Als sich am 13. April die Oberfranken-CSU in Hochstadt am Main auf das Wahlkampf-Finale zur Europawahl einschwor, war Monika Hohlmeier noch ganz vorne dabei. Gemeinsam mit CSU-Generalsekretär Martin Huber und Manfred Weber, ihrem Fraktionsvorsitzenden im Europäischen Parlament, warb sie für eine starke CSU auf europäischer Ebene – als Vertreter bayerischer Interessen. Dass die in Bad Staffelstein lebende Europa-Abgeordnete da bereits seit Monaten mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, wussten nur wenige.
Hohlmeier von Diagnose der Uniklinik München überrascht
Doch nur einige Tage später kam es zum Kollaps vor der Europawahl, was Monika Hohlmeier am 19. April erstmals über Facebook öffentlich machte: „Nach einer heftigen Virusinfektion wurde bei mir eine schwerwiegende Autoimmunreaktion festgestellt.“
Von dieser Diagnose des Uniklinikums München sei sie selbst völlig überrascht worden, müsse den Befund aber akzeptieren. „Ich fühle mich so, als wäre bei mir bei Vollgas der Stecker gezogen worden.“ Da medizinische Behandlung und Therapie mehrere Wochen in Anspruch nehmen werden, habe sie sich bewusst dafür entschieden, über ihre Erkrankung zu informieren.
Kein Auftritt im Wirtschaftsclub Bamberg
„Angesichts des medizinischen Befunds bleibt mir – nach sehr sorgfältiger Abwägung und Rücksprache mit meinen Ärzten – keine andere Wahl, als bis auf Weiteres alle öffentlichen Termine abzusagen, um den Genesungsprozess nicht zu gefährden.“ Sie bedauere das zutiefst, Gesundheit gehe aber vor.
Und so fehlte Monika Hohlmeier unter anderem auch am Dienstag, 30. April, im Bamberger Wirtschaftsclub, als auf ihre Initiative mit Bundesbank-Vorstandsmitglied Burkhard Balz über die „Zukunft des Geldes“ diskutiert wurde. Hohlmeier wurde dabei kurzfristig von Bundesinnenminister a.D. Hans-Peter Friedrich, zugleich Bezirksvorsitzender der Oberfranken-CSU, vertreten.
Söder und Huml schicken Grüße vom CSU-Parteitag
Die schwere Erkrankung habe Hohlmeier wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, erklärt ihr Europabüro. „Das betrifft nicht nur ihre Arbeit, sondern eben vor allem auch den nun beginnenden Wahlkampf“, sagt Hohlmeiers persönliche Referentin Barbara Hucke.
Am vergangenen Wochenende wurde Monika Hohlmeier damit auch beim Europa-Parteitag der CSU in München vermisst. In zahlreichen Grußworten und Videobotschaften wünschten CSU-Politiker ihr baldige Genesung, auch Ministerpräsident Markus Söder: „Hallo liebe Moni, alles, alles Gute. Wir denken an dich, wir sind bei dir, ich habe dir ein paar Blumen geschickt. Der ganze Parteitag denkt an dich und wünscht dir gute Besserung.“ Auch die Bamberger Landtags-Abgeordnete Melanie Huml machte in Richtung Hohlmeiers deutlich: „Wir vermissen dich.“
Bamberger Listenkandidatin Bauer vertritt Hohlmeier
Laut Hans-Peter Friedrich kämpft die oberfränkische CSU in diesem Wahlkampf für Monika Hohlmeier, das unterstreichen auch Listenkandidaten für die Europawahl wie Markus Oesterlein (Listenplatz 34) und die Bambergerin Annamaria Bauer (Platz 15) per Videobeitrag: „Wir unterstützen dich hier vor Ort, wo es nur geht. Wir halten die Stellung, alle Kandidaten halten zusammen. Und überall wo wir sind, wünschen sie dir gute Besserung.“
Auch Hohlmeiers Referentin Hucke spricht von einer „unheimlich großen Unterstützung aus der CSU-Familie“. Auch wenn viele Veranstaltungen nun neu geplant und koordiniert werden müssten, „halten alle zusammen und arbeiten mit Herzblut und Engagement“. Besonders hervorzuheben seien die Ehrenamtlichen in den Orts- und Kreisverbänden in ganz Oberfranken. Und auch das Social-Media-Team passe den Wahlkampf der neuen Situation an.
Hohlmeier aus Klinik entlassen, Genesung dauert
In dieser Woche durfte Hohlmeier nun wieder das Münchner Uniklinikum verlassen, beschreibt auch „eine komplexe Stoffwechselentgleisung“ als Grund für den Krankenhaus-Aufenthalt. „Meine Bauchspeicheldrüse hat durch die Autoimmunerkrankung ganz schön was abbekommen. Das aktuell mehrmals am Tag gespritzte Insulin hilft, dass sie sich langsam wieder regeneriert.“
Die Ärzte hätten ihr aber Hoffnung gemacht, dass sich die Bauchspeicheldrüse mit Insulingabe wieder erhole „und sie haben mir ebenso klargemacht, dass die Genesung Zeit in Anspruch nehmen wird und ich mich vorerst weiter schonen muss“. Sie wolle sich nun vollständig erholen, „damit ich in einigen Wochen wieder voll einsteigen kann“.
Strauß-Tochter will Arbeit im Europaparlament fortsetzen
Wie Hohlmeiers Referentin Barbara Hucke auf Nachfrage erläutert, leidet die Europa-Abgeordnete „nicht unter einem ,Diabetes 2', der weithin als ,Altersdiabetes' bezeichnet wird und mit Tabletten zu behandeln ist, sondern unter einem seltenen autoimmun-bedingten Diabetes“.
Eine konkrete zeitliche Prognose sei derzeit nicht möglich. Die Chancen für eine vollständige Genesung und Rückkehr ins politische Geschäft stünden aber gut. „Das ist auch das Ziel von Frau Hohlmeier, so unglücklich die aktuelle Situation für sie ist. Die Arbeit für Oberfranken in Europa ist für sie eine echte Herzensangelegenheit, die sie sehr gerne fortführen möchte, wenn die Wählerinnen und Wähler ihr wieder einen Auftrag geben.“
Darauf hofft auch der Landtagsabgeordnete für Bamberg-Land, Holger Dremel: „Wir brauchen unsere Monika Hohlmeier weiterhin als starke Vertreterin Oberfrankens im Europäischen Parlament. Sie ist eine wichtige Stimme in Brüssel und Straßburg für unsere Heimat.“ Dremel wünsche der „wahren Powerfrau“ alles Gute, eine schnelle Genesung und gute Besserung.
Hohlmeiers neue politische Heimat in Oberfranken
Aktuell stellt die CSU sechs Abgeordnete im Europaparlament. Da die jüngsten Prognosen eher Stimmenzuwächse für die Union erwarten, sollte es mit Monika Hohlmeiers Listenplatz 4 eigentlich wieder reichen. Parteichef Söder hat beim Europa-Parteitag in München das Ziel „Sieben CSU-Abgeordnete plus x“ ausgegeben.
Monika Hohlmeier, Tochter des verstorbenen früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, wurde 2009 erstmals für den CSU-Bezirksverband Oberfranken ins Europäische Parlament gewählt, dem sie bis heute angehört. In Oberfranken fand sie nach ihrem Rücktritt als bayerische Kultusministerin und schweren Auseinandersetzungen mit der Münchner CSU eine neue politische und auch persönliche Heimat.
Seither hat sich Monika Hohlmeier als Europapolitikerin etabliert, die nun dankbar nach vorne blickt: „Ich hatte großes Glück, dass ich diesen Warnschuss erst mit 62 Jahren erhalten habe. Ich bin ganz gerührt von dem großen Zuspruch, den ich von meiner Partei, Parteikollegen, Nachbarn, Freunden und politischen Mitbewerbern erhalte. Darüber freue ich mich wirklich sehr.“
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