Forchheim
Über 400 Menschen aus ICE evakuiert
Bei fast 30 Grad: 470 Personen müssen aus ICE evakuiert werden
Ein ICE, der von Nürnberg aus Richtung Berlin unterwegs war, musste im Bahnhof Forchheim evakuiert werden.
Foto: NEWS5 / Merzbach (NEWS5)
Forchheim – Ein ICE hat am Dienstag kurz hinter dem Bahnhof Forchheim die Oberleitung eingerissen. Für die Fahrgäste hieß es warten in der Hitze.

Es tat einen lauten Schlag und dann ging nichts mehr. Kurz hinter dem Forchheimer Bahnhof riss der ICE, der von München nach Berlin unterwegs war, am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr die Oberleitung ein.

„Es war wie, wenn ein dicker Ast aufs Autodach fällt. Dann bremste der Zug relativ stark ab“, sagt Astrid Schüller, die im ICE nach Berlin unterwegs war. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Doch der Zug blieb auf der Strecke stehen, ohne Strom, also auch ohne Klimaanlage. Für die rund 470 Passagiere begann eine dreistündige Tortur in der Nachmittagshitze.

Während die Sonne draußen bei 30 Grad brannte, seien es im stickigen ICE sogar 40 Grad gewesen, berichten Fahrgäste später. Immerhin funktionierten die Toiletten noch.

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Viele ratlose Gesichter am Forchheimer Bahnhof
Foto: Andrea Beck

In Forchheim eskaliert die Situation

"Das Zugpersonal verteilte Wasser, aber es war erst mal nicht klar, wie es weiter gehen soll. Nach einer Stunde hieß es dann, eine Lok holt den Zug ab", sagt Anton Salzbrunn aus Erlangen. 

Aus der Stunde wurden zwei Stunden, bis eine Diesellok der Deutschen Bahn die Passagiere zurück zum Bahnhof Forchheim brachte, wo die Stimmung schließlich zu kippen begann. 

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Der Zug war auf dem Weg nach Berlin.
Foto: Andrea Beck

Denn nachdem die Bahn mehrmals ihre Pläne änderte und die überhitzten Passagiere erst zu Gleis Vier, dann wieder zu Gleis Eins schickte, verloren einige von ihnen die Beherrschung und wurden laut.

Sowohl die Mitarbeiter der Bahn als auch der Bundespolizei vor Ort mussten wütende Fahrgäste beruhigen.

Evakuierung mit Hindernissen

"Im Zug hatten sie angekündigt, am Bahnhof würden Busse zur Weiterfahrt bereitstehen und Essen verteilt, aber als wir ankamen, war nichts organisiert", sagt Anton Salzbrunn, der eigentlich nach Leipzig reisen wollte.

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Das Gedränge am Bahnsteig war groß.
Foto: Andrea Beck

Statt in Bussen wurden die Gäste nach einer weiteren halben Stunde teilweise mit der S-Bahn zurück nach Nürnberg oder mit einem weiteren ICE in Richtung Erfurt gebracht. 

Vor allem die angekündigte Rückfahrt nach Nürnberg sorgte für Verwirrung bei den Gästen, unter denen auch ausländische Reisende waren, die das Bahnpersonal immer wieder um eine Wiederholung der Durchsagen auf Englisch baten.

Rotes Kreuz verteilt Wasser

Als die über 400 Gäste auf die zusätzlichen Züge verteilt waren, entspannte sich die Situation langsam. Auch das Rote Kreuz war im Einsatz und verteilte Wasser an die Wartenden. 

"Seit 12 Uhr sind wir jetzt unterwegs und sollten längst in Berlin sein", sagt Astrid Schüller und zündet sich am Bahnsteig erst mal eine Zigarette an. Die Berlinerin ist trotz der langen Wartezeit recht entspannt. "Ich fahre mehrmals im Monat ICE und bin deswegen einiges Leid gewohnt."

Die Meldung der beschädigten Oberleitung löste einen Großeinsatz aus. Am Bahnhof Forchheim waren Vertreter der Bahn, die Feuerwehr, die Forchheimer Polizei, die Bundespolizei und der Rettungsdienst im Einsatz.

Die Strecke blieb für Stunden gesperrt

Aufgrund des Zwischenfalls kam es zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Bamberg.

Die Deutsche Bahn leitete die Züge erst zwischen Nürnberg und Erfurt um, was für Passagiere in Richtung Nürnberg zwei Stunden zusätzliche Fahrzeit bedeutete. 

Gegen 18.30 Uhr war die Strecke dann wieder für ICEs befahrbar. Nur die Regionalzüge mussten noch warten. Für die Passagiere der Strecke Nürnberg-Forchheim-Bamberg richtete die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein.

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