian Mayer, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Eine Gesetzesänderung sei aber prinzipiell eine große Herausforderung für den Polizei-Alltag. Eine richtungsweisende Prognose ließe sich deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht treffen. Die Bamberger Staatsanwaltschaft habe zunächst Mehrarbeit gehabt: Bereits im Vorfeld hätten rund 500 Verfahren überprüft werden müssen, darunter auch mögliche Haftentlassungen durch die geänderte Gesetzeslage.  Kurz- und mittelfristig sieht Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann keine Entlastung. 

Hinweis: Cannabis kann süchtig machen und zu psychischen Krankheiten führen. Wer Hilfe sucht, findet hier verschiedene Ansprechpartner und Beratungsmöglichkeiten im Raum Bamberg.

 

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