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Gastro-Familie aus Forchheim
Aufstieg der Yildirims: Geschichte einer Kellerwald-Dynastie
Kaum eine Familie ist über die Jahre so eng mit dem Kellerwald zusammengewachsen wie die Yildirims, wirtschaftlich und privat. Zu Besuch bei Dilara (16), Kemal (18), Haldun (53) und Selin (21).
Kaum eine Familie ist über die Jahre so eng mit dem Kellerwald zusammengewachsen wie die Yildirims, wirtschaftlich und privat. Zu Besuch bei Dilara (16), Kemal (18), Haldun (53) und Selin (21). // Foto: Stephan Großmann (Stephan Großmann)
Forchheim – Der Kellerwald in Forchheim ist ihr Wohnzimmer: Die Familie von Haldun Yildirim lebt ihre Leidenschaft zur Gastronomie – nicht nur zum Annafest. Ein intimer Streifzug durch ihr Reich.

„Zuhause.“

Viele Forchheimer bezeichnen den Kellerwald nicht nur während des Annafestes als ihr zweites Wohnzimmer. Und fühlen sich zu Hause angekommen, während sie einen der 23 Bierkeller besuchen. Wenn Familie Yildirim von ihrem Zuhause spricht, dann meint sie das ernst. Denn die vier managen und betreiben nicht nur mehrere Keller, sondern wohnen auch noch in Forchheims Stadtwäldchen. Zeit für einen Besuch.

Familie Yildirim im Kellerwald Forchheim: Alle unter einem Dach

Sie müsse noch schnell aufräumen, sagt Selin Yildirim. Dabei wirkt es schon vorher ordentlich, nichts lenkt von der schick eingerichteten Wohnung ab. Küchenzeile, Wohnzimmer, geräumiges Badezimmer. Die 21-Jährige und ihre beiden Geschwister Kemal (18) und Dilara (16) wohnen zum Teil schon in ihrem Haus über einem der Keller, Papa Haldun und der Rest wollen bald folgen. Alle in einer eigenen Wohnung – und doch zusammen unter einem Dach.

Wohnen mitten im Kellerwald: Selin, Dilara und Kemal Yildirim.
Wohnen mitten im Kellerwald: Selin, Dilara und Kemal Yildirim. // Foto: Stephan Großmann (Stephan Großmann)

Zuhause. Wer aus dem Küchenfenster blickt, schaut auf das neu geschaffene Kellerimperium der Familie. Aktuell ist es dort vergleichsweise ruhig, lediglich das Orga- und Aufbauteam werkelt ununterbrochen, um alles für das bald startende Annafest vorzubereiten. Gut eine Woche dauert es noch, dann wird der Kellerberg wieder zur Partymeile.

Mittendrin: die Yildirims.

Annafest Forchheim: „Verbindet uns als Familie immer mehr“

„Das Annafest verbindet uns als Familie immer wieder ein Stück mehr“, sagt Selin. Sie sitzt mit ihren Geschwistern und Papa Haldun Yildirim unter einem Pavillon des Hofmann-Kellers und schaut über die leeren Tische. Und erzählt munter und ausgiebig von ihrem Leben, ihrer Familie, ihren Plänen. So groß wie heuer werde es noch nie gewesen sein, um etwa 1500 Plätze muss sich das Quartett allein rund um den Hofmanns-Keller kümmern.

Neben dem Schwanen-Keller und dem Hofmanns-Keller betreibt die Familie seit Neuestem noch den Weiss-Tauben-Keller und den Schlössla-Keller. Haldun Yildirim bewirtschaftet als Pächter seit Jahren schon den Schwanen-Keller, überdies besitzt er seit 2024 die Erbpachtberechtigung für den Hofmanns-Keller. Seine Kinder Selin und Kemal haben den Weiss-Tauben-Keller erworben und zuletzt wurde bekannt, dass Yildirims zusätzlich noch den Schlössla-Keller der Brauerei Hebendanz bewirtschaften.

Geschichte der Yildirims beginnt in der Türkei

Kellerwaldkönige, Gastro-Imperium – Schlagzeilen gibt es viele. Wie kam es dazu? „Meine Kinder sind mit Gastronomie und Annafest aufgewachsen“, sagt Haldun Yildirim. Der 53-jährige gebürtige Buckenhofener legte in seinem eigenen Leben früh den Grundstein für sein gastronomisches Wirken, welches auf seine Kinder (mehr oder weniger) abfärbt. „Meinen Machergeist habe ich vererbt“, sagt er stolz und lässt seinen Blick über seine drei Kinder schweifen.

Vier Keller betreiben die Yildirims während des Annafests 2025. Und sie haben noch große Pläne für die Zukunft.
Vier Keller betreiben die Yildirims während des Annafests 2025. Und sie haben noch große Pläne für die Zukunft. // Foto: Stephan Großmann (Stephan Großmann)

Die Geschichte der Forchheimer Yildirims beginnt in den 1960er-Jahren, als Haldun Yildirims Eltern wie Millionen andere Menschen aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland kommen. Sie stammen aus Eskişehir, einer Großstadt im Nordwesten der Türkei, sesshaft werden sie in der fränkischen Kleinstadt Forchheim. Genauer Buckenhofen.

Haldun Yildirim zeigt früh Ambitionen in der Gastronomie

Dort wachsen Haldun Yildirim und sein zwei Jahre älteren Brüder auf. Und sehr früh zeigt sich Halduns Leidenschaft für die Gastronomie. „Mit 14 Jahren habe ich schon auf dem Annafest gejobbt“, erzählt er. In einem 3D-Kino habe er die Eintrittskarten abgerissen, nebendran danach noch Glühbirnen geputzt. Die restlichen Sommernachmittage hatte er nach der Schule in einer Forchheimer Eisdiele ausgeholfen. „Dort habe ich das Arbeiten gelernt“, sagt er und lacht.

Mit 18 Jahren macht er sich selbstständig und betreibt seinen ersten Imbiss auf dem Annafest. Döner und Lángos hat es dort gegeben. In den Jahren darauf wächst die Liste der gastronomischen Unternehmungen Yildirims an. Darauf vorübergehend zu finden: die „Waldesruh“ in Serlbach, das „Scharfe Eck“ in Gunzendorf, das Bräustübla und die Alte Wache in Forchheim. Um nur einige zu nennen.

Umtriebiger Geschäftsmann: Gastronomie und Immobilien

Yildirim war Wirtesprecher, koordinierte das Forchheimer Altstadtfest und kandidierte 2014 für die CSU auf Platz 21 der Stadtratsliste. Überdies macht er sich spätestens 2015 einen Namen, als er gemeinsam mit Stefan Schick begann, etliche Asylbewerberunterkünfte rund um Forchheim zu betreiben. Der Name Yildirim ist aus Forchheims Gastro- und Immobilienszene seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken. Diese anhaltende Umtriebigkeit brachte und bringt ihm bis heute nicht nur Freundschaften in der Königsstadt ein. Darauf angesprochen, lächelt er nur: „Damit muss man umgehen lernen.“

2015 kaufte Yildirim den seit dem tragischen Baumunglück auf dem Annafest 2005 leerstehenden Gottlakeller und ließ das Haus für seine Familie ausbauen. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Natalia, die lange Jahre zusammen mit ihm in der Küche und an der Theke gestanden hatte, sowie seinen drei Kindern wohnte er darin. Bis die Beziehung schließlich scheiterte. „Unsere Mama spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in unserem Leben“, sagt Selin. Dennoch entscheiden sich alle drei damals, bei ihrem Vater im Haus wohnen zu bleiben.

Kellerwald ist Familien-DNA

Zuhause. Für Selin, Kemal und Dilara gehört der Kellerwald zur Familien-DNA. Und das bleibt auch so. Als einzige Besitzer-, Pächter- und Wirtefamilie wohnen die Yildirims nun näher als kein anderer im Keller-Hotspot. Dort wohnen, wo andere ihre Freizeit genießen, bedeutet: Nach dem Annafestrubel einfach ins Bett fallen können. Nach einem sommerlichen Kellertag die letzten Gäste nach Hause trotten hören. Und im Winter die angenehme Ruhe des Kellerwaldes genießen.

Zuhause. Für Kemal, Selin und Dilara Yildirim gehört hierzu auch ein entspannter Plausch unter Geschwistern im Wohnzimmer. Wer aus dem Fenster blickt, schaut direkt in den Kellerwald.
Zuhause. Für Kemal, Selin und Dilara Yildirim gehört hierzu auch ein entspannter Plausch unter Geschwistern im Wohnzimmer. Wer aus dem Fenster blickt, schaut direkt in den Kellerwald. // Foto: Stephan Großmann (Stephan Großmann)

Während Selin ihren Papa als „Idol“ bezeichnet und unbedingt in seine Fußstapfen treten will und auch der leidenschaftlich ambitionierte Hobby-Koch Kemal von einem eigenen Restaurant träumt, mag die erst 16-jährige Dilara noch nicht recht an ihre gastronomische Zukunft glauben. Sie absolviert aktuell eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, könnte sich vorstellen, in dem Beruf weiterzuarbeiten. Überhaupt haben sich alle Yildirim-Kinder eine alternative berufliche Existenz geschaffen oder sind gerade dabei. Selin arbeitet als Immobilienkauffrau bei der Sparkasse und Kemal steht kurz vor dem Abschluss seiner Lehre als Versicherungskaufmann.

Yildirim-Kinder wachsen Stück für Stück in Gastronomie

„Stück für Stück“ wollen sie nun ins Geschäft hineinwachsen, sagen sie. Während sich Papa Haldun um den Aufbau des nun zusammenhängenden Kellertrios Schwanen, Hofmanns und Weiss-Tauben kümmert, stecken vor allem Selin und Kemal voll in den Vorbereitungen für Musikprogramm und Marketing. Hinzu komme noch die gesamte Organisation des Schlössla-Kellers. Das sei neben ihren Vollzeitstellen purer Stress. „Aber positiver Stress, weil wir es gerne und zusammen machen können“, sagt Selin.

Zuhause ist für sie Familie, Zuhause ist für sie der Kellerwald: Selin, Haldun, Kemal und Dilara Yildirim (von links).
Zuhause ist für sie Familie, Zuhause ist für sie der Kellerwald: Selin, Haldun, Kemal und Dilara Yildirim (von links). // Foto: Stephan Großmann (Stephan Großmann)

Da gehören auch erste Konflikte dazu, wie sie üblich sind, wenn nachfolgende Generationen in einem Familienbetrieb flügge werden. „Klar diskutieren wir dann auch mal leidenschaftlich über neue Ideen und müssen unseren Papa überzeugen“, sagt Selin und schaut zu ihrem Vater, als würde sie Widerworte erwarten. Doch der nickt nur und lächelt. „Das gehört dazu, das ist Familie.“

Der Duden beschreibt mit einer „Wohnung, in der jemand zu Hause ist [und sich wohlfühlt]“ das, was Haldun, Selin, Kemal und Dilara Yildirim im Kellerwald gefunden haben.

Ihr Zuhause.

 

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