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Jungunternehmer starten durch
Nun amtlich: Yildirim-Geschwister kaufen Weiss-Tauben-Keller
Selin und Kemal Yildirim heißen die neuen Chefs auf dem Weiss-Tauben-Keller. Die Geschwister haben viel vor - nicht nur während des Annafestes.
Selin und Kemal Yildirim heißen die neuen Chefs auf dem Weiss-Tauben-Keller. Die Geschwister haben viel vor - nicht nur während des Annafestes. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Forchheims Weiss-Tauben-Keller wechselt die Besitzer: Seit diesem Donnerstag gehört das Kellerwald-Schmuckstück den Geschwistern Selin und Kemal Yildirim. Ihr Plan reicht weit über das Annafest hinaus.

Sie kommen aus dem Lächeln gar nicht mehr raus. Beschwingt laufen Selin und Kemal Yildirim an diesem wechselhaften Maidonnerstag vor dem Weiss-Tauben-Keller auf und ab. Ihrem Weiss-Tauben-Keller. Dieser Satz, dieses „unser“ fühlt sich für die beiden jungen Leute noch ganz fremdartig an. Es ist Mittag, sie kommen gerade von ihrem Notartermin zurück. „Wir sind jetzt Kellerbetreiber“, sagt Selin Yildirim lachend.

Über viele Jahre hatte Jürgen Friedrich das Schankrecht inne, nach seinem Tod ist es auf seine Töchter übergegangen. Die wiederum haben das sogenannte Erbpachtrecht (oder Erbbaurecht) an Selin und Kemal Yildirim übertragen. Das Grundstück selbst gehört wie bei allen Bierkellern außer dem Schützenkeller der Stadt Forchheim, die Nutzung obliegt aber in vielen Fällen Privatleuten, meist über Jahrzehnte.

Selin und Kemal Yildirim erstes große Gastro-Abenteuer

Selin (21 Jahre) und Kemal (18 Jahre) wagen das Kellerwald-Abenteuer - mit ihrem Vater Haldun als Kellernachbar und Berater an ihrer Seite.
Selin (21 Jahre) und Kemal (18 Jahre) wagen das Kellerwald-Abenteuer - mit ihrem Vater Haldun als Kellernachbar und Berater an ihrer Seite. // Foto: Stephan Großmann

So auch am Weiss-Tauben-Keller, bei dem nunmehr die beiden jungen Yildirim-Geschwister als Erbpachtberechtigte aufgeführt sind. Für die beiden Jung-Unternehmer ist es das erste eigene Gastronomie-Wagnis, und das gleich in einem der ältesten Lagerstätten, die ab dem 17. Jahrhundert in den Sandstein des Kellerwaldes getrieben worden sind. Selin (21) und Kemal (18) sind aber durch ihren Vater Haldun Yildirim von Kindesbeinen an mit der Materie aufgewachsen. „Wir sind eine echte Gastrofamilie“, sagt Selin Yildirim.

Vater Haldun ist Erbpachtberechtigter des Hofmann Kellers, direkt nebenan, und bewirtet darüber hinaus den Schwanenkeller, den er von der Stadt gepachtet hat. Mit dem Engagement seiner Kinder auf dem Weiss-Tauben-Keller macht die Familie das Triple perfekt und errichtet auf den oberen Kellern eine regelrechte Yildirim-Linie. „Das ist praktisch, dass wir drei Keller direkt nebeneinander bewirtschaften“, sagt der jüngere Bruder Kemal. So könne man sich aushelfen und vor allem beim Annafest zusammenarbeiten.

Zum Annafest 2025 geht’s los am Weiss-Tauben-Keller

Los gehen soll es auf dem Weiss-Tauben-Keller zum Annafest 2025, von der Schlachtschüssel bis zum Beerdigungsmontag. Bis zum Start (Schlachtschüssel am 24. Juli) haben die beiden Yildirim-Geschwister noch einiges zu tun, wollen dann während des Festes auch selbst Biere zapfen und Cocktails mischen. „Wir werden in diesem Jahr das Festbier der Brauerei Hebendanz ausschenken“, verrät Selin. Auch seien Speisekarten bereits in Arbeit und das Musikprogramm stehe schon.

Yildirims wollen Keller künftig ganzjährig verpachten

Und eine entscheidende Änderung steht an: Bislang hatte der Weiss-Tauben-Keller lediglich während des Annafestes geöffnet. Das soll sich ändern, der Keller soll den Forchheimern und Touristen fortan ganzjährig zur Verfügung stehen. Fränkisches Essen, lokales Bier, ruhiges Ambiente, so lautet das Ziel. Allerdings werden Selin und Kemal Yildirim das nicht selbst übernehmen können. Die 21-Jährige arbeitet als Immobilienkauffrau bei der Sparkasse, ihr Bruder Kemal steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann.

„Daher suchen wir aktuell einen Pächter für die ganzjährige Nutzung“, sagt sie. „Es wäre zu schade, den Keller und das Gebäude das ganze Jahr über leer stehen zu lassen“, so Yildirim. Und, so verrät sie, die Verhandlungen seien schon weit fortgeschritten. Konkreter wollen sie und ihr Bruder zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht werden. Lediglich während der kommenden Annafeste wollen sie dann wieder selbst bewirten, wie sie sagen. Aber das sei alles noch nicht abschließend geklärt.

Familie Yildirim zieht in Wohnung auf dem Keller

„Wir ziehen sogar auf den Keller“, erzählt Selin Yildirim. Gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern und ihrem Vater. Bis dahin werden sie die Wohnungen im ersten Stock des Weiss-Tauben-Kellers noch renovieren, dann freuen sie sich auf Kellerwald rund um die Uhr. „Wir sind hier aufgewachsen, haben sogar früher schon hier in der Nähe gewohnt“, sagt Kemal und lacht zu seinem Vater Haldun herüber. „Jetzt sogar mitten in den Kellerwald zu ziehen, fühlt sich wie nach Hause kommen an.“

Des Weiss-Tauben-Kellers wechselvolle Geschichte

In den vergangenen Jahren hatten die Betreiber des Weiss-Tauben-Kellers immer wieder gewechselt. Jürgen Friedrich erwarb den Keller 2016 von Lorenz Müller und bewirtete ihn bis 2019 selbst. Danach übernahm Bruno Alberti vom benachbarten Eichhorn-Keller, ließ den Pachtvertrag aber in der Coronazeit auslaufen. 2022 starteten Sabrina Wittnebel und Joachim Rivero als Wirte, schieden aber nach nur einem Jahr wieder aus. Wie sich damals hinter vorgehaltener Hand erzählt worden ist, gab es wohl Unstimmigkeiten zwischen Wittnebel und den Erbinnen Sabrina und Stefanie Friedrich des mittlerweile verstorbenen Jürgen Friedrichs.

2023 folgte eine monatelange Hängepartie, welche die Jungadler kurz vor dem Annafest retten konnten. Die wiederum wurden 2024 von dem Erlanger Trio Timo Wank, Steffen Ostermeyer und Ricardo Hofmann abgelöst. Zwar hätten die sich auch heuer ein Engagement vorstellen können, doch durch den jetzigen Verkauf sind die Kellerkarten der weißen Taube wieder neu gemischt worden.

 

 

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