„Die Aura der Kirche hat gut gewirkt und der Angels‘ Share ist nicht so groß. Das ist ein richtig gutes Ergebnis an Menge und Qualität“, beurteilt der Pretzfelder Pfarrer Florian Stark den Brand, der in seinem Glas ist. „Angels‘ Share“ oder „Engelsanteil“ wird der Anteil des Whiskys genannt, der bei seiner Lagerung im Fass verdunstet.
Am Pfingstsonntag lagern von diesem Brand nun einige Fässer seit drei Jahren und einem Tag bei optimalen klimatischen Bedingungen im Turm der Kilianskirche in Pretzfeld und er darf sich dann Whisky nennen. „Für die Lagerung geben wir natürlich einen Obolus an die Kirche“, sagt Brenner Johannes Haas von der gleichnamigen Edelbrennerei, denn er und Mike Schmitt vom Nikl-Bräu haben den Whisky mit dem Namen „Longmiler“ aus regionalen Produkten hergestellt.
Brauer, Brenner und Pfarrer testen schon mal einen Schluck
Gerade haben sie im schmalen Raum unter dem Kirchturm noch eine Probe aus den dort gelagerten Fässern genommen, um das Ergebnis ihrer Arbeit gemeinsam mit Stark ein letztes Mal zu testen. Begonnen hatte das Projekt 2020. Die Gerstensorte „Solist“ stammt von der „Langen Meile“ am Feuerstein und war zum Mälzen in eine regionale Mälzerei gebracht worden. Schmitt braute daraus ein Bockbier, das er 12 Wochen gären ließ.
Die Whisky-Maische wurde danach ohne Getreiderückstände auf saubere Weise beim Mittellauf in der Edelbrennerei Haas destilliert, wobei der Alkoholgehalt danach bei 63 bis 65 Volumenprozent lag. Dann wurde das Produkt in Fässer abgefüllt und an verschiedenen Orten gelagert.
„Durch die Lagerung in der Kirche entstand ein himmlisches Produkt“, schwärmt Johannes Haas und ließ sich das auch vom Whisky-Experten Harald Schieder vom „Highland Circle“, Deutschlands ältestem Whisky-Club, bestätigen. Der durfte einige Tage zuvor den Brand probieren. „Für die kurze Lagerzeit hat er ein sehr gutes Aroma“, meint Haas und Florian Stark fügt hinzu: „Weil er am Ort der Ewigkeit lagerte. Da reichen drei Jahre um himmlisch zu schmecken.“
Vorgestellt wird der himmlische Whisky Pfingsten auf dem Pretzfelder Keller
Die drei lachen und probieren noch einen Schluck. „Jetzt muss uns nur noch der Wettergott hold sein“, scherzt Mike Schmitt und erzählt, dass sie den Whisky am 19. Mai am Pretzfelder Keller vorstellen wollen. Ab 11 Uhr spielen die Wannbacher Dorfmusikanten, ab 16 Uhr ein Alleinunterhalter. „Nach dem Besuch des Gottesdienstes können die Leute also dann auf den Keller“, scherzt Pfarrer Stark.
Florian Lochner wird passend zum Whisky Zigarren anbieten und Harald Schieder wird etwas über Whiskys erzählen. Haas und Schmitt füllen drei Whisky-Sorten ab: den Dorf-, einen Bourbon- und einen Portweinwhisky. „Der Dorfwhisky heißt so, denn das ist der, der in der Dorfkirche lagerte. Das nächste Projekt wird dann ein Torfwhisky werden“, erklärt Haas.
Schmitt erläutert weiter, dass die anderen beiden Sorten in entsprechenden gebrauchten Fässern gelagert wurden und so ihren Namen erhielten. Noch einmal probieren die drei den „Longmiler“ und sind zufrieden. Florian Stark will am Pfingstsonntag ebenfalls den Pretzfelder Keller besuchen: „Allerdings habe ich vorher ein umfangreiches Wallfahrtsprogramm.“
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