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Wild und frei
Sieben Fakten über Camping in Bamberg
Familie Freuntscht aus der Pfalz bereitet sich auf einen erholsamen Tag auf Bambergs Bierkellern vor.
Familie Freuntscht aus der Pfalz bereitet sich auf einen erholsamen Tag auf Bambergs Bierkellern vor. // Sebastian Schanz
Bamberg – Camping-Stellplätze in und um Bamberg sind begehrt – auch inoffizielle. Wie die Stadt dem Boom Herr werden will und wo wieder Wildcamper nerven.

Ihre menschlichen Reisepartner fühlen sich pudelwohl in Bamberg, nur Golden-Retriever-Dame Mera macht Passanten dezent durch Bellen aufmerksam, wenn sie das Frühstück an der Regnitz stören. „Der Platz hier ist nicht nur schön, sondern auch sehr tierfreundlich“, lobt Katrin Freuntscht die Camping-Insel Bug. Die eine Woche Urlaub im Bamberger Land gefällt der Familie aus Bad Dürkheim bisher super – von der pfälzischen Weinstraße direkt ins fränkische Biermekka. „Schade fand ich, dass es nur einen Campingplatz rundum gibt. Weit und breit um Bamberg findet man sonst nichts“, sagt Klaus Freuntscht. Das stimmt nur so halb – wie unsere sieben Fakten zum Thema zeigen.

1. Caravaning boomt in der Region

Die Corona-Pandemie hat viele Arten des Tourismus ausgebremst – und dem Camping Rückenwind gegeben. Die unabhängige Art des Reisens wird immer beliebter. Für 2022 rechnet die Camping-Wirtschaft mit einem Rekordjahr. Die Welterbestadt Bamberg hat sich zu einem Magneten für Mobilisten entwickelt, bestätigt das Wirtschaftsreferat.

2. Offizielle Stellplätze sind begrenzt

Die Campinginsel Bug ist nach wie vor der größte Anbieter von Stellplätzen. Hier finden Camper vom Brötchenservice bis zum Fahrradverleih viele Annehmlichkeiten rund um die 140 Parzellen plus Zeltplätze. Am Faltboot-Club auf der Erba-Insel stehen rund 20 Stellplätze bereit, am Heinrichsdamm 25. Das reicht offenbar nicht. „Wer im Raum Bamberg mit mehreren Mobilen anreist, muss drei Monate vorher buchen“, sagt Camper Gerd Hofmann aus Roth.

3. Wildcamper nerven Anwohner

Immer wieder beschweren sich Bamberger über Wildcamper. Angelockt durch inoffizielle Tipps im Netz blockieren Wohnmobile öffentlichen Grund. Neuralgische Stellen liegen am Kunigundendamm, am Laurenziplatz oder am Ochsenanger in Gaustadt. Auch in Bug sparen sich Urlauber die Gebühr auf der Camping-Insel und parken an der Bushaltestelle. „Die Stadt hat dort Schilder aufgestellt, damit die Wohnmobile dort nicht alles zustellen“, berichtet eine Anwohnerin. Ganz vertreiben lassen sich Camper dort nicht – denn eine Nacht ausruhen dürfen sie auf allen öffentlichen Parkplätzen.

4. Die Stadt schafft mehr Angebote

Um das Problem zu entschärfen, bauen die Stadtwerke am Bambados 23 neue Stellplätze. „Voraussichtlich im Sommer eröffnen wir die Anlage“, berichtet Astrid Rosenberger von den Stadtwerken. Auch für eine Erweiterung der Camping-Insel Bug hat die Stadt grünes Licht gegeben. 50 zusätzliche Parzellen können die Betreiber auf den Wiesen schaffen.

5. Kostenloses Parken soll generell abgeschafft werden

Bambergs grüner Mobilitätsreferent Jonas Glüsenkamp will das kostenlose Parken in der Stadt abschaffen – das würde auch Wildcamper treffen: „Ziel ist es, keine unbewirtschafteten Parkplätze mehr anzubieten.“ Fraglich ist jedoch, ob dieses Ziel nach dem Bruch der rot-grünen Rathauskoalition noch umsetzbar ist.

6. Im Umland entstehen neue Angebote

Die Wirte im Bamberger Land reagieren auf den Boom. Viele bieten Übernachtungen an. „Wer auf unserem Parkplatz übernachten möchte, muss etwas essen und trinken“, erklärt Anita Dietz im Schmausenkeller in Reundorf. Die Nachfrage sei riesig, allein seit März hat sie 3000 Camper bewirtet. Über Sparfüchse, die nur ein Bier und Klos mit Soß bestellen, ärgert sie sich. „Aber ich hatte auch schon welche, die 15 Seidla getrunken haben.“ Den Rausch unbürokratisch im Wohnmobil ausschlafen, kann man auch bei der Weiherer Brauerei Kundmüller und bei vielen Braugasthöfen rund um Bamberg – einfach fragen.

7. Wohnmobil-Hersteller kommen kaum hinterher

„Die Nachfrage ist unverändert hoch“, berichtet Mirko Kerber bei Concorde Reisemobile. Der Schlüsselfelder Hersteller im Luxussegment mit fast 400 Mitarbeitern hat wie die ganze Branche mit Ausfällen bei Lieferketten und Personalmangel zu kämpfen, erweitert gerade sein Werk. Allgemein gilt: Wer aktuell ein Wohnmobil kaufen möchte, braucht meist Geduld. „Der Boom wird auch wieder nachlassen“, sagt Jörg Schilder aus Roth, seit mehreren Jahrzehnten Wohnwagen- und Bambergfan. „Diese Coronacamper erkennst du gleich.“ Neueinsteiger seien oft weniger hilfsbereit, dafür anspruchsvoll. „Die suchen gleich früh nach der Bedienung, die den Kaffee an den Wagen bringt.“ Seine Prognose: Wenn der Boom abflacht, sinken auch die Preise für gebrauchte Wohnmobile.

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