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„Katastrophe für Bamberg“
Stadträte beklagen selbstverschuldetes Muna-Desaster
Die Bamberger Muna (Munitionsanstalt) ist Teil des Hauptsmoorwaldes und wurde fast 100 Jahre lang militärisch genutzt, zuletzt  1945 bis 2014 von der US-Armee.
Die Bamberger Muna (Munitionsanstalt) ist Teil des Hauptsmoorwaldes. Es wurde fast 100 Jahre lang militärisch genutzt, zuletzt 1945 bis 2014 von der US-Armee. // Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Bamberg – Nach dem Veto aus Berlin wird es erst mal nichts mit dem Kauf der Muna. Jetzt werden aus der Stadtpolitik Vorwürfe laut: Bambergs Stadtspitze habe sich an der Zukunft der Stadt versündigt.

Nach dem ersten Schock lassen die Schuldzuweisungen nicht lange auf sich warten. In den letzten Tagen des Oktobers hatte das Bamberger Rathaus Post aus dem Bundesverteidigungsministerium bekommen. In einem Brief unterrichtete der Hauptabteilungsleiter „Aufwuchs“ OB Andreas Starke (SPD) darüber, dass die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften für zivile Zwecke auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werde.

Diese Entscheidung begründet das Ministerium mit dem „Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine“. Dieser erfordere eine „differenzierte Betrachtung“ der im Bestand des Bundes befindlichen Liegenschaften. 

Bambergs OB Andreas Starke bedauert das Moratorium  

Als Konsequenz daraus verständigten sich Verteidigungsministerium und Bundesanstalt für Immobilienmanagement (BImA) auf ein Moratorium. Zu den bundesweit 187 davon betroffenen Liegenschaften zählt die ehemalige Heeresmunitionsanstalt (Muna) in Bamberg. Schon seit Längerem beschäftigt sich die Bamberger Stadtspitze mit der Absicht, das Gelände von der BImA zu erwerben. Auf einer Fläche von 22 Hektar will die Stadt auf der Muna unter anderem ein Gewerbegebiet entwickeln. 

Diese Pläne hat das Verteidigungsministerium jetzt zwar nicht brüsk vom Tisch gewischt. Aber auf unbestimmte Zeit auf Eis liegen sie doch. „Das müssen wir leider so zur Kenntnis nehmen“, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke am 28. Oktober 2025 im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. Er bedauere das. 

Volt-Stadtrat Brünker kritisiert zögerliche Verhandlungstaktik 

In den Ohren von Volt-Stadtrat Hans-Günter Brünker klingt die Replik des Oberbürgermeisters allzu geschäftsmäßig und abgebrüht. Brünker selbst bevorzugt es, von einem „schweren Schlag“ zu sprechen: „Das ist ein Rückschlag, dessen Tragweite viele unterschätzen.“ Erneut verliere Bamberg eine zentrale Entwicklungschance. 

Mit dem Abzug der US-Army vor gut zehn Jahren, sagt Brünker dem Fränkischen Tag, habe sich Bamberg eine „einmalige historische Chance“ geboten: „Erstmals standen im Stadtgebiet größere Flächen zur Verfügung, die die Stadt selbst hätte erwerben und für eine nachhaltige Stadtentwicklung nutzen können.“ Während andere Städte in ähnlicher Lage entschlossen gehandelt hätten, wurde aus Sicht von Brünker in Bamberg „gezögert und taktiert“.

BuB-Stadträtin Karin Einwag: Bamberg hat das Nachsehen 

Wahr ist, dass Bundes- und Landesbehörden nach und nach Teile der frei gewordenen Areale für eigene Zwecke beanspruchten. Beispiele dafür sind das Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei oder auch das Ankerzentrum. „Zuletzt verblieb mit dem Muna-Gelände eine der letzten größeren zusammenhängenden Flächen, die sich für die Ansiedlung zukunftsfähiger Arbeitsplätze geeignet hätten“, schreibt er.  

Vor diesem Hintergrund fragt sich auch BuB-Stadträtin Karin Einwag, ob die Stadtspitze in den zurückliegenden Jahren die falschen Prioritäten gesetzt habe. Jedenfalls sei es „der rot-grünen Stadtspitze bedauerlicherweise nicht gelungen“, die Muna zu erwerben. Nach den Flächen der Warner Barracks, die in den Worten Einwags „seit zehn Jahren als Massenunterkunft für Asylbewerber dienen“, habe die Stadt Bamberg nun auch bei der Muna das Nachsehen.

FPD Bamberg betonte finanzielle Folgen der Muna-Entscheidung 

„Dieses Desaster ist hausgemacht“, schimpft FDP-Stadtrat Martin Pöhner. Während andere Städte zur Beschleunigung der Verhandlungen auf die Entwicklung eines Flächennutzungs- und Bebauungsplans beim Erwerb von Flächen von der BImA gesetzt hätten, habe sich die Bamberger Stadtspitze seit 2020 überhaupt nicht um die Aufstellung einer Bauleitplanung gekümmert. Diese „nebulöse Verhandlungsstrategie“ räche sich jetzt.  

Muna-Gelände in Bamberg am Rande des Hauptsmoorwaldes
Das Muna-Gelände am Rande des Hauptsmoorwaldes würde die Stadt gerne kaufen. Jetzt gestalten sich die Bedingungen als komplizierter als schon zuvor. // Foto: Sebastian Schanz

Ralf Stöcklein ist FDP-Ortsvorsitzender und frisch gebackener OB-Kandidat. Er spricht von einer „Katastrophe“ für die Stadtentwicklung Bambergs. Stöcklein zieht eine direkte Linie zu den finanziellen Gestaltungsspielräumen der Stadt: „Der Haushalt der Stadt ist massiv von der Gewerbesteuer abhängig.“ Um die Sanierung von Schulen und Straßen sowie zusätzliche Kita- und Ganztagsbetreuungsplätze bezahlen zu können, hält Stöcklein Gewerbeansiedlungen für „zwingend nötig“. 

Das sagt die Stadt Bamberg zu den Vorwürfen 

Wie begegnet die Stadt Bamberg den Vorwürfen?

„Die Kritik ist haltlos und geeignet, finanziellen Schaden für die Stadt Bamberg auszulösen“, sagt Stadtsprecher Sebastian Martin auf Anfrage des Fränkischen Tag. Den Erwerb des Muna-Geländes habe die Stadtverwaltung auf Grundlage einer Zweckerklärung aus dem Jahr 2023 „zielstrebig und konsequent“ verfolgt.

Laut Martin waren Mitte 2024 die wesentlichen Punkte eines Kaufvertrags mit der BImA abgestimmt. „Der Prozess wurde kurz vor der finalen Beschlussfassung im Stadtrat durch eine unerwartete Mitteilung der BImA unterbrochen“, heißt es weiter. Martin spielt auf den gutachterlichen Befund an, dass das Muna-Gelände stärker als gedacht mit Kampfmitteln belastet ist. Daraufhin, so schreibt die Stadt, stoppte die BImA die Verhandlungen.

Stadt Bamberg weist Vorwurf der Zeitverzögerung zurück 

Die zumindest teilweise Beseitigung der militärischen Lasten hält die Stadtspitze für eine unerlässliche Voraussetzung, um dort anschließend ein Gewerbegebiet auszuweisen und das Gelände auch zur Naherholung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Gleichzeitig legt die Stadt Wert darauf, dass die bei der Kampfmittelräumung anfallenden Kosten bei der Wertermittlung „voll berücksichtigt“ werden. Zwischen Stadt und BImA wurde laut Martin daher vereinbart, diese Kosten gutachterlich ermitteln zu lassen. „Das Verfahren läuft derzeit. Erst wenn dieses Ergebnis vorliegt, kann seriös der endgültige Kaufpreis bestimmt werden“, schreibt der Stadtsprecher weiter. 

Dieses „sorgfältige Vorgehen“ wolle die Stadt nicht als Zeitverzögerung diskreditiert sehen. Anders gesagt: Wer ihre Strategie kritisierte, nimmt aus Sicht der Stadt billigend in Kauf, das Grundstück ohne Berücksichtigung der Kosten für die Kampfmittelbeseitigung zu kaufen. „Dieses Risiko wird von der Stadtspitze nicht verantwortet“, schreibt Stadtsprecher Martin.   

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