Sommerzeit heißt in der Fränkischen Schweiz auch Volksfeste und Kirchweihen. Immer mehr junge Menschen tragen dann eine Tracht. Das bestätigt Schneidermeisterin Rosalie Postatny, die gerade im Laden „Flitterkränze“ von Dagmar Rosenbauer in Kunreuth eine neue Weste für Christian Rosenbauer absteckt.
Der junge Mann schwärmt von seiner Tracht: „Die ist bequem und man kann sie auch mal zu einer Jeans tragen.“ Er erzählt, dass er mit Arbeitskollegen auf der Bergkirchweih in Erlangen war und sein Chef ganz neidisch auf seine fränkische Tracht war. Außerdem komme es auch schon mal vor, dass sich Besucher mit ihm fotografieren lassen wollten.
Vor Annafest viel zu tun
„So, fertig“, sagt dann Rosalie Postatny und legt Nadeln und Schere zur Seite. Gleich kommt ein älterer Herr, der ebenfalls eine neue Weste geschneidert haben möchte. Vor dem Annafest in Forchheim gibt es für sie viel zu tun.
„Kurz vorher kommen und schnell mal eine Tracht genäht haben wollen, das geht nicht“, stellt sie fest. Denn es werden ein Besprechungstermin, zwei Anproben und der Abholtermin benötigt. Dazwischen muss sie Stoff bestellen und diesen verarbeiten. „Ganz wichtig ist: Eine fränkische Tracht ist kein Dirndl. Wenn man zu mir kommt, sollte man eine gewisse Offenheit für die fränkische Tradition und Kultur haben“, sagt die Schneidermeisterin bestimmt.
Beim ersten Gespräch wird auch besprochen, ob jemand aus der Region ist und ob es dort eine bestimmte Tracht gibt. Städtern müsse eher das Prinzip der Tradition erklärt werden. „Der Kunde bekommt dann eine fränkische Tracht, die ihm gefällt und in der man sich wohlfühlt“, erklärt Postatny. Sie verrät, dass so eine Tracht ein Leben lang getragen werden könne, da sie wenigen modischen Gepflogenheiten unterworfen sei, diesen dann aber schnell angepasst werden könne.
An vier Kleidergrößen anpassen
„Und man kann sie an bis zu vier Kleidergrößen anpassen“, fügt sie hinzu. Man könne zum Beispiel die drei Unterröcke weglassen oder die Polster, den Ausschnitt tiefer oder den Rock kürzer machen. „Außerdem ist die fränkische Tracht farbenfroh“, stellt Rosalie Postatny fest.
Christian Rosenbauer will seine Tracht beim Umzug am Annafest tragen. Hier läuft er bei der freien Trachtengruppe „Kerwa is“ mit. Er wollte nicht Mitglied in einem Verein sein mit einer Satzung und festen Vorschriften. „Hier kann ich einfach so mitmachen“, sagt er.
Zur freien Trachtengruppe hat auch Steffi Mattis aus Nürnberg durch einen Zufall gefunden. Als Mutter war sie bei einem Kirchweihumzug mitgelaufen und fand die dort getragenen billigen Dirndl vom Discounter nicht gut. Deshalb wollte sie selbst etwas Regionales nähen. Im Internet stieß sie auf Rosalie Postatny, die auch Nähkurse anbietet. „Selbst mein Mann ist jetzt überzeugt von Tracht, obwohl er beim ersten Treffen Cowboy-Stiefel und Bud-Spencer-T-Shirt trug“, erzählt sie und lacht. Ihre Kinder tragen Tracht ebenfalls mit Begeisterung.
„Es ist wichtig, dass Tradition auch von Jüngeren weitergelebt wird“, meint auch Nicole Dutschmann aus Forchheim, die ebenfalls bei „Kerwa is“ mitläuft. Sie stammt aus Brandenburg und ist vor fünf Jahren nach Forchheim gezogen: „Ich dachte mir, wenn ich schon in Oberfranken wohne, dann möchte ich auch eine solche Tracht tragen, denn die Trachten hier sind farbenfroh und individuell.“ Durch das Scheunenfest kam sie nach Kunreuth und lernte Dagmar Rosenbauer kennen. In ihrem Laden fand sie eine komplette Tracht, die ihr gefiel. „Die ist super bequem, wie eine zweite Haut“, schwärmt Dutschmann.
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