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Nach Ehrung von AfD-Mann
Rücktrittsforderung an Bezirkstagspräsident Henry Schramm
Bezirkstagspräsident Henry Schramm
Steht nach der Ehrung eines AfD-Politikers in der Kritik: Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) // Foto: Heinrich Kolb
Bamberg/Bayreuth – Die Ehrung eines AfD-Manns mit Stimmen der CSU im Bezirkstag schlägt weiter hohe Wellen. Neben den Forderungen nach einem Rücktritt von Bezirkstagspräsident Henry Schramm und einem Widerruf der Auszeichnung gab ein Geehrter seine Medaille zurück.

Update vom 22. Juni 2026, 14 Uhr

Aus Enttäuschung über die Auszeichnung des AfD-Politikers Michael Genniges mit der oberfränkischen Bezirksmedaille in Silber hat der ehemalige Präsident des Fränkischen Sängerbunds, Peter Jacobi, seine Ehrenmedaille zurückgegeben. Diese Entscheidung missbillige ich aufs Schärfste – sie widerspricht elementar meinen demokratischen Grundüberzeugungen“, schrieb der 81-Jährige an Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) und übersandte damit seine vor 25 Jahren erhaltene Bezirksmedaille in Silber.

„Vor meinem Gewissen sowie meiner Familie gegenüber, meinen liberalen Freunden und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren langjähriges Mitglied ich bin und an der Ablösung von Herrn Genniges als Vorsitzendem der DIG Bamberg ich 2021 maßgeblich mitgewirkt habe, kann ich es nicht verantworten, mich mit diesem Herrn in eine Reihe stellen zu lassen.“

Jacobi (FDP) war ehemals auch Landtagsabgeordneter und Präsident des Landesverbands Singen und Musizieren in Bayern. 2001 war er vom seinerzeitigen Bezirkstagspräsidenten Edgar Sitzmann (CSU) für sein chormusikalisches und gesellschaftliches Engagement geehrt worden. 2006 wurde Jacobi mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. 


Update vom 19. Juni 2026, 12.15 Uhr

Bezirksrätin Eva Döhla hält die Ehrung des AfD-Politikers und Buchhändlers Michael Genniges für nicht grundgesetzkonform. Sie sehe stichhaltige Gründe, um die Auszeichnung zu widerrufen, sagte die SPD-Politikerin dem Fränkischen Tag.

Das von dem Geehrten in sozialen Medien geforderte Verbot des Korans und die Schließung aller Moscheen in Deutschland widersprächen der Religionsfreiheit im Grundgesetz. Damit zeige Genniges, dass er nicht mehr auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Gemäß Paragraf 5 der oberfränkischen Ehrungssatzung kann der Bezirk die Verleihung einer Ehrenmedaille wegen unwürdigen Verhaltens widerrufen. Über den Widerruf entscheidet der Bezirkstag.


Ursprüngliche Version des Artikels vom 18. Juni 2026:

Bezirkstagspräsident Henry Schramm hatte selbst die Laudatio auf den Geehrten Michael Genniges gehalten. Darin lobte der CSU-Politiker (66) die „Haltung, Leidenschaft und das außergewöhnliche Engagement“ Genniges’ für das kulturelle Leben und den gesellschaftlichen Dialog.

Dass Genniges wegen seines Eintritts bei der AfD im Streit schon vor fünf Jahren als Kreisvorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) abgewählt worden war, entging Schramm offenbar genauso wie den acht CSU-Bezirksräten, die dem AfD-Vorschlag im Bezirkstag zur Mehrheit verhalfen.

Auch die offen islamophoben Äußerungen des ehemaligen Vorsitzenden der AfD-Kreistagsfraktion blieben Schramm entweder verborgen oder er übersah sie geflissentlich. 

Die Diskrepanz zwischen der Ehrung und den salbungsvollen Worten der Laudatio und den aktuellen rechtsradikalen Äußerungen und Verhaltensweisen des Geehrten rief neben dem Fränkischen Tag, der als erster über den Fall berichtete, weitere Medien auf den Plan, und erregte überregional Aufsehen.

Zusätzliche Dynamik erfährt die Sache zum einen durch die Forderung der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, die Auszeichnung zurückzunehmen. Die Ehrung sende ein „fatales Signal“ in die Gesellschaft, kritisierte der Vorsitzende der Allianz, Stephan Doll.

„Wer einen aktiven Funktionär und Mandatsträger der AfD mit einer öffentlichen Ehrenauszeichnung würdigt, ehrt nicht nur dessen kulturelles oder ehrenamtliches Engagement. Die Behauptung, man habe ausschließlich auf einzelne Verdienste geschaut, ist eine fatale historische Fehleinschätzung.“

Süddeutsche: „Ein Rücktritt Schramms wäre ehrenhaft“

Ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung verleiht der Angelegenheit neue Brisanz. „Ein Rücktritt Schramms wäre ehrenhaft“, schreibt Franken-Korrespondent Olaf Przybilla in der Printausgabe vom 18. Juni 2026 und einen Tag zuvor online. „Wenn das Veröffentlichen von Grabreden auf lebende Personen in Oberfranken den ‚gesellschaftlichen Zusammenhalt‘ stärkt – mit welchen von der CSU durchgewinkten Ehrungen muss man dann dort noch rechnen künftig?“, fragt der SZ-Redakteur.

Schramms Umgang mit der verunglückten Ehrung ist für Przybilla stark ausbaufähig. Nach Bekanntwerden der Ehrung und dem Anschwellen öffentlicher Kritik kündigte Schramm (66) an, die „aktuelle Situation“ sorgfältig aufarbeiten zu wollen und sein eigenes Abstimmungsverhalten „selbstkritisch zu hinterfragen“.

Außerdem will er im Juli den Bezirkstag nochmals mit der Causa befassen und nachdenken, welche Konsequenzen auch er persönlich für „vergleichbare Entscheidungen in der Zukunft“ zu ziehen habe.

Die Ehrungssatzung des Bezirks Oberfranken eröffne grundsätzlich die Möglichkeit, eine bereits verliehene Ehrung auch wieder abzuerkennen.

Henry Schramm stand wegen Immobiliengeschäften in der Kritik

Der CSU-Politiker stand vor einigen Jahren schon einmal schwer in der Kritik. Damals geriet Schramm unter den Verdacht, er habe unter anderem ein städtisches Grundstück unter Wert gekauft und zum eigenen Vorteil weiterverkauft. Die Staatsanwaltschaft hatte seinerzeit gegen ihn wegen des Verdachts auf Untreue Ermittlungen eingeleitet, diese aber wieder eingestellt, weil ein strafrechtliches Verhalten nicht nachzuweisen war; zudem waren die Verdachtsfälle teilweise verjährt.

Schramm, damals auch bereits Bezirkstagspräsident, unterlag dann bei der Kommunalwahl im März 2020 knapp seinem SPD-Herausforderer Ingo Lehmann.

Michael Genniges erhält oberfränkische Bezirksmedaille in Silber
AfD-Politiker Michael Genniges bei seiner Auszeichnung mit der oberfränkischen Bezirksmedaille in Silber im Mai 2026. Rechte Medien stilisieren ihn inzwischen zu einer Art Märtyrer. „Geehrter Verleger soll Medaille verlieren, weil er AfD-Mitglied ist“, titelt bereits die „Junge Freiheit“, das Leitmedium der „Neuen Rechten“. // Foto: Sabine Heid

Während sich die Debatte in Oberfranken um den Rücktritt des für die Ehrung Hauptverantwortlichen (Bezirkstagspräsident Schramm) oder die Rücknahme der Auszeichnung dreht, weben rechte Medien wie die „Junge Freiheit“ schon an einer Ausgrenzungslegende. „Geehrter Verleger soll Medaille verlieren, weil er AfD-Mitglied ist“, titelt bereits die „Junge Freiheit“, das Leitmedium der „Neuen Rechten“.

Rechte Medien wie die Junge Freiheit weben bereits an der Legende von der Ausgrenzung eines geehrten AfD-Politikers:

FT-Anfragen an Schramm und an den Bamberger Ex-Landrat und Bezirkstagsvizepräsidenten Johann Kalb (CSU) blieben unbeantwortet.

Von Schramm wollte die Redaktion wissen, wie er einem Rücktritt in der Angelegenheit gegenüberstehe und ob er bei sich Fehler bei der Auszeichnung an Genniges sehe.

Von Kalb, ob er sein Abstimmungsverhalten im Nachhinein bereue, ob genauer hätte geprüft werden müssen und welche Konsequenzen er persönlich aus der Angelegenheit ziehe.

Einen TV-Bericht über den Ehrungsabend des Bezirks auf Schloss Thurnau sehen Sie hier.

Bezirksrätin Eva Döhler: Ehrung ist nicht grundgesetzkonform

Bezirksrätin Eva Döhla (SPD) sieht stichhaltige Gründe, um die Ehrung Genniges' zurückzunehmen. Das von dem Geehrten in sozialen Medien geforderte Verbot des Korans und die Schließung aller Moscheen in Deutschland widersprächen der Religionsfreiheit im Grundgesetz.

Damit zeige Genniges, dass er nicht mehr auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Gemäß Paragraf 5 der oberfränkischen Ehrungssatzung kann der Bezirk die Verleihung einer Ehrenmedaille wegen unwürdigen Verhaltens widerrufen. Über den Widerruf entscheidet der Bezirkstag.

Die Forderung nach einem Rücktritt Schramms teilt Döhla nicht. „Aber ich habe die Erwartung, dass wir uns mit dem Vorgang im Bezirkstag noch mal gründlich befassen und der Weg zur Entscheidung und die gesamte öffentliche Auswirkung bewertet werden. Das wäre für den Bezirkstagspräsidenten die Chance zu zeigen, dass er die berechtigte Kritik, die gekommen ist, ernst nimmt.“

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Ich nehme immer mehr wahr, dass die Brandmauer nur noch in Gänsefüßchen zitiert oder relativiert wird. Und dass man sich bei CSU und bürgerlichen Parteien ein bisschen flexibler macht, wenn es um Abstimmungen mit der AfD geht.

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Eva Döhla Oberfränkische Bezirksrätin

Auch als Stadträtin in Hof nehme sie immer „mehr wahr, dass in der Kommunalpolitik die Brandmauer nur noch in Gänsefüßchen zitiert oder relativiert“ werde. „Und dass man sich bei CSU und bürgerlichen Parteien ein bisschen flexibler macht, wenn es um Abstimmungen mit der AfD geht.“

Ehrungen müssten künftig vonseiten der Bezirksverwaltung gründlicher vorbereitet werden. „Hier darf man nicht nur formal prüfen, ob jemand Straftaten begangen hat oder vom Verfassungsschutz beobachtet wird“, kritisiert Döhla.

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