Inzwischen sind noch nicht ganz vier Jahre vergangen. Am 17. Juli 2021 erschütterte ein blutiger Messerangriff Ebermannstadt und die gesamte Region. An diesem Sommertag stach die damals 53-jährige Cornelia S. mehrfach auf ihren Ex-Schwiegersohn ein und ermordete ihn damit kaltblütig. Nur ein Mann stand ihr dabei im Weg, in Ebermannstadt vermutlich noch mehr Schaden anzurichten. Karl-Heinz Parzefall stoppte ein weiteres Blutbad, entwaffnete Cornelia S. und versuchte indes noch das Opfer, Hannes Z., am Leben zu erhalten, leider vergeblich.
Am 5. Januar verstarb Parzefall im Alter von 68 Jahren, nach einem langen Krankheitskampf und einem schlussendlichen Herzversagen. Doch wer war Karl-Heinz Parzefall eigentlich? Wer war der von den Medien betitelte „Held von Ebermannstadt“?
Heldenrolle wollte er nie
Held genannt werden wollte Karl-Heinz Parzefall dabei aber nie. „Das wollte er nicht, er empfand sich nie als Held, sondern einfach als ein guter Mensch“, erklärt seine Witwe Ursula Parzefall im Gespräch mit der FT-Redaktion. Für ihn wäre das Einschreiten beim Messerangriff immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. „So ein Mensch war er einfach, immer hilfsbereit, egal in welcher Situation“, erzählt seine Frau. Damals riskierte er sein eigenes Leben, um Cornelia S. das Messer abzunehmen.
Doch auch wenn er womöglich Schlimmeres am 17. Juli verhindern konnte, ließen ihn die Geschehnisse dieses Tages nie ganz los. „Er kam nie ganz weg von diesem Tag“, so Witwe Ursula. Sowohl seelisch als auch körperlich hätten ihn die Ereignisse mitgenommen. „Er war ja vorher schon krank, aber diese ganze Situation hat ihm gesundheitlich weiter geschadet“, so Parzefall. Ohne den Messerangriff wäre Karl-Heinz Parzefall vermutlich nicht am 5. Januar 2025 verstorben, da ist sich seine Familie sicher.
Karl-Heinz Parzefall: „Hätten wir ihm vielleicht noch helfen können?“
Dass Parzefall im Juli 2021 eingeschritten ist, hätte er nie bereut. Das betonte er bereits in einem Interview mit dem Fränkischen Tag im September 2023. „Wenn so etwas wieder einmal passiert, würde ich wieder dazwischen gehen“, betonte Parzefall damals.
Dennoch hätte er sich oftmals schuldig gefühlt, nicht mehr getan zu haben, auch einer der Gründe, warum er so sehr mit der ihm aufgedrückten Heldenrolle fremdelte. „Hätten wir anders reagiert, schneller, hätten wir ihm vielleicht noch helfen können?“, fragte sich Parzefall im Gespräch 2023.
Von Innenminister Joachim Hermann geehrt
Auch wenn Karl-Heinz Parzefall sich selbst vielleicht nicht als ein Held sah, erhielt er nach seinem couragierten Einsatz dennoch die Anerkennung vieler als Held. So auch von der bayerischen Staatsregierung. Denn im September 2023 ehrte das Innenministerium unter der Führung von Innenminister Joachim Herrmann Karl-Heinz Parzefall mit der Medaille für Verdienste um die innere Sicherheit. Eine Auszeichnung, die er im Gegensatz zu anderen Ehrungen nicht ablehnen wollte. „Das gehört sich nicht“, erklärte der damals 67-Jährige im Interview mit dem Fränkischen Tag.
Bis zum Schluss voll im Leben
Neben seiner Frau Ursula hinterlässt Karl-Heinz Parzefall vier Kinder und drei Enkelkinder. Zumindest das Weihnachtsfest konnte Karl-Heinz noch angenehm mit seinen Liebsten verbringen. „Wir waren alle zusammen und da ging es ihm auch noch gut“, sagt Ursula Parzefall. Dass ihr Mann rund zwei Wochen später im Krankenhaus sterben würde, war da noch nicht abzusehen. „Auch in seinen letzten Tagen war er bei uns und dem Leben zugewandt“, berichtet seine Frau. Bis zum Schluss ist er so gewesen, wie er es schon immer war, lustig, gesprächig und natürlich immer hilfsbereit.
So will seine Frau Ursula ihren verstorbenen Ehemann auch weiterhin im Gedächtnis behalten. „Wenn jemand irgendwo in Ebermannstadt Stimmung gemacht hat, dann war es vermutlich mein Mann“, scherzt Ursula Parzefall. Egal, ob in der Feuerwehr oder im Kegelverein, egal ob drei oder 300 Menschen, ihr Karl-Heinz hätte sie alle zum Lachen bekommen.
Ganz Ebermannstadt betroffen
Mit seinem Tod verliert seine Familie nicht nur einen Ehemann, Vater oder Großvater. Auch Ebermannstadt verlor mit seinem frühzeitigen Ableben einen seiner ikonischen Bürger. „In der Stadt gibt es keinen, der auch nur ein schlechtes Wort über ihn sagen kann“, so Ursula Parzefall. Entsprechend groß sei auch die Anteilnahme der gesamten Gemeinde an der Trauerfeier gewesen. „Die Kirche war voll, der Friedhof war voll, so gut wie die ganze Gemeinde hat zu uns gestanden“, so Ursula Parzefall.
Inzwischen, nicht ganz vier Jahre nach seiner mutigen, in den Augen vieler auch heldenhaften, Tat verstarb Karl-Heinz Parzefall mit 68 Jahren. Nicht nur durch sein Eingreifen während einer dunklen Stunde der Ebermannstadter Stadtgeschichte wird er den Menschen in Erinnerung bleiben. Mindestens genauso bleibt er den Menschen in Ebermannstadt durch sein freundliches, friedliches Auftreten, seine stets humorvolle Art und Weise und seine ständige Hilfsbereitschaft noch lange in Erinnerung. Egal, ob als Held oder einfach als ein guter Mensch.













