Oft sind sie schon durch ihr aufwendiges Design erkennbar: kunstvolle Rosenranken, goldglänzende Schrift, detailreiche Illustrationen von Drachen, Schwertern oder Blüten. Oder aber zarte Pastelltöne in Rosa, Salbei, Flieder. Die Rede ist von Büchern, die sich vor allem durch die sozialen Medien aktuell großer Beliebtheit erfreuen und besonders junge Menschen wieder für das Lesen begeistern.
Auf Plattformen wie TikTok und Instagram tauschen sich immer mehr Buch-Fans weltweit aus. Unter dem Hashtag „BookTok“ – ein Wortspiel aus dem englischen Wort Book, also Buch, und dem Namen der App – sind bereits über 52 Millionen Beiträge auf TikTok erschienen. Wie groß der Hype ums Lesen ist, zeigte sich im März auch auf der Leipziger Buchmesse. Die Messe knackte Besucherrekorde und vor allem an den Ständen von Verlagen aus dem „BookTok“-Universum bildeten sich lange Warteschlangen.
BookTok: Trend bei Stadtbücherei spürbar
Auch in Forchheim ist der Hype bereits angekommen. Das bestätigt Simone Lahn von der Stadtbücherei. „Bei uns ist dieser Trend deutlich spürbar. Die Bücher, die vor allem auf TikTok, bzw. BookTok, präsent sind, werden auch bei uns immer mehr nachgefragt“, erzählt sie. Das zeige sich sowohl bei den Ausleihzahlen als auch bei den Anschaffungswünschen der Leserinnen und Leser. Vor allem bei jungen Erwachsenen und insbesondere beim weiblichen Publikum seien diese Titel besonders beliebt.
Besonders nachgefragt seien unter anderem Bücher aus den Genres Romance und Romantasy (also Bücher, die Fantasy und romantische Elemente vereinen) sowie Young Adult (Bücher für junge Menschen, bei denen die Protagonisten oft selbst zwischen zwölf und 18 Jahre alt sind). Auch Dark Romance sei inzwischen etwas mehr gefragt, ein Genre, das sich durch eine düstere Erzählweise auszeichnet und sich oft um intensive, komplizierte Beziehungen und moralische Konflikte dreht.
„Neben einzelnen Genres gibt es auch einfach BookTok-Autorinnen, die immer stark ausgeliehen und nachgefragt sind, beispielsweise Ali Hazelwood und Rebecca Yarros“, erklärt Lahn. Durch die Aufmerksamkeit auf TikTok würden es aber auch teils ältere Titel wieder auf die Bestsellerlisten schaffen und dadurch häufiger ausgeliehen. Die Stadtbücherei verzeichnet in den vergangenen Jahren eine steigende Zahl an angemeldeten Nutzern und an Ausleihen.
Buchhandlungen reagieren unterschiedlich auf BookTok
Auch beim Betreten der Buchhandlung Osiander in der Forchheimer Hauptstraße führt an den Trend-Büchern kaum ein Weg vorbei. Dass TikTok die Nachfrage nach bestimmten Büchern direkt beeinflusst, erlebt Filialleiter Leon Spielmann immer wieder. Ein Phänomen, das vor allem junge Leute betreffe, bestätigt Spielmann. Eines der beliebtesten TikTok-Bücher ist laut dem Filialleiter „Icebreaker“, eine Eishockey-Romance von Hannah Grace. Doch auch der Roman „22 Bahnen“ von Caroline Wahl habe sich auf BookTok besonderer Aufmerksamkeit erfreut.
Bei der Buchhandlung „’s blaue Stäffala“ in der Wiesentraße gibt es für die typischen BookTok-Bücher nur ein kleineres Regal. Bei ihm spiele das Thema – im Gegensatz zu den großen Ketten – eher keine Rolle, erklärt Manfred Schade, Betreiber der Buchhandlung. „Das sind zwei Welten“ betont er. Die Ausrichtung der Buchhandlung sei eine andere, persönliche Beratung spiele unter anderem eine größere Rolle.
Neuer Buchclub in Forchheim
Nicht nur online, auch persönlich können sich Forchheimer Buch-Fans seit diesem Jahr austauschen: Im Schiefen Haus trifft sich seit Februar ein neu gegründeter Buchclub. Organisiert werden die Treffen von Julia Stumpf und ihrer Schwägerin Nadine. „Wir haben irgendwann festgestellt, dass wir dieselben Bücher lesen“, erzählt Julia Stumpf.
Als „Onyx Storm“, der dritte Band der weltweit erfolgreichen Drachenreiter-Serie von Rebecca Yarros, erschienen sei, hätten sie mitbekommen, dass in der Buchhandlung auch viele andere die heiß ersehnte Fortsetzung vorbestellt hätten. Das habe sie inspiriert, es mit dem Buchclub auszuprobieren. Zum ersten Treffen im Februar kamen direkt um die 15 Teilnehmer.
Buch-Inspiration auf Social Media
Die 26-jährige Michele aus Ebermannstadt ist auch beim zweiten Buchclub-Treffen im April wieder dabei. Sie freut sich, dass es jetzt eine Möglichkeit gibt, sich persönlich mit anderen über Bücher auszutauschen. Die 26-Jährige betreibt in ihrer Freizeit einen eigenen BookTok-Kanal. Dort teilt sie Videos mit Buchrezensionen, zeigt ihr Lese-Tagebuch oder präsentiert ihre Ausbeute von der Buchmesse.
An der digitalen Buch-Community begeistert sie vor allem, dass man viele Bücher sehe, die man selbst gar nicht so auf dem Radar habe. „Ich bin so jemand, ich gehe in den Buchladen und entweder ich finde das Cover schön oder ich finde das Cover hässlich, dann kaufe ich es gar nicht“, erzählt Michele. Ohne BookTok hätte sie so einige spannende Bücher verpasst.
Auch die 33-jährige Katharina aus Eggolsheim nutzt Instagram und TikTok für Buch-Inspiration. „Wenn man einmal in dieses Buchuniversum reintappt, dann kriegt man immer mehr“, erzählt sie. Die Algorithmen der Plattformen würden einem dann irgendwann die Inhalte zu neuen Büchern automatisch liefern. Auf den Buchclub ist sie auch über Instagram aufmerksam geworden. „Das ist eine schöne Sache.“

















