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Explosionsgefahr rund um Muna
Granaten entdeckt: Stadt Bamberg sperrt Hauptsmoorwald
Muna-Gelände in Bamberg am Rande des Hauptsmoorwaldes
Muna-Gelände in Bamberg am Rande des Hauptsmoorwaldes // Foto: Sebastian Schanz
Bamberg – Alte Granaten lauern nur knapp unter der Erdoberfläche: Neueste Untersuchungen zeigen Explosionsgefahr rund um die Muna. Die Stadt reagiert. Im halben Hauptsmoorwald heißt es nun: Betreten verboten!

Im Hauptsmoorwald rund um die ehemalige Heeresmunitionsanstalt „Muna“ lauern alte Granaten. Oberbürgermeister Andreas Starke spricht von einer „erheblichen Gefahr für Leben und Gesundheit“. Die Stadt will deshalb noch an diesem Dienstag, 22. Oktober, ein Betretungsverbot für weite Flächen des Hauptsmoorwaldes aussprechen. Wer das Gebiet trotzdem betritt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld bis zu 1000 Euro. 

„Die Kampfmittelbelastung ist weit gravierender als bisher angenommen“, bringt es OB Starke auf den Punkt. 

Seit Jahren bemüht sich die Stadt, das Muna-Gelände im Besitz des Bundes zu kaufen. Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sind weit gediehen. Es gehe nur noch um Details im Kaufvertrag, berichtet Matthias Bauer, Abteilungsleiter für städtische Liegenschaften. Nun wird das Vorhaben noch einmal nach hinten geworfen. 

Hauptsmoorwald rund um die ehemalige Heeresmunitionsanstalt Muna in Bamberg
Hauptsmoorwald rund um die ehemalige Heeresmunitionsanstalt Muna in Bamberg // Foto: Sebastian Schanz

Denn im Vorfeld des Kaufs hat die Bima Ingenieure damit beauftragt, zu untersuchen, wie viele alte Sprengkörper noch auf dem ehemaligen Militärgelände verstreut liegen. „Die ersten Ergebnisse sind überraschend“, sagt Starke. Die Belastung ist weit größer als gedacht. 

Das neue Wissen lasse der Stadt keine andere Wahl. „Das führt dazu, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen, um die Sicherheit zu garantieren. Das Wohl der Bürger steht an erster Stelle“, betont der Oberbürgermeister. 

Bamberger Hauptsmoorwald wird zum Sperrbezirk

Konkret bedeutet das: Für weite Teile des Hauptsmoorwaldes ist das Betreten nun verboten. Die Munitionsanstalt selbst ist ohnehin eingezäunt. Stacheldraht und Maschendrahtzaun sichern die ehemaligen Militärflächen. Hier kommt ohnehin niemand einfach so hinein. 

Neu ist, dass auch rund um das Muna-Areal eine Sperrzone eingerichtet wird. Die Gefahrenzone erstreckt sich vom Gewerbegebiet Gutenbergstraße bis zur Autobahn, von der B22 bis knapp hinter die Geisfelder Straße. Auch Flächen außerhalb des Bamberger Herrschaftsgebietes sind betroffen, der Landkreis ist zuständig und bereits informiert. 

Sperrzone im Bamberger Hauptsmoorwald
Sperrzone im Bamberger Hauptsmoorwald // Foto: Stadt Bamberg

Geisfelder Straße bleibt befahrbar und begehbar

Wichtig: Die Geisfelder Straße ist vom Betretungsverbot ausgenommen – sie gilt als sicher. Abseits der Straße jedoch darf man künftig nicht mehr spazieren gehen. Verbotsschilder sollen Pilzsammler und Wanderer künftig abhalten, die Wege in den Wald zu betreten. Jogging-Routen zum Sendelbach sind damit tabu. 

Die Gutachter lassen laut Stadt keinen Zweifel: „Auf nahezu allen untersuchten Testfeldern wurden laut Mitteilung des Ingenieurbüros bezünderte und unbezünderte Granaten sowie Teile gesprengter Granaten innerhalb der ersten zehn Zentimeter unter der Oberfläche gefunden.“ Das bedeutet, theoretisch könnten die alten Sprengkörper hochgehen, wenn man auf sie tritt, erklärt der Referent für Sicherheit und Ordnung, Christian Hinterstein.

Zwei große Explosionen sorgten für Granatenhagel 

Ursachen für die Kontaminierung sind zwei große Explosionen in der Geschichte der Munitionsanstalt. „Die erste Explosion traf das Munitionshaus MH54 und mehrere Munitionsstapel kurz vor Kriegsende im April 1945“, berichtet Hinterstein. „Dabei wurden Spreng-, Panzer- und Hohlladungsgranaten und deren Komponenten, die von der deutschen Wehrmacht verwendet wurden, großflächig auf dem Gelände verteilt.“ Die zweite Explosion ereignete sich demnach im September 1946 im Munitionshaus MH72 und verstreute US-Gewehrgranaten über eine größere Fläche. 

Das Gebiet der Bamberger Muna ist 140 Hektar groß und bildet den südwestlichen Teil des Hauptsmoorwaldes.
Das Gebiet der Bamberger Muna ist 140 Hektar groß und bildet den südwestlichen Teil des Hauptsmoorwaldes. // Foto: Ronald Rinklef

„Praktisch die gesamte Liegenschaft ist damit gemäß Baufachlicher Richtlinie Kampfmittelräumung in die Kategorie 4 einzuordnen.“ Das heißt: Es besteht eine akute Gefahr. Am Dienstag, 22. Oktober, soll der Konversionssenat des Stadtrates das Betretungsverbot aussprechen, der Stadtrat soll die Regelung im November Schwarz auf Weiß festlegen.

Verliert Bamberg also für immer eine Naherholungsfläche?

Hinterstein macht klar, dass es unverhältnismäßig wäre, die Kampfmittel im ganzen Wald zu räumen. Nicht nur, weil es sehr teuer wäre, sondern auch, weil dafür der Wald „großflächig gerodet“ werden müsste. Allerdings will die Stadt untersuchen, ob es möglich wäre, die Waldwege zu sichern. Das würde bedeuten: Wandern auf den Wegen soll irgendwann wieder möglich werden. Das Verlassen der Wege wäre verboten. Doch noch ist es lange nicht so weit. 

Stadt will die Flächen weiterhin kaufen 

Klar ist: Die Granaten drücken den Kaufpreis. Das muss in den Verhandlungen zwischen Bund und Stadt nun berücksichtigt werden. 

Das Ringen um den Hauptsmoorwald geht damit in eine neue Runde. 2018 hat der Streit Oberbürgermeister Andreas Starke viel von seiner Beliebtheit gekostet. Der Politfuchs hat normalerweise stets ein feines Näschen für die Stimmung in der Bevölkerung. 2018 aber hatte er ein falsches Gespür – den großen Widerstand gegen das riesige, rund 60 Hektar große, geplante Gewerbegebiet hat er unterschätzt. Ebenso die Fähigkeit der Bürgerinitiative „Rettet den Hauptsmoorwald“, breite Bevölkerungsschichten zu vernetzen. 

So kam es dann auch, dass Starke und der Stadtrat den Bürgerentscheid klar verloren. Am Ende entsorgten am 18. November 2018 75,39 Prozent der Bamberger Wähler die Pläne für das Gewerbegebiet in die Schublade. 

Erst 2021 folgte eine Art Friedensschluss. Stadt und BI einigten sich auf einen groben Rahmen, wie die Muna entwickelt werden könnte, wenn der Kauf gelingt. 

Der Plan sieht vor, vom Bund die Flächen zu kaufen und einen Großteil des Waldes unter Schutz zu stellen. 20 der rund 100 käuflichen Hektar sollten entwickelt werden. Die BI setzte außerdem durch, dass ein transparentes Beteiligungsverfahren für die Bürger Grundlage für alle Pläne liefern soll. Die Stadt wünscht sich ein „zertifiziertes, nachhaltiges Gewerbegebiet“. Die BI setzt diesem Vorhaben von Anfang an Grenzen: Mehr als 20 Hektar sollen nicht entwickelt werden“, erklärte damals BI-Sprecher Björn Scharf.

Gewerbegebiet könnte weiterhin entstehen

Die Granatenfunde bedeuten nicht das Aus für das „grüne Gewerbegebiet“, wie Starke klarmacht. „Bamberg braucht dringend Gewerbeflächen. Das rechtfertigt Anstrengungen, die Flächen herzurichten.“ Also zu reinigen.

Das bedeutet: Die Stadt muss wohl weit weniger zahlen, um die Flächen vom Bund abzukaufen. Dafür muss sie Geld in die Hand nehmen, um die Granaten zu entschärfen. Das Gewerbegebiet könnte entstehen. Die Waldflächen im Hauptsmoorwald bleiben aber wohl für lange Zeit Sperrgebiet. Ein guter Tag für die Gelbbauchunke, ein schlechter Tag für Pilzesammler. 

 

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