Nur sechs Wochen nach der Entbindung ihres kleinen Söhnchens Tom erfährt die damals 28-jährige Gila Krebs-Feinermann aus Kirchehrenbach, dass sie an Brustkrebs erkrankt war. Leben und Tod so nah nebeneinander. Sterben, den Sohn nicht aufwachsen sehen können, das waren ihre Ängste in den folgenden Jahren.
2018 hatte sie die letzte Operation. Viel Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann. Nun möchten Gila Krebs-Feinermann und Alexandra Fuchs (Landsberg am Lech) mit dem Kinderbuch „Oya und Pünktchen“, anderen Betroffenen helfen. Zugleich will Gila Krebs-Feinermann mit dem Buch die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung in Bayern bekannt machen. Sie hat deshalb das Maskottchen entworfen und das gesamte Buch entstand im Ehrenamt. Der Erlös geht komplett an die Stiftung. Erhältlich ist es ab dem 4. Februar.
Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Was verbinden Sie mit diesem Datum?
Gila Krebs-Feinermann: Als Betroffene ist der Weltkrebstag für mich ein Tag der Dankbarkeit, die Krankheit überlebt zu haben. Es ist auch der Tag, an diejenigen zu denken, die daran verstorben sind, und denjenigen, die gerade darum kämpfen, Mut zu geben. Aber mit dem Weltkrebstag möchte ich auch die Menschen, die nicht von der Krankheit betroffen sind, auf Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen, vor allem jüngere Menschen. Denn Krebs kennt kein Alter. Je früher der Krebs erkannt wird, umso besser sind die Überlebens- und Heilungschancen.
Wie hat sich Ihre Krebserkrankung auf die Familie, gerade auf den kleinen Sohn, ausgewirkt?
Ich war in der Zeit, in der die Mutter für das Kind so wichtig ist, oft weg. Ich war erst zur Chemotherapie, dann für die Operation und danach zur Bestrahlung im Krankenhaus. Wenn ich zu Hause war, ging es mir oft schlecht und ich war zu schwach, um mich um das Kind zu kümmern. Mein Mann hat mich viel unterstützt.
Trotzdem litt mein Sohn mit zehn Jahren für einige Monate an Todesängsten. Auch vom Grundverhalten her ist er ängstlicher und zurückhaltender. Kinder haben ein Gespür dafür, dass etwas nicht stimmt. Den Kindern kann man nichts vormachen. An die Kinder denkt man in der Zeit oft zu spät, weil man mit sich selbst beschäftigt ist. Auf der Kur habe ich dann gelernt, wie wichtig es ist, Kinder mit einzubeziehen.
Wie informiert man vor allem kleine Kinder über die Krebserkrankung?
Es ist schwierig, Kindern davon zu erzählen. Material dazu habe ich damals kaum gefunden. Es gab vielleicht ein oder zwei Bücher dazu. Alexandra Fuchs hatte dann die Idee zu dem Kinderbuch „Oya und Pünktchen“. Sie schrieb die Geschichte, ich illustrierte das Buch, da ich beruflich Grafikerin bin.
Worum geht es in dem Kinderbuch?
Pünktchen, das ist der kleine Marienkäfer, ist traurig, weil seine Eltern so seltsam sind. Der Papa spielt nicht mehr und die Mutter ist immer so müde. Dann trifft er Oya, die Mutmachhummel. Sie fliegt zu seinen Eltern, erfährt von der Pünktchenkrankheit. Das steht für die Krebserkrankung. Die Punkte verschwinden, wachsen nach innen, das Rote verblasst. Aber es gibt eine Medizin, die helfen kann.
Auf diese liebevolle Art werden die Krankheit und ihre Begleiterscheinungen auch durch die Behandlung erklärt, und zugleich wird kindgerecht Mut gemacht, dass die Diagnose durchaus kein Todesurteil ist, sondern die Krankheit geheilt werden kann. Der Erlös geht komplett an die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung, für die wir uns beide ehrenamtlich engagieren. Oya, die Mutmachhummel, ist das Maskottchen der Stiftung, das ich entworfen habe.
Was ist die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung?
Das ist eine Stiftung mit Sitz in Essen, die sich für krebskranke Mütter und ihre Kinder einsetzt. Die Stiftungsgründerin Annette Rexrodt von Fircks, Mutter von drei Kindern, war selbst an Brustkrebs erkrankt. Sie entwickelte eigene Rehabilitations- und Kurprogramme. In diesen Projekten werden betroffene Mütter und ihre Kinder vor allem in der emotionalen Erschütterung aufgefangen. Dadurch gelingt es der gesamten Familie, gemeinsam gesund zu werden.
Auch der Ehemann kann am Abschluss der Behandlung mit zur Kur an die Ostsee. Allerdings habe ich erst bei meiner Abschlusskur von der Stiftung erfahren. Aber ich fand das gut, weshalb ich mich ehrenamtlich engagiere. Ich möchte diese Stiftung auch hier bekannt machen, weshalb ich das Maskottchen, die Hummel Oya, kreierte als Erkennungszeichen. Über das Ehrenamt habe ich viele andere Betroffene kennengelernt. Der Kontakt ist aufgrund der Entfernungen digital, aber sehr wichtig. Ebenso die Stiftung, da hier allen geholfen wird: den Betroffenen und den Familienangehörigen.
Welche Tipps geben Sie Familien, die in einer ähnlichen Situation sind, bei denen ein Elternteil schwer erkrankt ist?
Die Betroffenen sollten sich immer helfen lassen, auch wenn man das in dem Moment nicht möchte. Auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist wichtig. Dann sollten unbedingt die Kinder mit ins Boot geholt werden. Wichtig ist aber, die Kinder richtig aufzuklären, anstatt Angst zu verbreiten. Und man sollte über die Krankheit, die Sorgen und Ängste auch mit dem Partner reden.
Wo finden betroffene Familien im Landkreis Forchheim Hilfe?
Das ist schwierig, da kenne ich nichts. Es gibt eine Frauenselbsthilfegruppe, die mit dem Brustzentrum in Erlangen kooperieren. Über Rehamaßnahmen mit Familie ist die einzige Adresse die Stiftung.
Weltkrebstag
Mottotag Am 4. Februar findet zum 22. Mal der Weltkrebstag statt. Das Motto der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) dazu lautet „Versorgungslücken schließen“.
Hilfe Brustzentrum in Erlangen, www.ccc.uk-erlangen.de/beratung/selbsthilfeangebote/; über Rehamaßnahmen mit Familie informiert die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung, www.rvfs.de.
Buch Erhältlich ist das Buch „Oya und Pünktchen“ ab dem 4. Februar über die Stiftung und mit einem QR-Code unter rvfs.de.
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