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Hochwasser in Süddeutschland
Forchheim übersteht Unwetter mit „blauem Auge"
Hochwasser Fränkische SchweizForchheim & Fränkische Schweiz
Während Südbayern im Chaos versinkt, ist Forchheim bisher von allzu starken Unwettern verschont geblieben. // Katharina Steinhäuser
LKR Forchheim – Während im Süden Bayerns die Wassermassen Dämme brechen und mehrere Kommunen den Katastrophenfall ausrufen, scheint die Überschwemmungslage in Forchheim weniger kritisch, wie die Feuerwehr berichtet.

Über 40.000 Einsatzkräfte und 800 Bundeswehrsoldaten versuchen derzeit im Süden Bayerns die Wassermassen unter Kontrolle zu bringen. Auch Hilfstrupps aus Ober- und Mittelfranken sind in die Krisengebiete gefahren, um ihre Kollegen vor Ort zu unterstützen. Während die Lage vor allem in Schwaben, aber auch in Nieder- und Oberbayern extrem angespannt ist, scheint der Landkreis Forchheim noch einmal Glück gehabt zu haben. 

Auch hier habe man infolge des langanhaltenden Regens damit rechnen müssen, dass es zu Überflutungen von Straßen, Unterführungen und Kellern, sowie hohen Pegelständen, Aquaplaning und mögliche Erdrutschen kommt, wie es in einer Mitteilung der Kreisbrandinspektion heißt. Am Samstag sei erneut der Behringersmühler Berg zwischen Gößweinstein und Behringersmühle nicht mehr befahrbar gewesen, nachdem der Regen Schotter und Geröll auf die Straße gespült hatte, so Kreisbrandmeister Christian Sailer. 

Überschwemmung in Weilersbach: B 470 kurzzeitig gesperrt

Am Sonntag sei außerdem der Weilersbach über die Ufer getreten und habe die komplette Straße überschwemmt. „Hier sind die Feuerwehren Weilersbach, Reifenberg, Rettern und Reuth sowie das Technische Hilfswerk seit 11 Uhr im Einsatz. Das THW unterstützt die Arbeit der Feuerwehren hier durch die Logistik von Sandsäcken“, so Sailer. Auch die B 470 sei im Laufe des Arbeiten vorübergehend gesperrt gewesen. Hier hatte sich durch die Überschwemmung bereits das Bankett abgesenkt, erklärt Sailer. Inzwischen sei die Straße aber wieder befahrbar.  „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Landkreis die Unwetterlage bisher mit 'einem blauen Auge' überstanden hat“, so Sailer. Schwere Unglücke seien ausgeblieben.

Bei Behringersmühle musste die Feuerwehr auch ausrücken
Bei Behringersmühle musste die Feuerwehr auch ausrücken // FOTOGALERIE FF Gößweinstein
Einsatzbesprechung der Kreisbranddirektion
Einsatzbesprechung der Kreisbranddirektion // FOTOGALERIE Kreisbrandinspektion
Einsatzbesprechung der Kreisbranddirektion
Einsatzbesprechung der Kreisbranddirektion // FOTOGALERIE Kreisbrandinspektion
Auch in Weilersbach konnte der Boden das Wasser nicht halten
Auch in Weilersbach konnte der Boden das Wasser nicht halten // FOTOGALERIE FF Weilersbach
Landunter in Weilersbach
Landunter in Weilersbach // FOTOGALERIE FF Weilersbach

„Insgesamt wurden über uns in der Zeit von Freitag bis Montagmorgen acht Einsätze in Zusammenhang mit Hochwasser im Landkreis Forchheim gemeldet“, heißt es auf Nachfrage bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Bamberg-Forchheim. Bei derartigen Unwetterlagen sei es aber nicht unüblich, dass Anwohner sich direkt an ihre örtliche Feuerwehr wenden würden oder die Helfer – nachdem sie einen Keller leergepumpt hätten – auch im Nachbarhaus Hilfe leisteten. „Wir müssen also damit rechnen, dass uns im Laufe der Woche noch weitere Einsätze nachgemeldet werden“, erklärt ein Sprecher der ILS. So wisse er unter anderem von einigen Einsätzen in Wiesenthau, die es in der Nacht von Sonntag auf Montag gegeben habe. Dennoch sei die Einsatzlage im Landkreis Forchheim vermutlich eher ruhig geblieben. Zumindest im Vergleich zur Region Bamberg. Hier habe es deutlich mehr Alarmierungen über die Leitstelle gegeben.

„Das Hauptproblem am Wochenende war in erster Linie nicht das Wasser, das von oben kam“, berichtet die ILS. Vielmehr sei der Boden infolge der anhaltenden Regenfälle bereits mit Wasser vollgesogen gewesen und habe nichts mehr aufnehmen können. Die Folge sei, dass das Wasser wieder aus dem Boden hervorkomme und zu einer schlammigen Brühe werde, die Straßen und Keller volllaufen lasse.

Pegelstände und erwartete Scheitel

Wie der Hochwassernachrichtendienst Bayern mitteilt, liegen an den Messpunkten im Landkreis aktuell folgende Meldestufen vor:

  • Laufermühle/Aisch Meldestufe 2-3 (Scheitel am Dienstag, Unterschreitung des Meldebeginns am Mittwoch)
  • Hüttendorf/Regnitz Meldestufe  2 (Meldebeginn am Sonntagmittag, Scheitel in der Nacht auf Montag)
  • Muggendorf/ Wiesent: Meldestufe 1 (Meldebeginn am Sonntagvormittag, Scheitel in der Nacht auf Montag)

Das bedeuten die Meldestufen:

Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen.
Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.
Meldestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich.

Erstes Todesopfer und Schwerverletzter in Südbayern

In Südbayern hingegen ist noch keine Entspannung der Lage in Sicht. Hier haben die Wassermassen ein erstes Todesopfer gefordert, ein Mitglied der Feuerwehr Pfaffenhofen. Ein weiterer Mann wurde im Landkreis Freising bei Arbeiten von einem Stromschlag lebensgefährlich verletzt, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Rund 3000 Menschen mussten bisher evakuiert werden, unter anderem aus Altenheimen und einer Flüchtlingsunterkunft. Auch ein Umspannwerk in Reichertshofen wurde geflutet, was etliche Stromausfälle nach sich ziehen dürfte. Etliche Landkreise, darunter Kelheim, Pfaffenhofen an der Ilm und Dachau, haben den Katastrophenfall ausgerufen. 

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