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Überraschendes Aus
Gärtnerei Dechant macht Schluss
„Die Geiz ist Geil-Mentalität ist der Niedergang für Betriebe wie unseren“, sagt Carmen Dechant     Zum Jahresende geben Carmen und Michael Dechant ihre  Hofstadt-Gärtnerei in der Heiliggrabstraße auf.
„Die Geiz ist Geil-Mentalität ist der Niedergang für Betriebe wie unseren“, sagt Carmen Dechant. Zum Jahresende geben Carmen und Michael Dechant ihre Hofstadt-Gärtnerei in der Heiliggrabstraße auf. // Ronald Rinklef
Signet des Fränkischen Tags von Herbert Mackert
Bamberg – Bamberg wirbt für sich als Gärtnerstadt, doch davon leben können immer weniger Betriebe. Auch in der Hofstadt-Gärtnerei Dechant ist bald Schluss.

Ohne die Gärtnerstadt hätte Bamberg niemals den Welterbetitel bekommen. Auch Carmen Dechant hat. 27 Jahre lang mit mit Leidenschaft ihre Gärtnerei betrieben.

Gärtnerei Dechant: eine Institution am Wochenmarkt

Ihre „Gemüsekistla“ direkt vom Hof haben es in sich und bieten teils billiger als im Supermarkt Tomaten, Paprika, Auberginen, scharfe Schoten — nachhaltig im besten Sinne: ohne Pestizide und Kohlendioxid, weil das Gemüse nicht tausende von Kilometern zurücklegen. Sie lud zu Kräuter-, Yoga- und Qi Gong-Workshops in ihre Gärtnerei, führte Touristen durch das Gärtnerviertel.

Sie war eine Institution am Wochenmarkt und traf Menschen aus aller Welt, hat mit ihnen gesungen, gelacht und getanzt. „Ich weiß nicht, in wie vielen Fotoalben ich drin bin“, sagt sie. Doch zum Lachen ist ihr dabei nicht.

Gärtnerei Dechant schließt zum Jahresende

Denn zum Jahresende geben Carmen und Michael Dechant ihre Hofstadt-Gärtnerei in der Heiliggrabstraße auf. Wieder geht ein Teil der Zwiebeltreterstadt verloren. „14 Stunden Arbeit am Tag, seit zehn Jahren keinen gemeinsamen Urlaub, keinen Feierabend. Wir können keine Freundschaften pflegen. Wir lieben diese Arbeit. Aber irgendwann ist der Punkt gekommen, wo man einfach sagt, die Wertschätzung ist so gering, dass wir das nicht mehr leisten können und wollen“, so das bittere Fazit der Gärtnerin.

Was Gärtnerstadt bedeutet

Ihr war immer am Herzen gelegen, die Gärtner-Kultur für die Menschen zu öffnen. Ihre Kunden sollten ein Mal im Herzstück des Unesco-Kulturerbes stehen und den Blick auf Dom, Michelsberg und Altenburg schweifen lassen, begreifen, was Gärtnerstadt bedeutet. „Wer hier einmal gestanden ist, der hat verstanden, dass wir eine der letzten Gärtnereien sind mit Handarbeit, mit dem Freiland-Anbau und der Vielfalt im Sortiment.“

Michael Dechants bittere Bilanz

Die Dechants nutzen keine elektronischen Geräte, sondern die Kraft des Mondes, der nicht nur Ebbe und Flut beeinflusst, sondern beim richtigen Timing auch beim Aussäen, Topfen und Pflanzen für gesunde Kräuter, winterfeste Stauden, Beet- und Balkonpflanzen sorgt. Doch die "Geiz ist Geil"- und "Einmal hin, alles drin"-Mentalität, mit der die Kunden in die Supermärkte strömen, breche Gärtnerbetrieben wie ihrem das Genick, bilanziert Ehemann Michael Dechant.

Gärtnerei Dechant: Gründe für die Schließung

Neben dem Verkauf ab Hof und am Grünen Markt belieferten die Dechants auch die zwei Rewe-Märkte Rudel im Berggebiet und Smith in Baunach. Doch trotz der als so wichtig beschworenen Regionalität und Nachhaltigkeit beim Einkauf reicht es nicht mehr für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb.

„Unsere Preise haben wir gehalten, aber die Kundenfrequenz ist einfach nicht mehr da“, sagt Carmen Dechant. Durch Corona seien die Kunden bequemer geworden und hätten gelernt: "Im Supermarkt sind wir auf der sicheren Seite, da gibt es alles und immer.“ Wer aber wirklich wolle, der fahre auch mal den extra Weg zum Gärtner, zum Bäcker und zum Metzger.

Parkproblem für Kunden der Gärtnerei

Ein Übriges habe die restriktive Parkraumbewirtschaftung in der Mittel- und in der Heiliggrabstraße bewirkt, klagt ihr Ehegatte. "Wir haben auch 70-jährige Kunden aus dem Landkreis, die auf ihr Auto angewiesen sind, aber nicht mehr kommen, weil sie hier nicht parken können."

Als Gärtnerei Dechant zurückverfolgen lässt sich der Betrieb bis 1876. Aber auch schon im Zweidlerplan, Bambergs ältester erhaltenem Stadtplan von 1602, ist die Flur als Gärtnerfläche ausgewiesen. Neben dem Unternehmerpaar werden auch zwei Teilzeitkräfte und zwei Menschen mit Behinderungen ihre Arbeit verlieren.

Gärtnerei-Aus: Wie geht es für die Dechants weiter?

Wie es nach diesem Jahr für die beiden 60-Jährigen weitergeht? „Wir lassen es auf uns zukommen“, sagt Carmen Dechant. Bis Weihnachten läuft der Verkauf wie bisher weiter, so lange gibt es noch die robusten, winterharten Stauden, frisches Pesto, Frucht- und Kräuteressige und die Spezialität der Dechants, das Mondkräutersalz. Natürlich wird bis zum Schluss  weiter das reichhaltige Gemüseangebot aus eigenem Anbau verkauft. Danach aber wollen sie der Gärtnerbranche den Rücken kehren, sagt die Gärtnerin, die auch „Gschichdn und Gedichdla“ verfasst.

Einige sind auf der Webseite zu lesen. Wie ein Menetekel wirkt dabei die „Gäddnerweisheit Nr. 2“: „Kaafd schö bei die Gäddner ei ...! Weil sunst werd Bamberch bald ohna Gäddner sei!“

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