Wer an diesen heißen Tagen das Freibad besucht, sieht sie wieder: die Sonnenanbeter. Um den Körper zu bräunen, meiden sie den Schatten. Auch Susanne Seider (56) war einst eine von ihnen. Auch sie war Sonnenanbeterin. Doch ein Tag änderte schlagartig alles und machte die Sonne für lange Zeit zu ihrem „größten Feind.“
Es war ein Termin wie jeder andere in ihrem Kalender. Die Hautkrebsvorsorge machte Susanne Seider regelmäßig einmal im Jahr. Immer war alles gut. Doch im Oktober 2018 war etwas anders.
Ihre Hautärztin war besorgt. Ein Leberfleck an der rechten Flanke am Rücken fiel ihr diesmal auf. Ein Leberfleck, den Seider selbst niemals im Verdacht gehabt hätte: „Er war hellbraun und sah total unauffällig aus.“ Zwei Wochen später kam jedoch die erschütternde Diagnose: schwarzer Hautkrebs. „Das war der größte Schock meines Lebens“, sagt die Forchheimerin.
Schlimmste Zeit: das Warten
Nach 25 Jahren als Psychotherapeutin im Maßregelvollzug und auch einer privat schweren Zeit fühlte sie sich ohnehin gerade sehr erschöpft. Doch jetzt hatte sie Angst. Todesangst. Das Melanom hatte die Hautärztin entfernt. In der Hautklinik in Erlangen wurde ein Nachschnitt vorgenommen und der sogenannte Wächterlymphknoten entnommen.
Danach folgte für Seider die schlimmste Zeit: das lange Warten auf den Befund. Ist der Krebs noch da und gibt es bereits Metastasen? Kurz vor Weihnachten der erlösende Anruf: kein befallener Wächterlymphknoten, und keine Melanomzellen und somit Stadium 1B und alle drei Monate Nachsorge. „Da könnte ich heute noch heulen“, sagt Seider gerührt.
Angst, dass der Krebs zurückkommt
Dennoch war es für sie zunächst nicht leicht. Die Angst, dass der Krebs zurückkommen könnte, war groß und ihr ständiger Begleiter. Wer schon einmal an einem Melanom erkrankt ist, habe ein erhöhtes Risiko für eine erneute Erkrankung. „Das erste Jahr war furchtbar. Man muss erstmal lernen, dass man für den Rest des Lebens damit leben muss. Man muss die Angst unter Kontrolle kriegen.“
Selbsthilfegruppe auf Facebook gibt Halt
Halt gaben ihr besonders ihre Tochter, ihre Schwester und eine Freundin aus Grundschulzeiten. Eine besonders große Stütze und für Seider die „beste Entscheidung“ war und ist aber besonders die Selbsthilfegruppe „Diagnose Hautkrebs – wir lassen dich nicht allein!“ auf Facebook. Hier meldete sie sich noch am Tag der Diagnose an und tauscht sich seitdem mit anderen Betroffenen und Angehörigen aus.
Im Frühjahr reift die Idee für ein Buch
Gegründet wurde sie von Astrid Doppler und Katharina Kaminski vom Verein „Melanom Info Deutschland“. Im Frühjahr entstand die Idee, mit einem Buch die Krankheit Hautkrebs noch mehr in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu rücken.
Nach einem Aufruf in der Facebook-Gruppe, wer seine Geschichte erzählen wolle und unzähligen Einsendungen, wurde auch Seiders Schicksal ausgewählt. In dem Buch „0,8 mm – ist doch nur Hautkrebs?!“, das im Mai erschienen ist, ist Seider eine von 52 Menschen, die Einblick darin geben, wie die Diagnose Hautkrebs ihr Leben verändert hat.
Nur noch im Schatten
Und wie hat sie Seider verändert? „Ich war immer viel in der Sonne. Schon als Kind. Ich habe gerne und viel in der Sonne gelegen“, erinnert sich Seider. Als Studentin besuchte sie zudem häufig das Solarium. Das macht sie alles nicht mehr.
„Das habe ich alles komplett eingestellt. Ich gehe draußen nur noch in den Schatten und nicht ohne Lichtschutzfaktor 50“, betont Seidel. Der Krebs hat sie achtsamer mit sich selbst gemacht. „Ich werde jetzt aber auch nicht panisch, wenn ich mal fünf Minuten im Garten bin, ohne dass ich mich eingecremt habe.“
Die Angst, dass der Krebs wieder kommt, sei zwar da, aber er ist jetzt eben ein Teil ihres Lebens. „Ich denke natürlich schon oft daran. Ich fühle mich noch nicht als geheilt.“
Verletzende Worte
Sätze wie „Es ist alles weggeschnitten, du bist wieder gesund“ oder „Du bist ja selbst schuld, wenn du in der Sonne brutzelst“ haben sie anfangs sehr verletzt. Heute möchte Seider mit ihrer Geschichte anderen Betroffenen Mut machen. Denn ob sie nun Schuld ist oder nicht, weil sie Sonnenanbeterin war, das zählt für Seider nicht. Wichtig sei, im Hier und Jetzt zu leben.
Weitere wichtige Informationen
Buch: Das Buch „0,8 mm – ist doch nur Hautkrebs?!“ ist online erhältlich unterhttps://www.melanominfo.com
Krebs: Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 200.000 Menschen neu an hellem Hautkrebs und ca. 26.000 neu an einem Melanom (schwarzer Hautkrebs).
Selbsthilfegruppe: In Franken gibt es die Yoko-Selbsthilfegruppe für Hautkrebs-Erkrankte in Nürnberg. Termine und Informationen unter www.yoko-hautkrebs.de
UV-Index: Je höher der UV-Index ist, desto schneller kann bei ungeschützter Haut ein Sonnenbrand auftreten. Schutz ist erforderlich, deshalb am besten während der Mittagsstunden Schatten aufsuchen, entsprechende Kleidung, Hut und Sonnenbrille tragen und für unbedeckte Haut Sonnenschutzmittel mit ausreichendem Lichtschutzfaktor verwenden.
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