Die Bekannte eines Streuobstwiesenbesitzers öffnete die auf der Wiese einfach abgestellte Kiste, aus der bereits ein bestialischer Gestank drang. Die Gräfenbergerin informierte den Jagdpächter und erstattete Anzeige.
Unbeschreiblicher Gestank aus der Kiste
Sonja Holzmann ist noch ganz erregt, wenn sie an den bestialischen Gestank und das in der Kiste verweste Reh denkt. Gefunden hatte diese Kiste Klaus Neubauer, der an einem Schotterweg gegenüber dem Supermarktareal seine Streuobstwiese hat. Die Kiste, eine grüne „Turtle“ Box, eine stabile Umzugsbox, war mit einem roten Kunststoffband verschlossen.
Aus der Kiste drang bereits ein unbeschreiblich stinkender Geruch, dass sich der Landwirt scheute, die Kiste zu öffnen. An Schlachtabfälle und allen möglichen Inhalt in diese Richtung dachte der Landwirt, der ein Foto der gefundenen Kiste an die mit der Familie Neubauer befreundete Gräfenbergerin Sonja Holzmann schickte.
Wer packt ein totes Reh in eine Kiste?
„Ich fürchte mich vor nichts“, sagt Holzmann und erklärt damit, warum sie an jenem Sonntagabend gegen 20.30 Uhr noch zur Streuobstwiese fuhr und die Kunststoffbox mit einem Baseballschläger öffnete. In der Box lag ein kleines Reh. „Es war offensichtlich bei Mäharbeiten verletzt worden, in die Kiste gepackt und hier auf der Wiese entsorgt worden“, schildert Holzmann entsetzt den grausigen Fund. Es sah aus, als wären die Beine abgetrennt, was auf den Unfall bei Mäharbeiten schließen lässt.
Was die Gräfenbergerin aber ebenfalls entsetzt, ist die Tatsache, dass es einfach auf Neubauers Wiese abgestellt wurde. Will man diese Tat dem Landwirt in die Schuhe schieben? „Normalerweise wäre doch das Kitz vergraben worden“, sagt Holzmann. Sie fragt sich: Wer packt es in eine Kiste, fährt es im Auto herum und stellt diese dann auf einer Wiese ab?
Polizei in Ebermannstadt nimmt Anzeige auf
Dass das Kitz Mäharbeiten zum Opfer gefallen ist, bestätigt auch die Polizeiinspektion Ebermannstadt, die von Sonja Holzmann informiert wurde. Die Gräfenbergerin erstattete Anzeige. „Es gibt keine Hinweise, dass es gequält wurde oder durch Jagdwilderei umgekommen ist“, sagt Alexander Stieg, Dienststellenleiter der PI Ebermannstadt, der ebenfalls davon ausgeht, dass es sich um einen typischen Mähunfall handelt. Ob das Kitz noch gelebt hatte, als es in der Kiste abgelegt wurde, könne nicht ermittelt werden.
Jedenfalls, so ist man sich bei der Polizei sicher, war der Fundort nicht der Tatort. „Es wurde irgendwo hingestellt, wo er nichts mehr damit zu tun hat“, sagt Stieg. Wie bei einer unerlaubten Müllbeseitigung. Allerdings könne die Polizei in solchen Fällen üblicherweise Müllsäcke durchsuchen, um Hinweise zu finden - einen Brief mit Adresse beispielsweise, um so den Täter ermitteln zu können. Bei dem bereits verwesenden Reh sei das nicht möglich.
Wiesen müssen nach Rehkitzen abgesucht werden
Einziger möglicher Ansatzpunkt: Hinweise aus der Bevölkerung, welcher Landwirt solche Boxen verwendet oder verwendet hatte. Dann könnten Ermittlungen in diese Richtung aufgenommen werden. So konnte bisher nur die Müllbeseitigung informiert werden, um das Reh zu entsorgen.
Sonja Holzmann ist noch immer von der Tat schockiert und hatte am Montag nicht nur die Polizei, sondern auch Jagdpächter Horst Hopfengärtner informiert, gerade weil Wiesen vor der Mahd sorgfältig nach Rehkitzen abgesucht werden sollten. Dieser versicherte ihr, die Landwirte in der Gegend würden darauf achten. Sonja Holzmann weiß jedoch, dass in der Nähe oft nicht einmal Stöcke mit Rehfahnen eingesetzt werden.
Der Jagdpächter war bislang für eine weitere Stellungnahme nicht erreichbar.
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