Die seit Jahren umstrittene Legalisierung von Cannabis in Deutschland kommt. Zumindest hat das die neue Ampel-Regierung vor. „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein“, schreiben SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag.
Seit 2017 darf THC-reiches Cannabis schon für medizinisch-therapeuthische Zwecke genutzt werden – ist jedoch streng verschreibungspflichtig. Cannabis wird insbesondere bei Schmerzpatienten oder austherapierten Patienten eingesetzt, erklärt Thomas Metz, Pressesprecher des Bayerische Apothekerverbands.
Durchaus erfolgreich ist die Behandlung zum Beispiel bei Menschen mit Aids, Krebs oder Multiple Sklerose, wie er berichtet. In den Apotheken hat man Erfahrung mit der Weitergabe von Cannabis. Nicht verwunderlich ist also, dass durchaus in Betracht gezogen wird, die Apotheken bei der Legalisierung mit einzubeziehen.
Das Wissen der Apotheker nutzen?
„Natürlich kennt sich ein Apotheker mit Cannabis aus – als Heilmittel“, sagt Metz. Jedoch stelle sich die Frage, ob und wie dieses Know-How auch für Cannabis als Genussdroge einzusetzen ist. Man lehne es nicht grundsätzlich ab, in einem möglichen Vertrieb eine Rolle zu spielen, doch „wir warten aktuell ab, bis politische Vorstöße geplant sind“, erläutert er. Aktuell sieht der Koalitionsvertrag vor, dass nur lizenzierte Geschäfte Cannabis verkaufen dürfen, um sicherzustellen, dass nur an Erwachsene verkauft wird und Händler Qualitätsstandards einhalten.
In Bamberg reagiert man verhalten auf die Ankündigung. Mirza Waqas Sadiq vom „Agrabah“ in Bamberg ist skeptisch, dass die Legalisierung wirklich kommt – insbesondere in Bayern. „Aber ich würde mich freuen“, sagt er. Sadiq verkauft in seinem Geschäft und Onlineshop unter anderem Shishas und Tabak-Produkte.
Seit kurzem hat er auch CBD-Produkte im Sortiment, die den Wirkstoff Cannabidiol enthalten. Im Gegensatz zum bekannten Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), welcher für die Rauschwirkung und das High-Gefühl verantwortlich ist, sorgt Cannabidiol für eine beruhigende Wirkung und soll unter anderem gegen Krämpfe und Entzündungen helfen.
Eine gesetzliche Grauzone
CBD-Produkte fallen unter eine Ausnahmeregelung im Betäubungsmittelgesetz. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge sind Produkte legal, solange nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten sind. Der Verkauf von CBD-Blüten ist allerdings verboten. Theoretisch könnte ein Rausch entstehen, wenn diese in sehr großen Mengen konsumiert würden. Zudem muss laut dem Bundesamt auch eine „gewerbliche oder wissenschaftliche Verwendung“ gegeben sein.
Immer wieder kommt es aufgrund der Gesetzeslage zu Untersuchungen von CBD-Vertreibern. Insbesondere in Bamberg ginge man äußerst strikt vor. So heißt es in Justizkreisen, dass in Bamberg aktuell mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde.
Staatsanwaltschaft griff durch
Erst im September wurden zwei CBD-Automaten, einer in Gereuth und ein anderer in Strullendorf, von der Staatsanwaltschaft Bamberg beschlagnahmt. Der Grund: „Es gibt den Anfangsverdacht, dass in unseren Produkten entgegen der Beschriftung trotzdem Blüten enthalten sein könnten“, erklärte Menas Wolf, Geschäftsführer der Betreiberfirma der Automaten, gegenüber dem FT.
Aktuell werden Proben der Produkte untersucht. „Wir erwarten bis Ende Dezember ein Ergebnis. Bisher ist also leider noch nichts passiert. Wir gehen aber davon aus, dass nichts gefunden werden kann“, betont Wolf. Er habe fest vor, die Automaten wieder anzubringen. Die WVS GmbH mit Sitz in Gerolzhofen betreibt über 20 solcher Automaten, unter anderem in Neustadt bei Coburg, Bad Brückenau, Schweinfurt und Würzburg.
Die Effekte einer Legalisierung
Eine Legalisierung von Cannabis sieht Wolf positiv, denn eine Kriminalisierung führe nur zu einem großen Schwarzmarkt. Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg, meint er. „Das wird noch Jahre dauern. Es ist ein langer Gesetzgebungsprozess.“ Andere Länder wie Kanada oder die Niederlande haben es vorgemacht, doch auch hier gäbe es nach wie vor einen Schwarzmarkt, betont Wolf, da die Preise dort natürlich günstiger seien. Dennoch: Es sei ein „hochspannender“ Markt.
Doch Automaten gefüllt mit THC-haltigen Cannabis Produkten? – das sieht Wolf kritisch: „Das muss man sich fragen: Wollen wir das? THC-haltiges Cannabis in Automaten zu verkaufen, finde ich nicht gut. Wie will man so Süchtige abhalten?“ Doch man könnte den Vertrieb durch andere Möglichkeiten ergänzen. Er ist sich jedoch sicher, dass eine Legalisierung auch dem CBD-Markt guttun wird. „Auch mit der Legalisierung von Cannabis wird es weiterhin einen Bedarf an CBD-Produkten geben. Viele möchten sich nicht berauschen. Genauso, wie es auch einen großen Markt für alkoholfreies Bier gibt.“
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