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Hanf-Legalisierung
Ebermannstadts Apotheker hadern mit Cannabis
Sollen Apotheken Cannabis zu Genusszwecken verkaufen dürfen?
Sollen Apotheken Cannabis zu Genusszwecken verkaufen dürfen? Ein Apotheker und ein Arzt aus Ebermannstadt, sowie ein Polizist geben ihre Einschätzung ab. // P. Pleul, dpa (Symbolfoto)
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
LKR Forchheim – Soll Cannabis zu Genusszwecken kontrolliert zu kaufen sein? Warum ein Apotheker und Arzt aus Ebermannstadt sowie die Polizei große Bedenken haben.

Die Parteien der neuen Bundesregierung haben in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass eine „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ eingeführt werden soll. Hier steht auch, dass das Ziel ist, „die Qualität zu kontrollieren, die Weitergabe verunreinigter Substanzen zu verhindern und den Jugendschutz zu gewährleisten“.

Bisher ist Cannabis, der lateinische Name von Hanf, nur zu medizinischen Zwecken freigegeben und kann vom Arzt bei schweren Krankheiten verordnet werden. Noch gibt es kein genaues Datum, ab wann ein kontrollierter Verkauf erlaubt sein wird. Es soll in lizenzierten Geschäften wie Apotheken verkauft werden. Doch auch der Bundesverband der Lotto-Toto-Verkaufsstellen hat in einer Pressemitteilung angekündigt, dass ihre Verkaufsstellen den Cannabis-Verkauf übernehmen wollen.

Psychosen durch Cannabis ausgelöst

„Ich habe keinen Bock drauf, Cannabis bei uns zu verkaufen", sagt Frank Heidenreich, Apotheker und Inhaber der Breitenbach-Apotheke in Ebermannstadt. Er selbst habe Gras, die umgangssprachliche Bezeichnung von Cannabis, noch nie konsumiert: „Mir reicht ein Glas Wein.“ Doch er kenne Konsumenten, auch Jugendliche, bei denen nach der Einnahme eine Psychose ausgelöst wurde.

„Eine Apotheke ist ein Abgabeort für Sachen, die dem Menschen helfen sollen“, findet der Apotheker und meint, dass es kein weiteres frei verkäufliches Genussmittel am Markt geben müsse. „Es gibt Untersuchungen, dass fünf Prozent der Konsumenten von Cannabis in eine Klinik eingewiesen werden müssen. Durch Cannabis können komplette Persönlichkeitsveränderungen herbeigeführt werden“, erklärt Heidenreich.

Er berichtet weiter, dass es bisher auch keine guten Studienergebnisse zum Einsatz von medizinischem Cannabis gebe. Außerdem habe er die Sorge, dass sich ein Abhängiger das erste Döschen mit teurem und hochwertigem Cannabis in der Apotheke besorgen und das dann mit illegalem Hanf nachfüllen könnte.

Medizinischer Einsatz in Ordnung

Derzeit diskutiert er mit Kollegen über das Thema: „Wirtschaftlich wäre es sinnvoll, aber ethisch ist es nicht vertretbar.“ Heidenreich ist der Ansicht, dass der medizinische Einsatz von Cannabis in Ordnung ist, da ein Arzt involviert ist. Er sei erschrocken, als er feststellen musste, wie niederschwellig die Möglichkeit in der Fränkischen Schweiz für Jugendliche ist, an Cannabis zu kommen.

Der Apotheker Frank Heidenreich ist erschrocken, wie niederschwellig die Möglichkeit in der Fränkischen Schweiz für Jugendliche ist, an Cannabis zu kommen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Apotheker Frank Heidenreich ist erschrocken, wie niederschwellig die Möglichkeit in der Fränkischen Schweiz für Jugendliche ist, an Cannabis zu kommen. // Carmen Schwind

Auch weist er auf die Daten des Statistischen Bundesamtes hin, die Forscher der Universitätsklinik Ulm ausgewertet haben. Hierin wurde festgestellt, dass sich die Zahl der Menschen, die nach dem Konsum von Cannabis stationär in deutschen Kliniken aufgenommen werden mussten, in den Jahren von 2000 bis 2018 versechsfacht habe.

Drogenpräventionsbeamter: Cannabis ist kein Genussmittel

Jochen Bergmann ist Drogenpräventionsbeamter der Kriminalpolizei Oberfranken. „Mir stößt auf, dass man hier von einem Genussmittel spricht“, sagt er und erklärt weiter, dass Cannabinoide sofort im ganzen Hirn wirken.

Er vergleicht die Wirkung mit Alkohol. Hier könne der Konsument differenzieren. Wenn man aber an einem Joint ziehe, bewirke man gleich eine komplette Hirnintoxikation, auch wenn nicht gleich ein Rauschzustand entstehe. „Da kann man nach meiner Ansicht nicht von Genussmittel sprechen, wenn das ganze Hirn damit vergiftet wird“, meint Bergmann.

Grenzwerte und Jugendschutz wichtig

Er erwarte von den Gesetzgebern, dass zum Beispiel deutliche Grenzwerte für den Fahrbereich vorgegeben werden. Auch sei ein besserer Jugendschutz nötig. Er selbst glaube nicht, dass dies nur durch eine kontrollierte Abgabe erreicht werde.

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Die Hauptaltersgruppe von Graskonsumenten sei 16 bis 28 Jahre alt. „Wenn man bedenkt, dass sich das Gehirn bis zum 25. Lebensjahr entwickelt, dann hinterlässt jeder Rausch gravierende Spuren“, warnt Bergmann. Der Gehalt des psychoaktiven Inhaltsstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) sei sehr stark angestiegen.

THC-Gehalt im Hanf gestiegen

Er weist darauf hin, dass Hanfpflanzen von Natur aus eigentlich zwei Prozent THC enthalten. Während der Hippie-Zeit enthielt die Pflanze etwa fünf Prozent. Die jetzigen Züchtungen enthalten jedoch 15 bis 20 Prozent THC. „Wir hatten sogar Ausreißer mit 50 Prozent“, ergänzt der Polizeibeamte. Er berichtet, dass mittlerweile jede zehnte Psychose in Europa durch den Konsum von Cannabis ausgelöst wird.

Augenarzt wartet auf Diskussion über Alkohol

Benjamin Haugg, Assistenzarzt und Notarzt am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz in Ebermannstadt, ist verwundert, dass es keine Diskussion zur beliebtesten Droge der Region gebe, dem Alkohol. Er berichtet, dass medizinisches Cannabis über ein Betäubungsmittelrezept vom Arzt verschrieben werden könne, allerdings nur dann, wenn andere Therapien oder Medikamente nicht mehr helfen.

Benjamin Haugg,  Assistenzarzt und Notarzt in Ebermannstadt, meint: „Es ist bekannt, dass es bei Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung Schizophrenie auslösen kann.Forchheim & Fränkische Schweiz
Benjamin Haugg, Assistenzarzt und Notarzt in Ebermannstadt, meint: „Es ist bekannt, dass es bei Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung Schizophrenie auslösen kann. // Benjamin Haugg

Erreichen Cannabinoide das Gehirn, docken sie dort an spezielle Rezeptoren an. Dadurch wird Dopamin im Belohnungszentrum des Gehirns angeregt. Haugg erklärt, dass medizinisches Cannabis zum Beispiel bei Spastiken bei Multipler Sklerose, chronischen Entzündungen oder Übelkeit bei Chemotherapie eingesetzt wird. Die erste Wirkung sei Euphorie, dann komme es zu einer Distanzierung zur eigenen Person.

Cannabis legalisieren?

„Es ist bekannt, dass es bei Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung Schizophrenie auslösen kann“, erläutert der Arzt.

Wolle man Cannabis legalisieren, sei eine Überwachung nötig, damit sich Konsumenten nicht in verschiedenen Apotheken mit der Droge eindecken könnten. Auch müsse man sich über die teils gefährlichen Nebenwirkungen im Klaren sein. Zum Beispiel könne Cannabis eine Bluthochdruckkrise auslösen. Er erwarte, dass die Regierung bei diesem Thema über den Tellerrand hinausschaue.

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