Wenn sich Björn Scharf an das Jahr 2018 erinnert, kann er manches noch heute kaum glauben. Im Raum stand damals ein großes Gewerbegebiet an der Geisfelder Straße. Dafür sollten bis zu 60 Hektar Wald weichen. Die Stadt Bamberg setzte große Hoffnungen auf das frühere Muna-Gelände, hier wollte man Industrie und Handwerk endlich dringend benötigten Platz bieten.
Im Stadtrat gab es nur noch von den damals längst nicht so starken Grünen Gegenwind. Doch Scharf hatte im Winter begonnen, für die Gründung einer Bürgerinitiative zu werben. „Bereits am 13. März konnten wir unter großer Beteiligung die Bürgerinitiative für den Hauptsmoorwald (BI) gründen. Ab da haben wir uns wirklich Tag und Nacht für den Erhalt des Hauptsmoorwaldes eingesetzt.“
Intensive Auseinandersetzung um Muna in Bamberg
Der nächste Schritt war ein Bürgerbegehren, für das überall in der Stadt intensiv geworben wurde. „Der Moment, als wir im Sommer 2018 vor dem Rathaus bekannt gegeben haben, dass wir statt der erforderlichen 3502 Stimmen für ein Bürgerbegehren 13.094 Stimmen sammeln konnten, bleibt mir in besonderer Erinnerung“, sagt Scharf.
Seine Hoffnung, dass die Verantwortlichen in der Stadt von ihren Plänen für das Industrie- und Gewerbegebiet ablassen würden, erfüllte sich nicht. Und so ließ es die BI auf einen Bürgerentscheid ankommen. Die Stadt Bamberg stellte dem einen Ratsentscheid entgegen, um ihr Projekt zu legitimieren.
Beide Seiten kämpften mit viel Energie, unterschiedlichen Zahlen und gelegentlich auch härteren Bandagen. Am Ende entschieden sich am 18. November 2018 aber 75,39 Prozent der Bamberger für das Bürgerbegehren. Und die Gewerbepläne waren erst einmal vom Tisch.
Veränderte Rolle für Bürgermeister Glüsenkamp
„Die Muna war für mich die ganzen Jahre immer sehr präsent“, sagt auch Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp. In seinem Büro erinnert eine Urkunde daran, dass er mit der BI „Für den Hauptsmoorwald“ damals den Naturschutzpreis verliehen bekam.
Dieser Initiative sieht sich der Bürgermeister bis heute verpflichtet. Wenige Wochen vor der Gründung war Glüsenkamp 2018 zu den Gegnern des Gewerbeparks gestoßen. „Natürlich ist meine Rolle nun eine andere. Es genügt nicht mehr, die richtige Meinung zu haben. Man muss auch Kompromisse schließen, um Mehrheiten zu bekommen.“
Zur Realpolitik gehört nun Geduld, etwa wenn es um die Ausweisung von Naturschutzflächen durch die Regierung von Oberfranken geht. Dass deutsche Behörden- und Bürokratiestrukturen für große Projekte sehr viel Vorlauf brauchen. „Die Wertermittlung ist kompliziert, was muss die Stadt bereinigen, wer die Kampfmittel beseitigen, wer baut und überwacht den Zaun“, beschreibt Glüsenkamp einige der Fragen.
Bambergs Flächen für Gewerbe sind knapp
Als Bürgermeister weiß er aber auch: „Wir müssen die knappen Gewerbeflächen bestmöglich nutzen.“ So wünscht er sich, dass in fünf Jahren nicht nur Naturflächen unter Schutz gestellt sind, sondern auch die versiegelte Fläche entwickelt ist – mit Unternehmen, die Gewerbesteuer zahlen und zukunftsfähige Arbeitsplätze bieten.
Ökologische Themen gewannen auch in den Jahren nach dem Bürgerentscheid enorm an gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Schüler demonstrierten bei Fridays for Future mit, die Grünen wurden stärkste Kraft im Bamberger Stadtrat.
Neben Glüsenkamp wurden mit Karin Einwag, Christian Hader, Stefan Kurz drei weitere BI-Mitglieder in dieses Gremium gewählt. Sie trugen mit dazu bei, dass ein Stadtratsbeschluss unter anderem die geforderten Schutzflächen auf dem Muna-Gelände bestätigte.
Im Austausch mit der Stadt Bamberg
Die Mission der BI war damit noch nicht erfüllt: „Wir haben 2019 mit der Stadtspitze vereinbart, dass wir über die Zukunft des Hauptsmoorwaldes, über Pläne zur Muna und über Fragen der Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie auf diesem Gelände in Austausch bleiben wollen. Seither treffen wir uns in unregelmäßigen Abständen, demnächst wieder Ende des Jahres“, erläutert Scharf.
„Wir fordern konsequent die Ausweisung der verschiedenen Schutzgebiete ein und setzen damit auch Grenzen für eine mögliche Entwicklungsfläche.“ Die Gespräche seien konstruktiv und auch seitens der Stadtspitze von einem Bemühen um Verständigung geprägt.
OB Starke: Kauf der Bamberger Muna rückt näher
Das wünscht sich Scharf auch für andere politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen: „Mit großer Sorge sehe ich, dass Andersdenke schnell als Idioten öffentlich diffamiert werden und immer häufiger regelrecht Hass geschürt wird.“
Seine BI habe vor fünf Jahren gezeigt, dass man in einer Auseinandersetzung auch mit kreativem Engagement und Leidenschaft, mit kontinuierlicher Gesprächsbereitschaft und Respekt sehr wohl erfolgreich sein kann.
Zum Fünfjährigen war nun kein großes Fest geplant, gesellig Revue passieren ließ man die Ereignisse des Jahres 2018 dennoch: „Wir werden auf die BI und den Hauptsmoorwald anstoßen“, kündigte Scharf an.
Und wie geht es konkret auf der Muna weiter? Hierzu hat Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) gute Nachrichten: „Jüngst wurde auf Arbeitsebene ein Durchbruch erzielt: Die wichtigsten Kriterien zur Wertermittlung konnten in einem Kompromiss erfolgreich geregelt werden.“
Das müsse jetzt mit konkreten Zahlen hinterlegt werden. Die Stadt erhält danach den Kaufvertragsentwurf, der dann geprüft wird und notariell zu beurkunden ist. Der OB ist überzeugt: „Ich bin mir jetzt sicher: Im nächsten Jahr werden wir das Eigentum erwerben und beginnen können, unser Nutzungskonzept mit Leben zu erfüllen.“


















