Um 12 Uhr am 9. Dezember 2023 haben Gössls Ernennung alle Kirchenglocken im Erzbistum von Ansbach bis Hof verkündet. Das sagen Kirchenkenner, Laien und Betroffenenbeirat für Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche zur Entscheidung des Papstes.
Landeskomitee lobt Gössl als konstruktiv und dialogfähig
Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern Joachim Unterländer begrüßte die Bestellung von Gössl. "Wir haben mit ihm bisher gute Erfahrungen gemacht. Er ist konstruktiv und dialogfähig, was in Zeiten der Synodalität sehr wichtig ist." Er sei zuversichtlich, dass der Synodale Weg, die Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche, mit Gössl weiter vorangehe. "Man kann mit ihm gut kommunizieren, der Wille zum Austausch ist da. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass Positionen von Bistumsleitung und den Laien immer deckungsgleich sind", erklärte Unterländer.
Im Synodalen Weg stimmte Gössl mal mit Reformern, mal mit Konservativen
Im Synodalen Weg stimmte Gössl bisher nach Aussage von Experten wechselhaft ab - mal im Sinne der in der Deutschen Bischofskonferenz als Reformer geltenden Bischöfe, mal im Sinne der konservativen bewahrenden Kräfte. Im März 2023 sagte er: "Wir sind als synodale Kirche noch auf dem Weg. Wir sind noch nicht fertig." Vor allem die Sichtweise auf das Thema gleichgeschlechtliche Liebe habe sich bei vielen Bischöfen im Verlauf der Gespräche beim synodalen Weg verändert. Auch bei der Frage nach der Priesterweihe von Frauen zeigte er sich gesprächsbereit. " Die Macht von Bischöfen müsse besser kontrolliert werden.
Wünsche: Wünschen uns mehr Empathie für Missbrauchsopfer
Der Vorsitzende des Betroffenenbeirats im Erzbistum Bamberg Matthias Wünsche äußerte sich skeptisch, dass Gössl nun proaktiv die Aufarbeitung und Wiedergutmachung der rund 180 Fälle von Missbrauch durch Bistumsbeschäftigte angehen werde. "Eine glückliche Begeisterung sieht anders aus", räumte der 62-jährige Pfarrer ein. "Der Vorteil ist, dass jemand kommt, der sich schon auskennt. Damit können die Arbeit und die Gespräche mit dem Betroffenenbeirat weitergehen." Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Bamberg wünschten sich von Gössl "etwas mehr Empathie".
Betroffenenbeirat: Wünschen uns Sitz im ständigen Arbeitsstab
Bisher sei bei Gössl "die Haltung vorherrschend gewesen, nicht zuständig zu sein und dass Fälle nicht einschlägig und nicht beweisbar" seien, kritisiert Wünsche. Zur Mitsprache und zur Stellung des Betroffenenbeirats in der Erzdiözese Bamberg gebe es "ein paar offene Fragen", so Wünsche, die Gössl während der Sedisvakanz nach der Annahme des Rücktrittsgesuchs von Ludwig Schick durch den Papst am 1. November 2022 bisher damit beantwortet habe, dass zunächst der neue Bistumsleiter bestimmt sein müsse. So fordere der Betroffenenbeirat Sitz und Stimme im Diözesanrat und im ständigen Arbeitsstab, der beim Erzbischof angesiedelt ist und sich speziell mit den Missbrauchsfällen beschäftige. "Ich bin gespannt, wie Gössl hier nun entscheidet", sagt der selbst von Übergriffen durch einen Geistlichen betroffene Wünsche.
Theologie-Professor Lange: "Habemus Episcopum"
Der Bamberger Theologe und Stadtrat Christian Lange (CSU) sagte: "Das ist eine gute Nachricht für die Kirche in Bamberg, auf die viele Gläubige gehofft, aber nicht so recht daran geglaubt haben, dass es 80 Jahre nach der letzten Hauslösung wieder einen Weihbischof als neuen Erzbischof gibt." 1943 war zuletzt mit Joseph Otto Kolb ein Weih- zum späteren Erzbischof ernannt worden. Es sei auch ein gutes Zeichen aus Rom, dass der apostolische Stuhl einen Vorschlag des Domkapitels aufgegriffen habe, so der am Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Universität Würzburg lehrende 51-Jährige. Lange äußerte sich auch zuversichtlich, dass sich Gössl als ehemaliger Bischofsvikar für Caritas und als einstiger Subregens für sozial Benachteiligte und für Bildung und Religionsunterricht einsetzen werde. Analog für die lateinische Formel "Habemus Papam" mit der im Vatikan eine erfolgreiche Papstwahl verkündet wird, sagte Lange: "Habemus Episcopum".
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