Vor einem Vierteljahrhundert: Das Jahr 2000 als Jahrtausendwende wurde mit Spannung erwartet. Prognostizierte Computerprobleme blieben nahezu aus, die Weltausstellung Expo in Hannover überzeugte durch 18 Millionen Besucher, bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney holte Deutschland Rang 5 im Medaillenspiegel und Brad Pitt heiratete Jennifer Aniston. Und im Forchheimer Westen besuchten drei neugierige (und durstige) Bierfans einen Braukurs der Volkshochschule.
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Fränkischer O-Ton Fritz Zirnsack: „Ich wor oberskeptisch. Mir worn vier Kursgruppn, und nach sechs Wochn wor dann Voköstigung. Unser Bier hod den Prüfern am besten gschmeckt, dass om End nedamol für alle glangt hod. Des hätt ich im Lebn ned glabt.“ Jürgen Matern, Nachbar von Thomas Schramm, wirft ein: „Des wor quasi die Geburtsstund. Wenn des Bier nix gworn wär, gäbs Brauwastl heut a gor ned!“
Vor Gründung „Brauwastl“ in Forchheim: Auflösung der Band „Gauchos“
Das inzwischen zum Kult gewordene Hobbybrauer-Trio verdankt seine Entstehung aber auch der Auflösung einer seinerzeit sehr erfolgreichen Band, den „Gauchos“. Knapp 20 Jahre lang standen Thomas Schramm und Fritz Zirnsack mit weiteren drei Musikern und einer Sängerin auf der Bühne. In der erfolgreichsten Phase kam das Ende, erinnert sich Schramm: „Wir spielten in den Neunzigern fast jeden Faschingsball und andere Tanzveranstaltungen der Stadt und im Umkreis. Ein Kollege wechselte beruflich nach München, ein anderer heiratete woanders hin, die Sängerin probierte es solo. Zunächst versuchten wir es trotz der Umstände, der Aufwand war aber zu groß.“
Forchheimer Kult-Brauer: 25 Jahre Brauwastl feiern
Zirnsack ergänzt: „Warum also ned om Höhepunkt aufhörn? Des Problem wor bloß, wenn ma za öft dahaam rumhöckn, nerv ma unser Frauen. Also hamma halt dann mitn Bierbraua ongfanga.“ Nach dem VHS-Kurs 2000 erwarb das Trio im Folgefrühjahr den ersten Kochkessel in Serlbach. Thomas Schramm bekam zum 40. Geburtstag einen ausrangierten Bauwagen geschenkt. Nach der Renovierung wurde er ab 2002 die Basis zum Schaubrauen. Weil die einst zum Wäschewaschen oder bei Hausschlachtungen verwendeten Schamottöfen sehr schwer sind und bei Ortswechseln aufwendig hin und her transportiert werden mussten, wurde die Zahl auf inzwischen 15 Kessel erweitert und auf die Gartenhäuser und den Bauwagen verteilt. Gespielt elitär kommentiert Schramm: „Wir haben halt schon immer groß gedacht.“
Das Schaubrauen und die Ergebnisse der Heimbrautage lockten schnell mehr Freunde an. Die 50 Plätze einer „Brauwastl“-Busfahrt ins Elbsandsteingebirge 2004 waren binnen eines Tages weg. Die erste „Brauwastl“-Kerwa ein Jahr später bot alles, was dazu gehört: Stellen eines geschmückten Baumes, eine zünftige Schlachtschüssel samt selbst gebackenem Brot und dem Motto „Wenn ned mir, wer dann?“
Allerdings ist der gesetzliche Rahmen für Hobbybrauer eng gesteckt. Schaubrauen ist zwar erlaubt, das Erzeugnis darf aber nur für den Eigengebrauch Verwendung finden und nicht verkauft werden. Deshalb werden „Brauwastl“-Biere jeweils gegen eine Spende unter die Leute gebracht.
„Brauwastl“ in Forchheim spenden für ASB-Wünschewagen
Die Frage nach Höhe der Spenden, die sich in all den Jahren summierte, lässt sich gar nicht so leicht beantworten, erklärt Zirnsack: „Wir rundn jo eh imma auf a höhere Summa auf, des schaut schönna aus. So Pi mol Dauma werds scho a mittlara fünfstellicha Zohl sei.“ Bedacht wurden bereits der ASB-Wünschewagen, die Kinderkrebsstation Erlangen, die Lebenshilfe Forchheim sowie die Kinderarche, um ein paar zu nennen. Für den gewerblichen Zweig am Annafest wurde eigens die „ZMS Kellerbetrieb GbR“ gegründet, die zwar dennoch unter „Brauwastl“ firmiert, jedoch streng vom Hobbywesen getrennt ist.
„Brauwastl“-Klassiker: das „Mond-Bier“
Und experimentierfreudig sind die „Brauwastl“ allemal. Von Weizen- und Rauchbieren, daneben auch beide Arten als Bock, über Kellerbiere unfiltriert, Märzenbier und mehr gibt es kaum eine Sorte, die noch nicht gebraut wurde. Der Klassiker war wohl bisher das „Mond-Bier“. Gebraut wurde es um Mitternacht bei Vollmond, und das Wasser dazu musste mittels großer Kanister zu Fuß von einer Quelle am Weingartsteig angeschleppt werden.
Nicht immer gelang ein Sud, gibt Matern zu: „Mir ham a scho Bier wegkippt. Und unser allererstes Braua 2001 vergess ma a niemols.“ Die Zutaten für den ersten Sud im neuen Kessel sollten 70 Liter Bier ergeben. Unerfahren schürte das Trio jedoch von Anbeginn massig Holz unter den Schamott und durch die zu hohe Dauerhitze blieben letztlich nur noch 50 Liter übrig – bei gleicher Menge Alkohol. Die Verköstigung jenes Bieres sollte, nach dem wochenlangen Reifeprozess, beim zweiten Hausbrauen erfolgen, wobei keiner mehr am Schirm hatte, dass das Gebräu letztlich durch den ungewollten Wasserverlust wohl deutlich stärker ausfallen würde. Gesagt, getan.
Wie stark es am Ende wirklich war, weiß heute niemand mehr. Im Radio lief während des Brauens der Sportkanal von „Heute im Stadion“, doch an Fußballergebnisse konnte sich kein „Brauwastl“ mehr erinnern. Anderntags erfuhren Zirnsack & Co. gar, dass einige Nachbarskinder verstört in die Häuser zu ihren Müttern liefen und riefen: „Mama, Mama. Da drüben im Garten fallen die Männer einfach so um.“
Das Programm im Kellerwald Forchheim
Freitag, 23. Mai
Livemusik vom Feinsten von drei verschiedenen Bands
- 17 Uhr: Acoustify
- 18 Uhr: Josi und Mona
- 21 Uhr: Die Gerchli (bis 23 Uhr)
Samstag, 24. Mai
- 19 Uhr: SLP - gute handgemachte Musik mit Schlagzeug, Klampfe und Quetschn.
- Gerockt wird bis zum Muskelkater und Verlust der Stimme!
Sonntag, 25. Mai
- 11 Uhr: Traditioneller Frühschoppen, feinste Blasmusik vom Musikverein Forchheim-Buckenhofen




























