Gelebte Tradition
Annafest: Beim Umzug war die Stimmung prächtig
Auch Dudelsack-Klänge der Glen Regnitz Pipe Band waren am Samstag beim Festzug im Kellerwald zu hören.
Auch Dudelsack-Klänge der Glen Regnitz Pipe Band waren am Samstag beim Festzug im Kellerwald zu hören.
Foto: Barbara Herbst
Annafest
Forchheim – Wegen der gesperrten Piastenbrücke ging es in einer kurzen Route hinauf in den Kellerwald zum Annafest. Der Begeisterung tat dies keinen Abbruch.

Manches ist vertraut, vieles aber ganz anders beim diesjährigen Festumzug. Einen ordentlichen Strich durch die Rechnung hat den Veranstaltern in diesem Jahr hauptsächlich die (fehlende) Piastenbrücke gemacht. Deswegen ist die geplante Route anders, vor allem deutlich kürzer.

Start und genauer Routenverlauf nicht jedem klar

Allmählich versammeln sich die Annafest-Besucher, viele wollen den Umzug sehen, wissen aber nicht, wo er genau startet oder welche Route er nehmen wird. Also warten die meisten beim unteren Parkplatz, denn „hier müssen sie ja durch“. Das hofft auch der achtjährige Jonas Pfeffermann, der mit seiner Familie vor dem Kettenkarussell steht. Allerdings könnte sich der Umzug, wenn es nach ihm ginge, schon noch etwas Zeit lassen, das Beobachten des Kettenkarussells ist gerade wichtiger. Aber Jonas hat durchaus etwas zu erzählen, er ist schließlich das älteste Geschwisterkind und kann sich somit an den letzten Annafest-Umzug erinnern. Damals ist er sogar mitgelaufen, beim Schützenverein.

Jährlich wiederholende Familientradition

In der Lichteneiche warten in der Zwischenzeit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Festumzugs auf ihren Einsatz. Die Atmosphäre ist entspannt, das Wetter spielt mit, es ist schön, aber nicht zu heiß. Nach und nach finden sich immer mehr Zuschauer ein, so auch Wolfgang Badura mit seiner Familie und Verwandten aus München und Stuttgart, die extra zum Annafest gekommen sind. Dies ist das „Cousinentreffen“ seiner Frau, eine sich jährlich wiederholende Familientradition. Dann nämlich treffen sich die Cousinen mit ihren Ehemännern und machen eine gemeinsame Stadtreise, sie haben schon Leipzig, Dresden oder Wilhelmshafen besucht. Jetzt sollte es Forchheim sein, genauer, das Annafest. Auch Sohn Felix ist deswegen aus Flensburg gekommen, wo er auf dem besten Weg ist, ein Seebär zu werden. Felix studiert Nautik und wird in absehbarer Zeit Kapitän – ein Forchheimer auf den Weltmeeren. Diese hat er schon zum Teil bereist, jetzt also, zum Durchschnaufen, nicht Alexandria oder Port Said, sondern das Annafest.

Schon oft „da mitgegangen“

Inzwischen setzt sich der Festumzug in Bewegung, die Lichteneiche entlang. Musik zieht an den Gärten der Anwohner vorbei, so auch am Grundstück der Familie Mauser. Vom geöffneten Fenster aus macht Herr Mauser Fotos, seine Frau aber möchte so nah wie möglich am Geschehen sein, direkt am Gartentor steht sie, glücklich und sehr traurig zugleich. 92 Jahre ist sie alt, man sieht es ihr nicht an. Nach einem Sturz ist sie auf den Rollator angewiesen, von Mitmachen beim Festumzug kann keine Rede mehr sein. Dabei ist sie so oft in ihrem Leben schon „da mitgegangen“. „Ach, was hab ich nicht schon alles gemacht …“, erzählt sie und kämpft gegen Trauer- und Erinnerungstränen. Im Frauenbund war sie, in der Tanzgruppe, es ist jetzt einsam um sie.

Kondition ist gefragt

Drumherum, wie das Leben so ist, steigt die Stimmung. Der Festumzug biegt auf die Untere Kellerstraße ein, mittendrin die Bürgermeister Kirschstein, Schönfelder und Prechtel, Landrat Ulm, die Stadträte. Und dann nehmen die Musiker einen tiefen Atemzug und machen sich an den Aufstieg, Kondition ist gefragt.

Bergauf keine leichte Sache für die Festzug-Musiker: Hier feuern die Spieler des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen die Pipe-Band an.
Bergauf keine leichte Sache für die Festzug-Musiker: Hier feuern die Spieler des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen die Pipe-Band an.
Foto: Barbara Herbst

Ganz oben sitzen, gemütlich im Schatten Sascha Meßbacher und Antonia Rauh und lassen die roten Gesichter der jetzt Angekommenen an sich vorbeiziehen. Sie warten hier auf Antonias Freund Marcus Oepp, der mitgespielt hat. Anschließend werden sie gemeinsam etwas trinken, Freunde treffen. Direkt nebenan trinkt Landrat Hermann Ulm schon ein Riesenglas Saft. „Schön war“s“, sagt er, „endlich wieder.“

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