Es wird enger im Landkreis. Lebten Ende 2023 noch 116.284 Menschen in den 29 Landkreisgemeinden, werden es 2043 voraussichtlich fast 3000 Menschen mehr sein. Genauer haben die Experten des Landesamtes für Statistik in Fürth auf Grundlage der Daten des Mikrozensus 2022 vorausberechnet, dass im Landkreis bis dahin 117.900 Menschen wohnen werden. Ändern wird sich vor allem die Altersstruktur.
Einordnend muss gesagt werden, dass die natürliche Bevölkerungsentwicklung im Landkreis wie in allen anderen Landkreisen Frankens negativ verläuft. Das heißt, bis 2043 werden mehr Menschen gestorben als geboren sein. In Prozent ausgedrückt hat Forchheim ein negatives Saldo von -8,7 Prozent. Dass in 18 Jahren trotzdem mehr Menschen hier leben werden, liegt daran, dass die Forscher von mehr Zuzügen als Wegzügen ausgehen (+10,7 Prozent).
Damit stemmt sich der Landkreis erneut gegen den vor allem in Oberfranken starken Trend, dass die Bevölkerung in vielen Landkreisen abnimmt. Vor allem Wunsiedel, Kronach und Hof verlieren viele Einwohner. Frankenweit den größten Zuwachs erlebt Neustadt an der Aisch (+7,3 Prozent). In Oberfranken gewinnen lediglich die kreisfreien Städte Bamberg (3,7 Prozent), Bayreuth (0,7 Prozent), Coburg (0,9 Prozent) sowie die Landkreise Bamberg (1,5 Prozent) und Forchheim (1,4 Prozent) mehr Einwohner.
Grundsätzlich ist es eine gute Nachricht für eine Region, wenn ihre Einwohnerzahlen mindestens stabil bleiben. Zu hoher Zuwachs kann auch zu gravierenden Problemen wie nicht mehr zeitgemäßer Infrastruktur oder fehlendem Wohnraum führen. Das könnte selbstverständlich auch dem Landkreis drohen; aber immerhin soll der Landkreis Forchheim weniger stark zulegen als beispielsweise noch vor zwei Jahren gedacht (damals sollten der Vorausberechnung gemäß bereits im Jahr 2041 fast 120.000 Menschen im Kreis wohnen).
Landkreis Forchheim: Bevölkerung wird älter
Eine Erkenntnis aus den aktuellen Daten aber könnte das Zusammenleben im Landkreis auf eine harte Probe stellen: Laut dem bayerischen Statistikamt werden lediglich die Älteren (ab 65 Jahren) stark zunehmen. Demnach könnten im Jahr 2043 25,8 Prozent mehr Ältere im Landkreis leben als heute. Die Zahl der Menschen über 75 Jahren nimmt gar um mehr als 60 Prozent zu. Gleichzeitig schwindet die Zahl der Jüngeren, am meisten derjenigen zwischen 40 und 65 Jahren (-8.5 Prozent). Aber es werden auch weniger junge Erwachsene (-3,2 Prozent) und Minderjährige (-2,5 Prozent). Das Durchschnittsalter im Landkreis steigt auf 46,8 Jahre (2023: 44,9).
Sowohl für den barrierearmen Wohnungsmarkt, die Pflegeversorgung und den Arbeitsmarkt gehen mit dieser Entwicklung große Herausforderungen einher. Altert die Bevölkerung, braucht es mehr Gesundheits- und Betreuungsdienste, aber auch einen flächendeckenden und inklusiven öffentlichen Personennahverkehr.
Speisen sich Zuzüge darüber hinaus zu großen Teilen aus Migration (was sie aufgrund des Fachkräftemangels wohl tun werden müssen), wachsen damit auch die Anforderungen an Bildung und Kinderbetreuung.
Viele Städte und Gemeinden stellen sich bereits auf diese Entwicklung ein, die freilich nicht überraschend kommt. Schon in den Vorausberechnungen der vergangenen Jahre zeichnete sich dieser Trend ab. Manche lösen das über das Einsetzen eines Quartiersmanagements wie beispielsweise in Neunkirchen am Brand, Hallerndorf und Forchheim. Dort kümmern sich eigens angestellte Personen um das Vernetzen der Menschen vor Ort und das Schaffen von Angeboten. Darüber hinaus gibt es im Landkreis Forchheim etwa den Pflegestützpunkt, der Betroffene und Angehörige rund um das Thema Pflege berät.
Neue Bundesregierung will ländlichen Raum stärken – reicht das?
Vor allem in eher ländlichen Gebieten wie in Oberfranken üblich ist das kein einfaches Handlungsfeld. Immerhin hat sich die Politik des Themas an höchster Stelle angenommen. Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD heißt es wörtlich: „Attraktive ländliche Räume sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Akzeptanz unserer gelebten Demokratie. Wir wollen Dörfer der Zukunft als lebens- und liebenswerte Heimat fördern. Wir werden die dortige Wertschöpfung durch gezielte Investitionen stärken und schaffen Perspektiven für Betriebe und deren Beschäftigte.“
Problematisch wird es dann, wenn den Kommunen zwar weiterhin eine wichtige Rolle in der Pflegeplanung zufällt, deren Möglichkeiten zur Einflussnahme aber beschränkt bleiben. Der Deutsche Städtetag forderte daher im Sommer 2024 in einem Positionspapier, den Einfluss der Kommunen zu stärken. Wörtlich heißt es: „Die Städte stellen sich ihrer Verantwortung in der Daseinsvorsorge. Sie benötigen jedoch funktionierende Rahmenbedingungen und ausreichende finanzielle Ressourcen. Es sind endlich grundsätzliche Reformen durchzuführen. Die Hoffnung, die Kommunen würden es schon machen, ist nicht zu verantworten.“
Anmerkung der Redaktion:
Die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik zeigt, wie sich die Bevölkerung unter Berücksichtigung der vergangenen Entwicklung und aktueller Trends in ihrer Zahl und ihrer Altersstruktur verändern würde. Die Ergebnisse sind nicht als endgültig im Sinne einer unabänderlichen Tatsache zu verstehen. Neben unvorhersehbaren Ereignissen, wie etwa Kriege, Konflikte oder Pandemien, hat auch politisches Handeln oder Nicht-Handeln einen Einfluss auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Um solche Veränderungen zu berücksichtigen, wird die Vorausberechnung jährlich durch das Bayerische Landesamt für Statistik aktualisiert.













